Wird die Rechte stark, weil die Linke die Arbeiter verachtet?


Der Front National hat in manchen Regionen die bis in die 1970er Jahre dominierende Kommunistische Partei beerbt

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Aufstieg der neuen Rechtspopulisten in vielen europäischen Ländern ruft unter Linken Besorgnis hervor. Besonders seit klar ist, dass ein Teil ihrer Wählerbasis aus der alten Arbeiterklasse kommen. Dabei handelt es sich meistens um Regionen, in denen fordistische Industriezweige und damit auch eine ganze Arbeiterkultur verschwunden sind. So hat der Front National in Frankreich in solchen Regionen die bis in die 1970er Jahre dominierende Kommunistische Partei beerbt und wurde zur Partei des in seinem Stolz verletzten Proletariats.

Mit „Rückkehr nach Reims“ hat der Soziologe Didier Eribon ein Buch geschrieben, das in mehrfacher Hinsicht ein Tabubruch war (Die rechtsradikalen 14 Prozent). Er stellt sich nicht nur die Frage, welchen Anteil die politische Linke daran hat, dass das Band zur Arbeiterklasse scheinbar durchtrennt worden ist.

Er begnügt sich also nicht damit, nur festzustellen, dass Teile der alten Arbeiterklasse zur rechten Wählerbasis wurden. Er fragt auch nach den Gründen in der Politik der politischen Linken. Doch das Wichtigste: Eriborn spart den subjektiven Faktor nicht aus. Er beschreibt, wie er selber als Kind einer Arbeiterfamilie das Milieu zunächst verlassen hat, um im intellektuellen Milieu von Paris Fuß zu fassen, bevor er nun als linker Akademiker in seine Heimatstadt zurückkehrt.

Rückkehr nach Kaiserslautern

Nun hat der Feuilletonredakteur des Neuen Deutschland Christian Baron auf Eriborns Spuren seine Rückkehr nach Kaiserslautern vollzogen.

Gleich das erste Kapitel seines im Verlag „Das Neue Berlin“ veröffentlichten Buchs mit dem Titel „Proleten, Pöbel, Parasiten“ beginnt mit einer Szene, die eigentlich schon eine Antwort auf den Satz gibt, der im Untertitel des Buches einfach als Behauptung aufgestellt ist: „Warum die Linken die Arbeiter verachten.“

Das erste Kapitel beschreibt, wie der achtjährige, asthmakranke Christian von seinem betrunkenen Vater geschlagen und gegen die Wand geschleudert wird. Die Szene hat sich Christian Baron eingeprägt, weil er erstmals Gegenwehr verspürte und sich mit einem Holzscheit vor seinen Vater aufbaute. Das scheint den Vater mit den Kräften eines Möbelpackers zumindest so beeindruckt zu haben, dass er von seinen Sohn für dieses Mal abließ.

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