Kirchenhistoriker Wriedt: Reformationsfeiern heroisieren Luther

Bild: mdr.de
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Das Wichtigste an der geplanten Feier des Jubiläums sei die Herausgabe der neu überarbeiteten Lutherbibel, ergänzte Wriedt. „Sie ist ein großartiger Versuch, Luther alltagstauglich zu machen.“

evangelisch.de

Der Frankfurter Kirchenhistoriker Markus Wriedt hat die Feiern der evangelischen Kirchen zum bevorstehenden 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 kritisiert. „Martin Luther wird in Kategorien des 19. Jahrhunderts heroisiert“, sagte Wriedt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit der Darstellung des Reformators als einzelnem Aufrechten gegenüber Kaiser und Papst, einsamem Denker auf der Wartburg und Anführer der evangelischen Bewegung werde ein Heldenbild im Stil des 19. Jahrhunderts gemalt.

Martin Luther (1483-1546) sei auch nicht der Entdecker des Individuums oder des Gewissens gewesen, wie oft behauptet werde, erklärte der Kirchenhistoriker. Der Reformator sei mit seinem Denken noch im Spätmittelalter verwurzelt gewesen. Erst die Aufklärung und der Pietismus im 17. und 18. Jahrhundert hätten mit der Betonung der Vernunft beziehungsweise des persönlichen Glaubenszeugnisses den Einzelnen und seine Gewissensentscheidung hervorgehoben.

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Pulverfass Syrien

Von der islamistischen Miliz Ahrar al-Sham veröffentlichtes Bild, das von einer Drohne aufgenommen sein und Al-Assad, eine Vorstadt von Aleppo, zeigen soll. Bild: heise.de/TP
Von der islamistischen Miliz Ahrar al-Sham veröffentlichtes Bild, das von einer Drohne aufgenommen sein und Al-Assad, eine Vorstadt von Aleppo, zeigen soll. Bild: heise.de/TP
Beinahe-Zusammenstoß von Flugzeugen der USA und Russlands, Türkei hat Luftangriffe nach Drohung Syriens eingestellt, Streit über die geplante Einnahme von Raqqa

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Situation in Syrien und im Irak ist hochexplosiv, verstärkt durch die Intervention des Nato-Mitglieds Türkei, das mit Russland und den nordirakischen Kurden liiert ist. Der Kampf um Aleppo, die Offensive auf Mosul und die geplante Befreiung von Raqqa haben die tiefen Risse der rivalisierenden Koalitionen und Staaten offenbart. Dass es am 17. Oktober um Mitternacht, wie jetzt bekannt wurde, beinahe zu einem Zusammenstoß zwischen einem amerikanischen und einem russischen Kampfflugzeug gekommen wäre, erhellt nur, dass es jederzeit zu einer Erweiterung der Kämpfe kommen könnte, in die dann auch Deutschland direkt hineingezogen würde.

Der Vorfall ereignete sich, weil sich in Ostsyrien ein nicht näher beschriebenes US-Flugzeug („larger framed aircraft“), wie es Brauch zu sein scheint, „allgemein in dem Gebiet befand“, in dem ein russisches Aufklärungsflugzeug, das wie meist von einem Kampfflugzeug gesichert wurde, unterwegs war. Generalleutnant Jeff Harrigian, der Kommandeur der dem Central Command unterstellten Luftwaffeneinheit, schob die Schuld den Russen zu. Es käme zwar in der letzten Zeit oft zu solchen Begegnungen in der Luft zwischen Flugzeugen, aber dieser Vorfall wurde von den USA als bedenklicher eingestuft. Man habe diesen den Russen berichtet, die gesagt hätten, der Pilot habe das amerikanische Flugzeug gar nicht gesehen.

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AfD bei Kirchen-Veranstaltungen: „Wenn gehetzt wird, gibt es kein Podium“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm (imago / Christian Ditsch )
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm (imago / Christian Ditsch )
Bei Kirchenveranstaltungen könne man einen Ausschluss von Populisten nicht an Parteilinien festmachen, sagte Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, im DLF. Das gelte auch für die AfD. Aber wenn Menschengruppen herabgesetzt würden, dann gebe es dafür kein Podium bei kirchlichen Veranstaltungen. Auch Pegida passe nicht zu Martin Luther.

Heinrich Bedford-Strohm im Gespräch mit Martin Zagatta | Deutschlandfunk

Martin Zagatta: Übermorgen wird das Luther-Jahr eröffnet. Die evangelische Kirche feiert 500 Jahre Reformation, denn am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther – so zumindest die Legende – seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg genagelt haben. 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche, die als Ausgangspunkt der Reformation gelten und damit auch der Spaltung in evangelische und katholische Kirche.

  • Heinrich Bedford-Strohm ist der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, guten Morgen, Herr Bedford-Strohm!

Heinrich Bedford-Strohm: Guten Morgen, Herr Zagatta!

Zagatta: Herr Bedford-Strohm, Sie freuen sich, dass dieses Luther-Jahr jetzt endlich losgeht, so haben Sie gestern gesagt. Aber ist das nicht auch ein ziemlich schwieriges Jubiläum, denn Martin Luther, der steht ja für die Spaltung der Kirche bis heute?

Bedford-Strohm: Ja, es ist in der Tat so, dass ich mich freue. Ich kann aber auch sagen, dass sich auch katholische Schwestern und Brüder mitfreuen. Und gleichzeitig sage ich, das Freuen ist auch mit dem Gedenken an den Schmerz verbunden, der mit der Trennung in der Tat auch verbunden war. Ich freue mich riesig darüber, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte der runden Reformationsjubiläen dieses Reformationsjubiläum in ökumenischer Gemeinsamkeit feiern können. Der Papst wird in Lund mit den Spitzen des Lutherischen Weltbundes am Montag ein ökumenisches Gebet abhalten, auch das gab es so noch nie. Wir werden in unserer Eröffnung am Montag Kardinal Lehmann, zum ersten Mal einem Katholiken, die Luther-Medaille überreichen. Wir werden dieses Jubiläum international feiern, ökumenisch international. Wir waren mit den katholischen Bischöfen auf Pilgerreise ins Heilige Land und haben uns von Christus selbst her Kraft geben lassen, um gemeinsam und auf Einheit hin orientiert in dieses Jahr zu gehen. Insofern ist, glaube ich, der Grundton sehr gut gesetzt.

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Beckstein: Leere Kirche sind mir größere Sorge als Moscheen

Günther Beckstein und Aiman Mazyek, Bild: bb
Günther Beckstein und Aiman Mazyek, Bild: bb
Die großen Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum, die am Montag beginnen, hält Beckstein für eine gute Idee. Denn die Reformation habe weit über die Kirche hinaus eine riesige Bedeutung. „Sie markiert einen großen Aufbruch.“

evangelisch.de

Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat keine Angst vor einer Islamisierung Deutschlands. „Aber ich habe Sorge vor einer Entchristlichung“, sagte der überzeugte Protestant der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagsausgabe). „Leere Kirchen sind mir die größere Sorge als die Moscheen.“ Er zitierte dazu Meinungsforscher, denen zufolge bis zu 75 Prozent der Muslime sagen, ihnen sei ihr Glaube sehr wichtig, während weniger als 25 Prozent der Christen dies von sich sagten.

Der christliche Glaube ist für Beckstein außerdem „ein wichtiger Faktor für unsere Leitkultur“. Religiöse Fragen hätten eine weit größere Bedeutung, als gemeinhin angenommen werde – „wenn auch nicht unbedingt in Übereinstimmung mit den Kirchen“. Die Kirche habe die Vermittlung vom Sinn des Lebens und von Werten lange Zeit zu gering geachtet, kritisierte Beckstein. Doch Sinnfragen beschäftigten die Menschen sehr. „Wer nicht an Gott glaubt, glaubt ja nicht nichts, sondern er glaubt an alle Formen der Scharlatanerie.“

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Homophobe Rede: Günther Oettinger fällt aus der Rolle

Sorgt für Gesprächsstoff: Günther Oettinger. Foto: dpa
Sorgt für Gesprächsstoff: Günther Oettinger. Foto: dpa
Chinesen mit Schuhcreme im Haar, keine Frauen ohne Quote und die Zwangsehe für Schwule und Lesben. Mit flapsigen Bemerkungen eckt EU-Kommissar Oettinger an – wieder einmal.

Frankfurter Rundschau

Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger hat mit einer abschätzigen Bemerkung über die Ehe für Homosexuelle Empörung ausgelöst. Bei der Veranstaltung eines Unternehmensverbands am Mittwoch in Hamburg sagte der CDU-Politiker: „Die deutsche Tagesordnung mit Mütterrente, Mindestrente, Rente mit 63, Betreuungsgeld, der komischen Maut, die aber nicht kommen wird, bald noch mit der Pflicht-Homoehe, wenn sie eingeführt wird – die deutsche Tagesordnung genügt meiner Erwartung an deutsche Verantwortung in keiner Form.“

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Reformationstag: Planschen im lauwarmen Wasser des Zeitgeistes

Das Luther-Bonbon – Sinnbild der Krise des deutschen Protestantismus / picture alliance
Das Luther-Bonbon – Sinnbild der Krise des deutschen Protestantismus / picture alliance
Der Reformationstag am 31. Oktober wirft seine Schatten voraus. Allerlei sinnentstellende Luther-Produkte werden angeboten. Das Schlimme daran: Peinlichkeiten und Plattitüden ist man von der Evangelischen Kirche mittlerweile gewohnt

Von Alexander Grau | Cicero

Am Montag tritt er in seine letzte, heiße Phase: der Countdown zum großen Reformationsjubiläum. Und weil die verantwortlichen Kirchen in ihrem verzweifelten Bemühen, modern, unverkrampft und zeitgeistnah zu wirken, jeden Marketing-Blödsinn mitmachen, kann man sich schon seit geraumer Zeit mit allem möglichen Nippes eindecken: vom Luther-Keks und dem Luther-Bonbon mit (Achtung Anspielung) Apfelgeschmack über die Nylon-Frisbeescheibe „Hallo Luther“ bis zum unvermeidlichen Mousepad mit Luther-Rose und dem Reformationshammer für den ganz privaten Thesenanschlag.

Dass neben all den Luther-Kugelschreibern, Luther-Lesezeichen und Luther-Tassen tatsächlich auch noch der Kleine Katechismus zu kaufen ist (als Buch), wirkt da einfach nur noch fremd und deplaziert. Hätte man daraus nicht eine App machen können? Oder zumindest einen Comic?

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Sissies: Kreuz abgelegt: Bedford-Strohm verteidigt Auftreten auf dem Tempelberg

islam_christentum

EKD-Ratsvorsitzender: In der besonderen Situation in Jerusalem wäre es aber falsch gewesen, dem Wunsch der islamischen Gastgeber nicht nachzukommen – Auch katholische Bischöfe zeigten ihre Brustkreuze nicht

kath.net

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), hat die Entscheidung gerechtfertigt, während des Besuchs auf dem Tempelberg in Jerusalem sein Bischofskreuz abzulegen. „Wir haben aus Respekt vor den Gastgebern gehandelt“, sagte er am 28. Oktober vor Pressevertretern. Es handele sich aber „in keinster Weise um eine Verleugnung des Kreuzes, sondern um eine Antwort auf den Wunsch der Gastgeber“. Eine Delegation von EKD und (katholischer) Deutscher Bischofskonferenz war Mitte Oktober zu einer gemeinsamen Pilgerfahrt nach Israel gereist. Dort besuchte sie neben Stätten, an denen Jesus gewirkt hat, auch den muslimischen Felsendom und die jüdische Klagemauer. Fotos davon zeigten den Ratsvorsitzenden ohne sein Bischofskreuz. Das hatte Verwunderung ausgelöst. Wie Bedford-Strohm vor den Journalisten weiter sagte, trägt er bei Moscheebesuchen sonst das Bischofskreuz: „Das halte ich für den Normalfall.“ Den eigenen Glauben im interreligiösen Dialog zu verleugnen, sei der verkehrte Weg. In dieser besonderen Situation in Jerusalem wäre es aber falsch gewesen, dem Wunsch der islamischen Gastgeber nicht nachzukommen, erklärte er. Fotos der Veranstaltung ist zu entnehmen, dass auch katholische Bischöfe ihre Brustkreuze nicht offen truge.

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Syrer finden Moscheen in Deutschland zu konservativ

Nach seiner Flucht nach Deutschland besucht der Syrer Hani Salam eine Moschee in Köln – und ist schockiert. Schnurrbärte und kurze Hosen sind tabu. Auch anderen Flüchtlingen ist das zu altmodisch.

DIE WELT

Als Hani Salam in Köln ankam, war er erleichtert. Der 36-Jährige war dem Bürgerkrieg in Syrien entkommen und hatte die Flucht über Ägypten nach Europa überstanden. Doch dann begann er im vergangenen November erneut, sich Sorgen zu machen. Der Grund waren „die Männer mit den langen Bärten“, die er in einer Moschee in der Nähe seines neuen Zuhauses traf, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagt.

Die Männer erinnerten ihn an Islamisten, die seine Heimatstadt in der Nähe von Damaskus eingenommen hätten, so Salam, der selber Schnurrbart trägt. Einer der Männer habe ihm gesagt, dass gute Muslime Bärte trügen und keine Schnurrbärte. Eine Vorstellung, die uralt sei, findet Salam.

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UN-Menschenrechtsrat: Russland ausgeschlossen, Saudi-Arabien gewählt

Angebliche saudische Bombardierung von Sanaa. Bild: Sabanews.net
Angebliche saudische Bombardierung von Sanaa. Bild: Sabanews.net
Menschenrechtsorganisationen haben mit ihrer Kampagne den Schutz der Menschenrechte einseitig politisiert, die UN-Vollversammlung hat den Schaden vollendet

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Der UN-Menschenrechtsrat hat gestern beschlossen, die Bombardierung von drei Schulen in Haas in der Provinz Idlib zu untersuchen, bei der am Mittwoch 25 Zivilisten, meist Kinder, getötet worden sein sollen. Obgleich sowohl die Bombardierung als auch die Verantwortlichen umstritten sind, weist der Menschenrechtsrat in seiner Erklärung darauf hin, dass es angeblich Pro-Regierungsstreitkräfte waren, womit offen gelassen wurde, ob es russische oder syrische Flugzeuge gewesen sind (Syrien: Luftangriff auf Schulen?). Russland behauptet jetzt, es habe gar keinen Luftangriff und keine Opfer gegeben, die Bilder aus dem veröffentlichten Video seien manipuliert.

Der Vorsitzende des Rats, Paulo Pinheiro, bezeichnete den Angriff, sofern er absichtlich gewesen sein sollte, als Kriegsverbrechen, da es bislang keine Hinweise gebe, dass die Schulen von bewaffneten für militärische Zwecke genutzt wurden.

Im Menschenrechtsrat stand auch die Wahl von 14 Ländern der insgesamt 47 Länder durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit 193 Mitgliedsländern an. Die Mitgliedsländer sind auf 3 Jahre gewählt und dürfen nach zwei aufeinanderfolgenden Mitgliedschaften nicht sofort wieder gewählt werden. Beworben haben sich für die vier freien Sitze für afrikanische Staaten Ägypten, Ruanda, Südafrika und Tunesien, für die zwei Sitze der europäischen Länder Großbritannien und die USA, für die zwei Sitze für lateinamerikanische Staaten Brasilien, Kuba und Guatemala, für die vier freien Sitze für asiatisch-Pazifische Länder Ägypten, Ruanda, Südafrikaund China und für die zwei osteuropäischen Sitze für osteuropäische Ländern neben Russland auch Ungarn und Kroatien. Russland, China, Südafrika, Großbritannien, Kuba und Saudi-Arabien waren bereits Mitglieder, die ausscheiden müssen, wenn sie nicht wiedergewählt werden.

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210 000 Euro für die Garnisonkirche

Bild: Potsdam ohne Garnisonskirche/FB
Bild: Potsdam ohne Garnisonskirche/FB
Der Wiederaufbau ist das große Ziel, nun vermeldet die Stiftung einen Erfolg: Zwei weitere Mäzene haben ihre Unterstützung für das Projekt zugesagt.

Von Peer Straube | DER TAGESSPIEGEL

Für den Wiederaufbau der Garnisonkirche kommen immer mehr Spenden zusammen. Man sei mit zwei weiteren Mäzenen – einem Privatmann und einer Stiftung – handelseinig, sagte Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchen-Stiftung, am Freitag auf Anfrage. Zusammen geben sie weitere 210 000 Euro in die Spendenkasse für den Wiederaufbau des einstigen Potsdamer Wahrzeichens. Es ist bereits die dritte Großspende binnen weniger Monate: Im Sommer hatte ein bislang anonymer Geldgeber 1,5 Millionen Euro für die in 60 Metern Höhe geplante Aussichtsplattform zur Verfügung gestellt, ein weiterer Privatsponsor will die 250 000 Euro teure Bibliothek bezahlen. In der kommenden Woche sollen laut Eschenburg die Verträge mit den neuen Spendern unterschrieben werden.

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Washington debattiert über Steuer für Kohlendioxid

Der US-Wirtschaftswissenschaftler Yoram Bauman erklärt als „Stand-up Economist“ Sachthemen für Fachfremde. Foto: Randy Stewart/Flickr/CC BY-SA 2.0
Der US-Wirtschaftswissenschaftler Yoram Bauman erklärt als „Stand-up Economist“ Sachthemen für Fachfremde. Foto: Randy Stewart/Flickr/CC BY-SA 2.0
Wenigstens in einem US-Bundesstaat wird der Klimawandel hitzig debattiert: Angestoßen durch eine Initiative des US-amerikanischen Stand-up-Komikers Yoram Bauman, verhandelt Washington aktuell die Einführung einer CO2-Steuer.

Von Maria-Elisa Schrade | greenpeace magazine

Bei den drei Präsidentschaftsdebatten von Clinton und Trump hat der Klimawandel kaum eine Rolle gespielt. Im US-Bundesstaat Washington wird dagegen zurzeit heftig über die Einführung einer Kohlenstoffsteuer diskutiert. Angestoßen hat die Debatte der „Stand-Up Economist“ Yoram Baumann, ein Wirtschaftswissenschaftler, der Sachthemen mithilfe von Stand-up-Comedy an Fachfremde vermittelt. Was als vage Ein-Mann-Kampagne begann, erhielt sehr schnell öffentliche Unterstützung und wurde zu einem realisierbaren Bestreben: Die „Initiative 732“ fordert die Einführung einer Steuer für Treibhausgasemissionen, die beim Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Gas und Kohle entstehen. Geplant ist, die Steuer ab 2017 in Höhe von 15 US-Dollar pro Tonne einzuführen, die Abgabe würde sich dann über die Jahre hinweg stetig erhöhen. Durch die Einnahmen aus der Kohlendioxidsteuer könnte sich der Bundesstaat eine Senkung der Mehrwertsteuer leisten und somit kleine Betriebe und Geringverdiener entlasten.

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Nusaybin im Südosten der Türkei: Totenstille in einer verwüsteten Stadt

Abdülkerim Can. Foto: Frank Nordhausen
Abdülkerim Can. Foto: Frank Nordhausen
Nusaybin war einst ein prosperierender Ort im Südosten der Türkei. Jetzt sieht es dort fast so aus wie in Aleppo. Eine Reportage aus der Stadt im Kurdengebiet an der Grenze zu Syrien.

Von Frank Nordhausen | Frankfurter Rundschau

Durch den drei Meter hohen Maschendrahtzaun blickt Abdülkerim Can auf ein Trümmerfeld, zerstörte Häuser, soweit das Auge reicht. Der Wind wirbelt Müll und Staub auf. „Da hinten“, sagt der alte Mann, „steht mein Haus.“ Er deutet auf eine zweistöckige, altrosa gestrichene Ruine zwischen anderen Ruinen im Sperrgebiet. Er kann noch immer nicht fassen, was mit ihm und seiner Heimatstadt geschehen ist. Warum dieser einst prosperierende Ort der Türkei jetzt aussieht wie Aleppo in Syrien und wieso die Hälfte der Stadt nicht mehr betreten werden darf. Totenstill ist es hier mitten in Nusaybin, im Südosten der Türkei, direkt an der syrischen Grenze.

„Sieben Mal gab es Ausgangssperren, ununterbrochen wurde geschossen und aus der Luft bombardiert“, sagt Abdülkerim Can mit zitternder Stimme. Er ist ein gesetzter Herr mit Glatze und grauem Schnurrbart, der mehr als zwei Jahrzehnte eine kleine Schneiderei in seinem Haus betrieben hat. Elf Kinder haben er und seine Frau dort groß gezogen. Aber nur eine Tasche hätten sie packen können, als sie geflohen sind. Hemd und Jackett, die er trägt, sind von seinem Bruder, in dessen Haus er jetzt mit seiner Frau, zwei Söhnen, deren Frauen und sechs Enkeln wohnt. „Immerhin, wir leben“, sagt er.

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Das weltallgrößte Bistum

Bild: ©NASA
Bild: ©NASA
1969 war die ganze Welt im Weltall-Fieber: Zum ersten Mal setzen Menschen den Fuß auf einen neuen Himmelskörper. Das bewegte auch die Kirche: Zu welchem Bistum nur gehört der Mond?

Von Felix Neumann | katholisch.de

Papst Paul VI. war überrascht: Normalerweise tauschen Bischöfe bei ihren alle fünf Jahre stattfindenden Ad-limina-Besuchen in Rom mit dem Papst und Kurienmitarbeitern Höflichkeiten aus. Doch ein noch recht neuer Bischof aus Amerika stellte sich 1969 forsch dem Papst vor. Er sei der Bischof des Mondes, sagte er zu Paul VI.

Bischof William Borders hatte gute Argumente für seine Behauptung, die die junge Diözese Orlando – erst 1968 war sie errichtet worden – zum weltweit, nein: weltallweit größten Bistum machen würde. Die Mission Apollo 11, die die ersten Menschen auf den Mond bringen sollte, nahm ihrem Ausgangspunkt auf dem Gebiet der neuerrichteten Diözese im Weltraumbahnhof in Cape Canaveral.

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Auch Apostel von Fulda unterstützt EU-Petition ‚Vater, Mutter, Kind‘!

missbrauch

Mit Bischof Algermissen unterstützen jetzt bereits vier deutsche Ortsbischöfe die EU-Bürgerinitiative – Österreich: Auch der ÖBK-Vorsitzende Kardinal Schönborn hat bereits klare Unterstützung geäußert – UPDATE: Reaktion des DBK-Pressesprechers

kath.net

Der Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, unterstützt die europäische Bürgerinitiative „Vater, Mutter, Kind“. Mit seiner Unterschrift schließt er sich der Forderung nach einer EU-Verordnung an, mit der Ehe und Familie geschützt werden sollen. Dies gibt das Bistum Fula in einer Presseaussendung bekannt. Bischof Algermissen betont die Bedeutung der Ehe von Mann und Frau als Grundlage der Familie. Er hofft, dass viele Gläubige die europäische Bürgerinitiative unterstützen, damit in Europa eine einheitliche Definition von Ehe und Familie erreicht werden kann, die dem Wohl der Menschen dient. Damit unterstützen jetzt bereits vier Ortsbischöfe aus Deutschland die Bürgerinitiative.

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Der „Islamische Staat“ setzt auf Angriffe auf Schiiten

Hafiz Saeed Khan, der im Juli getötete
Hafiz Saeed Khan, der im Juli getötete „Emir“ des „Islamischen Staats“ für Afghanistan (Khoristan).
Wie jedes Jahr hatten sich zahlreiche afghanische Schiiten, hauptsächlich Angehörige der Minderheit der Hazara, zum islamischen Feiertag Ashura im Kabuler Stadtteil Kart-e Sakhi versammelt, um ihrer jährlichen Prozedur nachzugehen. Zu Ashura, am 10. Tag des islamischen Monats Muharram, gedenken schiitische Muslime der Ermordung Husain ibn Alis, jenem Enkel des Propheten Mohammad, der im Jahr 680 bei der Schlacht von Kerbala fiel.

Von Emran Feroz | TELEPOLIS

Das Ritual fand allerdings ein blutiges Ende. Mindestens zwei bewaffnete Männer in Polizeiuniformen stürmten den berühmten Schrein des Stadtteils und schossen wahllos in die Menge. Augenzeugen zufolge schossen die beiden Angreifer auf jeden, den sie sahen. Laut dem afghanischen Innenministerium wurden 16 Menschen getötet und 54 weitere verletzt. Die UN sprach von mindestens 19 Todesopfern und Dutzenden Verletzten. Die Täter sollen im Laufe des Gefechts mit Sicherheitskräften getötet worden sein.

Kurze Zeit später übernahm der „Islamische Staat in der Provinz Khorasan“, die mittlerweile bekannt gewordene Zelle des IS in Afghanistan, die Verantwortung für das Massaker. Die afghanischen Taliban, die weiterhin die IS-Auswüchse in Afghanistan bekämpfen, verurteilten die Tat.

Der IS-Anschlag zu Ashura ist nicht der erste seiner Art, der sich gezielt gegen schiitische Hazara richtet. Bereits im vergangenen Juli wurde in Kabul eine Demonstration angegriffen, die hauptsächlich von Angehörigen der Hazara getragen wurde. Zwei Selbstmordattentäter des IS töteten dabei achtzig Zivilisten. In diesem Kontext hieß es seitens IS-naher Quellen immer wieder, dass die afghanischen Hazara zum Ziel geworden seien, nachdem einige Tausend von ihnen als Milizionäre in Syrien auf Seiten Bashar al Assads kämpfen (IS in Afghanistan).

Das erste, ernstzunehmende Aufkommen der afghanischen IS-Zelle fand in der ostafghanischen Provinz Nangarhar statt. Seit 2015 hört man aus einigen Distrikten der Provinz regelmäßig über die dortige Schreckensherrschaft der Extremisten, die sich der IS-Führung in Raqqa direkt unterordnen.

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Arte-Reihe: Der Luther-Code – Eloge auf einen Judenhasser

Revolutionär. Martin Luther (Arthur Fischer) lässt das Denken explodierenFoto: Arte
Revolutionär. Martin Luther (Arthur Fischer) lässt das Denken explodierenFoto: Arte
Wie die Generation Y mit modernisierten Ideen der Luther-Reformation die Welt verändert.

Von Manfred Riepe | DER TAGESSPIEGEL

Wir schmieden Lebenspläne, äußern unsere Meinung und glauben nur das, was uns vernünftig erscheint. Ganz selbstverständlich machen wir dabei von einer Freiheit Gebrauch, die historisch gesehen eine neue Entwicklung ist. Bis zum 16. Jahrhundert diktierte die kirchliche Obrigkeit nicht nur das gesellschaftliche Leben. Durch ihren exklusiven Zugriff auf die Heilige Schrift hatte sie auch das Monopol auf das Seelenheil. Es war Martin Luther, der mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche dem Papst und dem Klerus das Herrschaftswissen entzog. Ist Luther deshalb der Edward Snowden des späten Mittelalters? Bewirkte er mit seinem legendären Thesenanschlag von 1517 den „Urknall des freien Denkens“?

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Wallonisches Parlament stimmt Ceta zu

Das Parlament der belgischen Region Wallonien hat am Freitag dem EU-Handelsvertrag mit Kanada zugestimmt. 58 Abgeordnete votierten für CETA, fünf dagegen. Die Zustimmung wurde durch eine Zusatzerklärung zum Vertrag ermöglicht, die die Zentralregierung mit Wallonien und der Region Brüssel aushandelte.

derstandard.at

Am Widerstand Walloniens und Brüssels war die für Donnerstag geplante Unterzeichnung des Vertrages geplatzt, weil Belgien als einziges EU-Land seine Zustimmung nicht geben konnte.

EU-Ratspräsident Donald Tusk setzte nach dem innerbelgischen Kompromiss eine Frist bis Freitagabend, um die Zustimmung aller 28 EU-Staaten zu erhalten. Dies dürfte im schriftlichen Verfahren geschehen. Der Vertragsabschluss bedarf der Einstimmigkeit. Damit wäre dann der Weg für die Unterzeichnung des Vertrages mit Kanada frei.

Rechter Terror: Neonazi-Band bedroht Politikerin

Im Fokus einer Neonaziband: Die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König (Die Linke) wird in einem Song einer rechtsextremen Band bedroht Foto: Die Linke im Thüringer Landtag
Im Fokus einer Neonaziband: Die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König (Die Linke) wird in einem Song einer rechtsextremen Band bedroht Foto: Die Linke im Thüringer Landtag
Ein Hass-Song soll die thüringische Linken-Abgeordnete Katharina König einschüchtern. Die Band bezieht sich auf das verbotenen Nazi-Netzwerk „Blood and Honour“.

Von Martin Steinhagen | Frankfurter Rundschau

Das Landeskriminalamt Thüringen ermittelt gegen eine Neonazi-Band, die in einem Lied die Landtagsabgeordnete Katharina König von der Linkspartei mit dem Tode bedroht. Derzeit werden die Ermittlungen noch „gegen unbekannt“ geführt, sagte eine Sprecherin des LKA der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Die Band trägt den Namen „Erschießungskommando“ und bezieht sich mit ihrer Musik auch auf das in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerk „Blood and Honour“. Die Landesmedienstelle sei zwecks einer möglichen Indizierung eingeschaltet, sagte die Polizeisprecherin.

Am Freitag hatte das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft aus Thüringen auf den Song aufmerksam gemacht, der online verbreitet wird. Man habe die Betroffenen informiert, teilte das Institut mit. Beim Online-Videodienst YouTube ist der Song inzwischen gesperrt, andere Lieder der Band sind aber weiterhin abzurufen.

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The Science Behind The World’s Most Convincing Ghost Effect

Image: MOTHERBOARD.com
Image: MOTHERBOARD.com
Magic is defined by secrecy. A magician never performs the same trick twice and never reveals how he or she performed it. Even if audience members say they want to know how a trick was done, they may wish they hadn’t once they learn the solution.

By Kevin Wong | MOTHERBOARD

Why? Because the solution is rarely as impressive or as clever as the effect. The classic woman levitation trick, for instance, is accomplished via forklift behind a stage curtain. No matter how ingenious, solutions demystify. Take, for example, David Copperfield’s famous “flying” illusion, which was Nielsen ratings gold back in the 90’s.

The solution was revealed as a series of fanned cables by creator John Gaughan, who filed a US Patent in 1993. On one hand, one can appreciate the technical know-how to create such a dynamic effect. But at the end of the day, it’s just a set of wires. David Copperfield is more Cathy Rigby in Peter Pan than Harry Houdini.

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