Über das „postfaktische“ Zeitalter: Jeder macht sich seine eigene Welt


Mecklenburger demonstrieren gegen Ausländer - die es in ihrem Land so gut wie gar nicht gibt. Worum es aber auch nicht geht.Foto: dpa
Mecklenburger demonstrieren gegen Ausländer – die es in ihrem Land so gut wie gar nicht gibt. Worum es aber auch nicht geht.Foto: dpa
Ich fühle, also weiß ich? Wirken Populisten als das „Orakel von Selfie“? Emotionen heißt es, seien die neuen Fakten. Ach, wirklich? Ein Essay

Von Caroline Fetscher | DER TAGESSPIEGEL

Auf der Insel Usedom gibt es kaum Asylbewerber, kaum Ausländer. Der Anteil an Einwohnern, die nicht aus Deutschland stammen, liegt bei drei Prozent. Viele sind qualifizierte gastronomische oder medizinische Mitarbeiter des Kurbetriebs. Es gibt ein chinesisches Restaurant, ein mexikanisches, ein griechisches, ein italienisches. Weder belegen Asylsuchende im Sommer die Strandkörbe, noch schlagen sie Zelte zwischen Wohnwagen oder Villen auf. Auf Usedom boomt der Tourismus, fast jeder hat Arbeit. Trotzdem fürchten sich die Insulaner vor „Überfremdung“ und dem Ausverkauf des Abendlands. Im September zu Landtagswahlen aufgerufen, bescherte ihr Katzenjammer der AfD den Löwenanteil der Stimmen: 35,3 Prozent. „Asylchaos beenden!“ hatten Plakate gefordert, „Kein Geld für Eure ,Flüchtlinge’!“ und „Grenzen sichern!“. Halluzinierten die Bewohner am Horizont der Ostsee Schiffsladungen voller Fremdlinge? Wie die Schlafwandler scheint es die Usedomer zu den Urnen gezogen zu haben. Wider besseres Wissen: Sie wissen es besser.

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