Deutsche Regierung lehnt Wiedergutmachung für den Völkermord an den Herero und Nama ab


Generalleutnant von Trotha, der Oberkommandierende der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika, mit seinem Stab während des Herero-Aufstandes 1904. Bild: Deutsches Bundesarchiv ( Bild 183-R27576). Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Generalleutnant von Trotha, der Oberkommandierende der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika, mit seinem Stab während des Herero-Aufstandes 1904. Bild: Deutsches Bundesarchiv ( Bild 183-R27576). Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Herero-Häuptling Vekuii Rukoro: Ohne Beteiligung der Herero und Nama gibt es keine echte Lösung

Von Rolf-Henning Hintze | TELEPOLIS

Noch immer hat der Bundestag den deutschen Völkermord an den Herero und Nama während der Kolonialzeit nicht anerkannt. Inzwischen arbeiten jedoch zwei Unterhändler der namibischen und der deutschen Regierung daran. Der ehemalige CDU-Abgeordnete Ruprecht Polenz, der die Verhandlungen für die Bundesregierung führt, hat allerdings ausgeschlossen, dass es Wiedergutmachung geben wird. Auf einem internationalen Kongress über diesen Völkermord, der vor einigen Tagen in Berlin – von den deutschen Medien kaum beachtet – stattfand fand, stieß das auf massive Ablehnung. Mit Vekuii Rukoro, dem obersten Herero-Häuptling, der an dem Kongreß teilnahm, sprach Rolf-Henning Hintze.

Chief Rukoro, die deutsche Regierung hat sich mehr als 25 Jahre lang geweigert, den Völkermord an den Herero und Nama anzuerkennen, eine Entschuldigung steht bis heute aus. Jetzt aber gibt es erstmals Gespräche zwischen Regierungsvertretern beider Seiten über dieses sensible Thema. Sehen Sie das als einen wichtigen Schritt vorwärts?

Vekuii Rukoro: Es ist einerseits ein positiver Schritt, aber der andauernde Ausschluss der traditionellen Führer der Nachkommen der beiden Volksgruppen, auf die die Befehle zum Völkermord direkt zielten, verringert die Bedeutung der Verhandlungen zwischen den Regierungen. Es wird keine wirklich dauerhafte Lösung geben, wenn nicht die Vertreter der Opfer-Volksgruppen beteiligt werden.

Die namibische Regierung hat Zedekia Ngavirue, einen Herero-Intellektuellen und früheren Botschafter in Brüssel, zum Verhandlungsführer bestimmt. Sind Sie mit dieser Entscheidung unzufrieden?

Vekuii Rukoro: Dr. Ngavirue ist in Grunde ein Regierungsbeamter, der mit einem Mandat und auf Anweisung der namibischen Regierung handelt. Er spricht nicht als Vertreter der beiden betroffenen Volksgruppen. Er verhandelt nicht mit einem Mandat von uns und aufgrund unserer Vorgaben, das ist ein großer Unterschied.

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