Synode debattiert über Judenmission, Europa und Rechtspopulisten

Arbeiten und Feiern folgen bei der evangelischen Kirche ganz im Sinne Martin Luthers eng aufeinander. Wenige Tage nach dem Start in das Reformationsjubiläum gibt es auf der Synodentagung in Magdeburg ernste Themen zu besprechen. Unter anderem soll über Judenmission und Solidarität in Europa debattiert werden.

Von Karsten Frerichs | evangelisch.de

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit: Wenige Tage nach der Eröffnung des Festjahres zu 500 Jahren Reformation trifft sich die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu ihrer Jahrestagung in Magdeburg. Vom 6. bis 9. November stehen kurz nach den ökumenisch geprägten Feiern am Reformationstag manch ernste Themen auf dem Programm – auch in Bezug auf das seit langem vorbereitete Jubiläum, das an den legendären Thesenanschlag Martin Luthers an die Schlosskirche zu Wittenberg erinnert, der sich im nächsten Jahr zum 500. Mal jährt.

So wird sich das Kirchenparlament einmal mehr mit dem Verhältnis zwischen Christen und Juden zu befassen haben. Vor einem Jahr hatten die 120 Synodalen einstimmig eine deutliche Distanzierung von Luthers judenfeindlichen Schriften beschlossen und „Trauer und Scham“ bekundet ob eines „weitreichenden Versagens der Evangelischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk“.

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Tierversuche: Wann kommt das Ende der Quälerei

Bild: animalequality.de
Bild: animalequality.de
Berlin ist Hauptstadt der Tierversuche. 300.000 Mäuse, Ratten, Fische, Hühner, Frösche oder Schweine werden dort jährlich für die Forschung geopfert. Mit staatlicher Förderung bekommen einige Einrichtungen neue Gebäude − gibt es keine Alternativen zum Tierexperiment?

Von Susanne Harmsen | Deutschlandradio Kultur

Unser Verhältnis zum Tier wandelt sich. Das gesellschaftliche Verständnis wächst, dass Tiere leidensfähig sind und von uns nicht nur benutzt werden dürfen. Dazu tragen Bilder aus der Massentierhaltung ebenso bei wie Berichte über die Qualen von Versuchstieren. Viele Forscher aber halten heute den Tierversuch noch für unverzichtbar. Der Vizepräsident der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina, Martin Lohse:

„Ein gängiger Spruch in den 80er-Jahren war: Computer haben keinen Blutdruck. Und das gilt auch heute noch. Und wenn man ein Arzneimittel sucht, das den Blutdruck senkt, dann braucht man einen lebenden Organismus, um zu sehen, ob die Hypothesen, die man gemacht hat, stimmen.“

Seit Jahrzehnten kämpfen Tierschützer wie die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ dagegen an. Eva Katharina Kühner:

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Auftakt zum Zivilprozess über Böhmermanns Erdogan-Gedicht

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Unter großem Medieninteresse hat vor dem Landgericht Hamburg die mündliche Verhandlung zur Unterlassungsklage des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen ZDF-Moderator Jan Böhmermann begonnen.

evangelisch.de

Erdogan wendet sich gegen das sogenannte Schmähgedicht, das Böhmermann am 31. März in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ verlesen hatte. Darin richtete der Satiriker wüste Beschimpfungen gegen das Staatsoberhaupt der Türkei. Böhmermann begründete seinen Auftritt damit, er wolle den Unterschied von erlaubter Satire und auch in Deutschland verbotener Schmähkritik erklären.

In einer einstweiligen Verfügung hatte das Landgericht Böhmermann Mitte Mai untersagt, bestimmte Passagen des Gedichts zu wiederholen. Weil der ZDF-Satiriker die Entscheidung nicht hinnehmen wollte, setzte er Erdogan daraufhin über das Gericht eine vierwöchige Frist zur Klageeinreichung in der Hauptsache. Der türkische Staatspräsident will mit seiner Klage nun ein Komplettverbot des Gedichts erwirken. Ein Urteil wird für Mittwoch noch nicht erwartet.

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Warum Erdogan griechische Inseln zurückhaben will

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Der türkische Präsident spricht vom Eigentumsrecht an „Inseln vor unserer Küste“. Auch Teile des Irak habe ein „unfaires“ Abkommen dem Land geraubt. Es geht um den Vertrag von Lausanne 1923.
 

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Mit eigenwilligen historischen Deutungen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bereits in der Vergangenheit für Irritationen gesorgt. Allerdings lagen zwischen den Vorgängen und der Gegenwart so viele Jahre, dass man die Auslassungen zu den türkischen Belagerungen Wiens, osmanischen Amerikafahrern oder der Hofhaltung Süleymans des Prächtigen als skurrile Interpretationen eines Hobby-Historikers erklären konnte. Die jüngsten Äußerungen sprengen diesen Rahmen deutlich.

So erklärte Erdogan unlängst einem türkischen Publikum, dass eine Reihe von griechischen Inseln in der Ägäis recht eigentlich Bestandteil des türkischen Staates sei: „Diese Inseln vor unserer Nase gehörten uns. Wir haben dort Werke, Moscheen und eine Geschichte.“ Welche der zahlreichen Eilande er meinte, die sich von Samothrake im Norden bis nach Rhodos im Süden oft in Sichtweite der türkischen Inseln befinden, ließ der Präsident offen. Seine Attacke gegen das Vertragswerk, das den Grenzen zwischen Griechenland und der Türkei zugrunde liegt, lässt aber konkrete Rückschlüsse zu, zumal Erdogan unlängst an anderer Stelle auch Ansprüche auf irakisches Territorium gestellt hat. Es geht um den Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923, der der Türkei nach Aussagen des AKP-Führers aufgezwungen worden sei.

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Neue Lutherbibel: Heikler Eingriff am Buch der Bücher

oto: marco uschmann Herein in die gute Stube: Auf der Wartburg hat Luther inkognito das Neue Testament in eine allgemeinverständliche deutsche Sprache übersetzt – 27 Bücher in zehn Wochen.
Foto: marco uschmann Herein in die gute Stube: Auf der Wartburg hat Luther inkognito das Neue Testament in eine allgemeinverständliche deutsche Sprache übersetzt – 27 Bücher in zehn Wochen.
Österreich-Premiere der neuen Lutherbibel: Die Rückkehr zur alten Sprache und die Absage an die Moderne sorgen nicht nur für ein Halleluja in protestantischen Reihen

Von Peter Mayr, Markus Rohrhofer | derStandard.at

An jenem Adventsonntag des Jahres 1521 war Martin Luther mit sich selbst alles andere als im Reinen. „Langeweile und Darmträgheit“ plagten den als Junker Jörg auf der Wartburg untergetauchten Mönch. Doch die innere Unzufriedenheit ließ Luther in seiner Studierstube im Obergeschoß des Vogteigebäudes zur Feder greifen und sich „einer Last, die über meine Kräfte ist“ zu widmen – der Übersetzung des Neuen und später dann des Alten Testaments in die deutsche Sprache. Luther ging zurück zu den sprachlichen Wurzeln – Hebräisch und Griechisch – und schuf letztlich eine Übersetzung, die die Menschen verstanden. Der große Kunstgriff dabei: Dem Buch der Bücher blieb beim lutherischen Relaunch das Sakrale erhalten.

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Stadtrat für Zulassung von Sterbehilfe in Washington

sterben

In fünf Bundesstaaten ist Sterbehilfe in den USA legal. In der Hauptstadt Washington hat sich nun der Stadtrat für die Zulassung ärztlicher Sterbehilfe ausgesprochen.

evangelisch.de

Der am Dienstag (Ortszeit) beschlossene Gesetzentwurf sieht vor, dass Ärzte Menschen mit einer Lebenserwartung von maximal sechs Monaten todbringende Mittel verschreiben dürfen. Zwei Zeugen müssten bestätigen, dass sich der Kranke ohne Druck von außen entscheidet.

Volksentscheid in Colorado

Zum Inkrafttreten ist eine zweite Abstimmung und die Unterschrift von Bürgermeisterin Muriel Bowser nötig. Die Politikerin erklärte in der „Washington Post“, sie erwarte, „dass der Entwurf Gesetz wird“. Gegenwärtig ist in den USA Sterbehilfe in den Bundesstaaten Oregon, Washington, Vermont, Kalifornien und Montana legal.

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Wölfe in Sachsen: Sachsen streitet über den Wolf

Der Wolf ist ein cleveres Tier, auch vor Elektrozäunen macht er nicht Halt. Foto: rtr
Der Wolf ist ein cleveres Tier, auch vor Elektrozäunen macht er nicht Halt. Foto: rtr
Ein Rudel in Sachsen gilt als problematisch, das behaupten zumindest Jäger – und der Landrat von Bautzen. Am liebsten würde er, alle abschießen lassen. Umweltschützer halten das für übertrieben.

Von Bernhard Honnigfort | Frankfurter Rundschau

Einigen sächsischen Jägern und dem Bautzener Landrat reicht es. „150 getötete oder verletzte Nutztiere sind wohl Problem genug“, ärgern sie sich. „Müssen erst weitere oder sogar Menschen dazu kommen?“, fragt die Jägerschaft.

Es gibt mal wieder Streit um den Wolf. Vor rund 20 Jahren tauchten in Ostsachsen erstmals wieder Wölfe auf, mittlerweile gibt es zehn Rudel, verteilt über weite Flächen des Landes. Um das Dorf Rosenthal bei Bautzen streift seit Jahren ein Rudel, das nun als problematisch gilt. Landrat Michael Harig, der selbst Schafe hält, würde es am liebsten abschießen lassen. Die Tiere haben nämlich gelernt, über 90 Zentimeter hohe Elektrozäune zu springen. Seit 2013 soll das Rudel 47 Mal eingezäunte Schafherden angegriffen haben, allein 2016 schlug es vermutlich zehn Mal zu. In einigen Fällen überwand es angeblich sogar 1,40 Meter hohe Koppelzäune.

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Mosul: Schiitische Milizen und Türkei auf Konfrontationskurs

Bild: heise.de/TP
Bild: heise.de/TP
Irakische Einheiten sind bereits in Mosul eingedrungen, aber die unterschiedlichen Interessen in der Anti-IS-Koalition vertiefen mit den Erfolgen die Unvereinbarkeiten

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Es war von vorneherein klar, dass die Befreiung von Mosul von den Kämpfern des „Islamischen Staats“ bis zu den Grenzen der Großstadt schnell vorankommen würde. Erwartet wurde, dass es dann wochen- oder monatelange Kämpfe geben könnte und die Stadt weitgehend durch die Bombardierung und die Sprengungen des IS in Schutt und Asche liegen könnte. Angeblich soll der IS bereits Mosul nicht mehr als Hauptstadt des Kalifats bezeichnen, verletzte IS-Kämpfer würden aus den Krankenhäusern in Mosul weggeschafft. Möglicherweise bereitet sich der IS auf einen Rückzug vor.

Jetzt scheinen die Truppen überraschend schnell voranzukommen. So sollen irakische Truppen im Südwesten der Stadt in das Viertel Judaidat al-Mufti eingedrungen sein. Gemeldet wird, irakische Sonderheiten des Counter-Terrorism Service (CTS) hätten bereits im Osten die Stadtgrenze von Mosul überschritten und seien in den Stadtteil Gogjali vorgedrungen, wo sich auch ein Fernsehsender befindet. Berichtet wurde von schweren Kämpfen. Im Norden und Osten rücken die Peschmerga Richtung Mosul vor. Sie sollen allerdings ebenso wie die schiitischen Milizen nicht in die Stadt eindringen. Der Sprecher des irakischen Innenministeriums, der Brigadegeneral Brigadier General Saad Moen, sagte gestern, es würden in den befreiten Dörfern um Mosul und in den Stadtteilen Polizeistationen und Zivilverteidigungszentren eingerichtet. Das Innenministerium sei für die befreiten Gebiete zuständig.

Betont wurde auch in US-Medien, dass die irakischen Sonderheiten Counter-Terrorism Service (CTS) von US-Truppen des ausgebildet wurden und auch während der Offensive begleitet werden. Schon am Montag das Pentagon berichtet, dass der Vormarsch erfolgreich sei und dass die von der US-geführten Koalition mit Luftangriffen unterstützten irakischen Soldaten und Peschmerga-Kämpfer das Momentum im Augenblick hätten, also im Vorteil und Vorrücken seien. Bei Luftangriffen am Dienstag seien vier Einheiten von IS-Kämpfern bombardiert, neun Fahrzeuge, eine Fahrzeugbombe und eine Fahrzeugfabrik zerstört, 20 Fahrzeuge beschädigt und ein Tunnel getroffen worden. Ob dabei auch Zivilisten oder zivile Ziele getroffen wurden, wird wie üblich nicht berichtet.

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Feinde der Pressefreiheit: Erdogan und IS

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35 Staatschefs, Organisationen und Geheimndienste auf neuer Liste von Reporter ohne Grenzen

derStandard.at

Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen hat ihre neueste Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ veröffentlicht. Unter den 35 Staats- und Regierungschefs, extremistischen und kriminellen Organisationen und Geheimdiensten sind neu etwa der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die Terrormiliz Islamischer Staat vertreten.

Die 35 „verkörpern in besonders drastischer Weise die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit durch Zensur, willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord“, erklärt Reporter ohne Grenzen seine Zusammenstellung.

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Spinat als Sprengstoff-Schnüffler

Ins Blattgewebe eineschleuste Nanoröhrchen machen Spinatpflanzen zu lebenden Sensoren - beispielsweise für Pikrinsäure, eine Sprengstoffkomponente. © koshmar1982/ thinkstock
Ins Blattgewebe eineschleuste Nanoröhrchen machen Spinatpflanzen zu lebenden Sensoren – beispielsweise für Pikrinsäure, eine Sprengstoffkomponente. © koshmar1982/ thinkstock
Nanotechnologisch aufgerüstet: Forscher haben simple Spinatpflanzen zu Umweltsensoren umfunktioniert. Dafür schleusten sie spezielle Nanoröhrchen ins Blattgewebe der Pflanzen ein. Gelangt nun mit dem Wasser eine für Sprengstoff typische Chemikalie ins Blatt, beginnt dieses zu fluoreszieren. Aber auch andere Chemikalien oder Schadstoffe lassen sich mit dieser Methode aufspüren, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Materials“ berichten.

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Pflanzen verfügen von Natur aus über eine komplexe und feinfühlige Wahrnehmung ihrer Umwelt. Kein Wunder, sind sie doch als festgewachsene Wesen darauf angewiesen, möglichst rechtzeitig auf Veränderungen reagieren zu können, beispielsweise indem tierische Helfer herbeirufen oder ihre Nachbarn warnen.

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Terrorgefahr: Viel Arbeit für den Staatsschutz

Viel zu tun gab es für die Ankläger. Foto: dpa
Viel zu tun gab es für die Ankläger. Foto: dpa
Die Frankfurter Gerichte haben in diesem Jahr zwölf Prozesse mit islamistischem Hintergrund verhandelt. Zwei der Verfahren sind regelrecht ausgeufert.

Von Oliver Teutsch | Frankfurter Allgemeine

Der Prozess gegen Mohannad K. ist schon das zwölfte Verfahren gegen islamistische Terrorverdächtige in Frankfurt in diesem Jahr. Allein die Staatsschutzkammer am Landgericht hat sich mit acht Verfahren befassen müssen. In vier Fällen wurde gegen Sympathisanten verhandelt, die Bilder oder Botschaften mit staatsgefährdenden Inhalten in den sozialen Medien verbreitet hatten. In drei Fällen hatte es aber Verurteilungen wegen der Vorbereitung staatsgefährdender Gewalttaten gegeben.

Am bekanntesten ist wohl der Fall von Halil D. Der 36-Jährige hatte 2015 wegen Terrorverdachts die Absage des Radrennens „Rund um den Finanzplatz Eschborn – Frankfurt“ verursacht. Die Ermittler befürchteten, er habe einen Anschlag geplant. Fahnder hatten ihn mehrmals im Taunus an der Radstrecke gesehen; unter falschem Namen hatte er sich in einem Baumarkt drei Liter hochexplosives Wasserstoffperoxid besorgt.

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Paolo Sorrentino: Atheisten? Gibt es nicht!

© Gianni Fiorito Paolo Sorrentino bei den Dreharbeiten zu „Der junge Papst“
© Gianni Fiorito Paolo Sorrentino bei den Dreharbeiten zu „Der junge Papst“
Eine ruhige Ecke auf der riesigen Terrasse des Hotel San Giorgio, mit Sicht auf La Serenissima, ein feierlich grauer Himmel über der Lagune von Venedig. Der Rahmen ist perfekt für ein Interview mit Paolo Sorrentino über seine erste Serie. Sie heißt „Der junge Papst“ und erzählt von einem Amerikaner auf dem Heiligen Stuhl. Jude Law spielt diesen mysteriös-maliziös anmutenden Pius XIII., Diane Keaton seine Privatsekretärin. Und weil sich der 46-jährige Regisseur und Autor von „La Grande Bellezza“ und „Ewige Jugend“ das alles ausgedacht hat, trinkt dieser Papst auch Cherry Coke Zero zum Frühstück, trägt Flipflops und lässt sich vatikanische Verfehlungen direkt aus dem Beichtstuhl verraten.

Von Mariam Schaghaghi | Frankfurter Allgemeine

Signor Sorrentino, ist es für einen Italiener eine Frage der Ehre, von Papst, Vatikan und Katholizismus fasziniert zu sein? Religion war ja auch schon in „La Grande Bellezza“ und „Ewige Jugend“ ein Thema.

Mich interessieren die Asymmetrien, die mit dem Katholizismus einhergehen. Der Vatikanstaat ist nicht mal so groß wie ein Stadtteil, trotzdem vermag er das Verhalten von einer Milliarde Menschen auf der Welt zu lenken. Die damit verbundene Faszination beschäftigt sicher nicht nur Italiener, sondern Menschen in aller Welt.

Sind Sie religiös?

Ich halte diese Frage nicht für immens relevant. Viel wichtiger ist doch, warum diese Frage, ob jemand an Gott glaubt oder nicht, für uns Menschen so wichtig ist.

Weil es das Bedürfnis nach einer höheren Ordnung gibt?

Ich halte es noch am ehesten mit dem Religionsphilosophen Maurice Blondel oder dem Physiknobelpreisträger Paul Dirac. Beide sagen, dass es Teil der menschlichen Natur ist, an einen Gott zu glauben. Und dass es keine Atheisten gibt. Das sind lediglich Menschen, die denken, sie würden nicht an Gott glauben.

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Can Dündar: Will Europa „ein islamo-faschistisches Regime“?

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Nach der Verhaftung von 13 Journalisten der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ zeigt sich Ex-Chefredakteur Dündar enttäuscht über die Reaktionen aus Europa. Er erwartet ein Signal für die Demokratie.

Von Daniel-Dylan Böhmer | DIE WELT

Journalisten in Handschellen, ein Chefredakteur in Haft, tagelang ohne Kontakt zu Anwälten. Die Festnahme von Murat Sabuncu und zwölf seiner Mitarbeiter der angesehenen linksliberalen Zeitung „Cumhuriyet“ hat weltweit Empörung ausgelöst.

Can Dündar war Chef des Blattes, bis man ihn wegen eines brisanten Berichtes über die Machenschaften türkischer Geheimdienste in Syrien vor Gericht brachte. Der preisgekrönte Journalist hält sich jetzt in Deutschland auf. Im Zuge der jüngsten Verhaftungswelle ist er wieder zur Zielscheibe geworden.

Die Welt: Herr Dündar, 13 Ihrer Kollegen wurden festgenommen, gegen Sie selbst gibt es einen Haftbefehl, Ihr Haus in der Türkei wurde durchsucht. Wie haben Sie den Schlag der türkischen Behörden gegen „Cumhuriyet“ erlebt?

Can Dündar: Für meine Frau war es eigentlich schlimmer als für mich selbst. Denn sie ist gerade allein in der Türkei. Mit den Kollegen, die jetzt in Haft sind, habe ich keinen Kontakt mehr bekommen. Diese Ereignisse sind natürlich sehr beängstigend für uns alle.

Die Regierung versucht, uns in die Ecke zu drängen. Weil wir die Wahrheit schreiben, die ihr nicht gefällt. Als Journalist in der Türkei von heute muss man auf Angriffe gefasst sein. Bedenken Sie, dass in den letzten Jahrzehnten fünf unserer Autoren umgebracht wurden, mit Bomben etwa oder durch Selbstmordattentate.

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Papst: Europa muss bei Flüchtlingen „kalkulieren“

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Die Regierenden sollten nur so viele Flüchtlinge aufnehmen, wie sie integrieren könnten, betont Papst Franziskus. Fürchten solle man sich aber nicht: „Europa ist gemacht aus Migration.“

Die Presse.com

Papst Franziskus hat die Regierungen Europas davor gewarnt, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, als sie integrieren können. In der Flüchtlingspolitik sei Umsicht ein guter Ratgeber: „Die Regierenden müssen sehr offen sein, sie zu empfangen, aber auch kalkulieren, wie man sie unterbringt“, sagte der Papst am Dienstag auf dem Rückweg seiner Schweden-Reise von Malmö nach Rom.

„Denn“, so Franziskus, „einen Flüchtling muss man nicht nur empfangen, sondern auch integrieren.“ Wenn Schweden – eines der Hauptaufnahmeländer – keine Flüchtlinge mehr empfangen könne, dann geschehe das nicht aus Egoismus, sondern damit allen ein Zuhause und ein Arbeit gegeben werden kann.

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Wird die Rechte stark, weil die Linke die Arbeiter verachtet?

Der Front National hat in manchen Regionen die bis in die 1970er Jahre dominierende Kommunistische Partei beerbt

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Aufstieg der neuen Rechtspopulisten in vielen europäischen Ländern ruft unter Linken Besorgnis hervor. Besonders seit klar ist, dass ein Teil ihrer Wählerbasis aus der alten Arbeiterklasse kommen. Dabei handelt es sich meistens um Regionen, in denen fordistische Industriezweige und damit auch eine ganze Arbeiterkultur verschwunden sind. So hat der Front National in Frankreich in solchen Regionen die bis in die 1970er Jahre dominierende Kommunistische Partei beerbt und wurde zur Partei des in seinem Stolz verletzten Proletariats.

Mit „Rückkehr nach Reims“ hat der Soziologe Didier Eribon ein Buch geschrieben, das in mehrfacher Hinsicht ein Tabubruch war (Die rechtsradikalen 14 Prozent). Er stellt sich nicht nur die Frage, welchen Anteil die politische Linke daran hat, dass das Band zur Arbeiterklasse scheinbar durchtrennt worden ist.

Er begnügt sich also nicht damit, nur festzustellen, dass Teile der alten Arbeiterklasse zur rechten Wählerbasis wurden. Er fragt auch nach den Gründen in der Politik der politischen Linken. Doch das Wichtigste: Eriborn spart den subjektiven Faktor nicht aus. Er beschreibt, wie er selber als Kind einer Arbeiterfamilie das Milieu zunächst verlassen hat, um im intellektuellen Milieu von Paris Fuß zu fassen, bevor er nun als linker Akademiker in seine Heimatstadt zurückkehrt.

Rückkehr nach Kaiserslautern

Nun hat der Feuilletonredakteur des Neuen Deutschland Christian Baron auf Eriborns Spuren seine Rückkehr nach Kaiserslautern vollzogen.

Gleich das erste Kapitel seines im Verlag „Das Neue Berlin“ veröffentlichten Buchs mit dem Titel „Proleten, Pöbel, Parasiten“ beginnt mit einer Szene, die eigentlich schon eine Antwort auf den Satz gibt, der im Untertitel des Buches einfach als Behauptung aufgestellt ist: „Warum die Linken die Arbeiter verachten.“

Das erste Kapitel beschreibt, wie der achtjährige, asthmakranke Christian von seinem betrunkenen Vater geschlagen und gegen die Wand geschleudert wird. Die Szene hat sich Christian Baron eingeprägt, weil er erstmals Gegenwehr verspürte und sich mit einem Holzscheit vor seinen Vater aufbaute. Das scheint den Vater mit den Kräften eines Möbelpackers zumindest so beeindruckt zu haben, dass er von seinen Sohn für dieses Mal abließ.

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Indien hat 30 Millionen wilde Hunde – und damit ein echtes Problem

 Hungrig und mancherorts auch aggressiv: Indiens wilde Hunde © AFP Photo
Hungrig und mancherorts auch aggressiv: Indiens wilde Hunde © AFP Photo
Im indischen Staat Kerala wird jetzt durchgegriffen: Die wilden Hunde sollen von den Straßen verschwinden. Die Emotionen sind aufgeladen und es geht nicht darum, den Tieren ein Zuhause zu geben – sie werden brutal getötet. Was die Hunde immer aggressiver macht.

stern.de

„Die Menschen rufen ‚Tötet sie, tötet sie. tötet sie‘, aber selbst wenn täglich welche getötet werden, wird die Zahl nie auf Null gehen“, zitiert die Reporterin der „Washington Post“ einen Tierarzt aus dem staatlich geführten Krankenhaus, das in Keralas zweitgrößter Stadt Kochi die Geburtenkontrolle für Hunde übernimmt. Rama Lakshmi hat sich den Süden Indiens und sein Hundeproblem angesehen, denn in Kerala wächst die Aggressivität – bei den Menschen wie bei den Streunern. Die Autorin berichtet von der Stimmung vor Ort, etwa als vor gut zwei Monaten der siebenjährige Ayoos Sajimon von einem Hund angegriffen wurde. Das Tier hatte ihn angesprungen, seine Pfoten auf auf die Brust des Kindes gedrückt und ihn im Gesicht und am Auge gebissen. Eine Woche später haben die Nachbarn den Hund getötet. Der Junge erholt sich noch immer von den mehrfachen Operationen nach den Bissen. Seine Mutter Bismi sagte zu Lakshmi: „Mein Sohn ist derart traumatisiert, dass er nun jedes Mal ins Haus rennt, wenn er irgendwo einen Hund bellen hört.“

Der Oberste Gerichtshof hatte angeordnet, dass in Kerala die Hunde sterilisiert werden müssen. Die Bewohner des Bundesstaates sagen, dass ihnen dafür die Geduld fehlt.

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Ermächtigungsgesetz in der Türkei: Erdoğan soll rasch Vollmachten erhalten

Bild: FB
Bild: FB
AKP hat Erdoğan Sondervollmachten vorgeschlagen, mit denen er das Land bis zum Ende seiner Amtszeit 2019 führen soll

Von Markus Bernath | derStandard.at

Ausgerechnet einer der Rechtsnationalisten ist es, der die Bestürzung der Opposition über den Durchgriff der Regierung zur ganzen Macht im Land in Worte fasst. „Wenn sie sich nicht schämen würden, dann würden sie das Parlament gleich schließen“, sagt Ismail Ok, ein Abgeordneter der MHP aus der westtürkischen Provinz Balikesir.

Dabei zählen der türkische Staatschef Tayyip Erdoğan und seine Gefolgsleute auf die MHP oder zumindest auf einen Teil der rechtsgerichteten Parlamentarier, um die Verfassung nach Maß für den autoritären Präsidenten durchzupauken.

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Papst bleibt beim „Nein“ zu Priesterweihe für Frauen

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Zum Thema Frauenordination sei das letzte Wort von seinem Vorgänger Johannes Paul II. klar gesprochen worden, sagte Franziskus bei der „Fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückweg aus Schweden

kath.net

Papst Franziskus hat einer Priesterweihe für Frauen in der katholischen Kirche erneut eine Absage erteilt. Zum Thema Frauenordination sei das letzte Wort von seinem Vorgänger Johannes Paul II. klar gesprochen worden, sagte Franziskus am Dienstag vor mitreisenden Journalisten auf dem Rückflug von seiner zweitägigen Schweden-Reise. „Und dabei bleibt es.“

Franziskus bezog sich damit auf das päpstliche Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ von 1994, in dem Johannes Paul II. (1978-2005) die Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche ausschloss. Der Papst aus Polen begründete dies damit, dass Jesus nur Männer zu Aposteln berufen habe, sowie mit der kirchlichen Tradition.

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Plants Are So Awesome, Their Roots Can Sense Light Underground

Plants are more hi-tech than you thought: a new study published today in Science Signaling reveals that certain plant stems act like fiber optic cables to deliver light from the leaves to the roots so they can grow. This is a cool finding because it shows parts of the plant that never actually see the sky are still sensitive to light.

By Meredith Rutland Bauer | MOTHERBOARD

The study, run by more than a dozen researchers from institutions in South Korea and Germany, hopes the results can be used to determine the best lighting conditions for growing some plants.

Having a better understanding of how plants use light means we can grow various plants in greenhouses more effectively. And if you want year-round tomatoes, that makes a difference.

Light isn’t as simple as illumination when it comes to plants. It’s a source of energy, and a signal that regulates most functions within the plant.

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