Lutherbibel 2017: Übersetzer sind keine Verräter!

Themenbild.
Themenbild.

Seit zwei Wochen ist die revidierte Lutherbibel auf dem Markt. Wie bei jeder neuen Übersetzung hagelt es Kritik: Ist die Übersetzung nicht Verrat am Original? Nein, meint die Alttestamentlerin Melanie Köhlmoos in ihrem Gastartikel: Christliche Theologie sei eben ein ständiger Übersetzungsprozess. Übersetzung sei nicht Verrat, sondern Kompromiss.

Von Melanie Köhlmoos | evangelisch.de

Seit zwei Wochen ist sie nun da, die „neue“ Lutherbibel. Pünktlich zur Eröffnung des Reformationsjubiläums ist der revidierte Text fertig gestellt, der die nunmehr zweiunddreißig Jahre alte vorige Fassung ersetzen soll. Das ist ein Ereignis nicht nur für die Bibelgesellschaft und die EKD, für die Wissenschaft, die Gemeinden und alle, die sich für die Bibel interessieren. Wenn diese Revision auch zweiunddreißig Jahre lang hält, dann wäre das ein schöner Erfolg; wenn man bedenkt, eine wie geringe Haltbarkeit manche Texte heutzutage haben können.

Doch egal, wie lange diese Revision gültig bleibt – sie ist ein Teil einer theologischen Tradition, die weit vor Martin Luther begann. Jesus von Nazareth sprach aramäisch. Seine Worte sind uns jedoch nur auf Griechisch überliefert. Die Stimme Jesu ist uns also nur in der Brechung durch die Übersetzung bekannt. Die neutestamentlichen Autoren zitieren die Schriften Israels nicht in ihrem hebräischen Original, sondern ebenfalls in der griechischen Übersetzung. Das westeuropäische Christentum gründet seine gesamte Theologie – alle Lehren, alle Dogmen – in der Hauptsache auf die Vulgata des Hieronymus, der lateinischen Übersetzung der hebräischen und der griechischen Bibel. Die verschiedenen reformatorischen Bibelübersetzungen und alle danach reihen sich in diesen Traditionsstrom ein. Es ist eins der Hauptmerkmale des Christentums, dass es so etwas kennt wie eine „Heilige Übersetzung“. Und auf jeden Fall unterscheidet dieser Sachverhalt die christlichen Gemeinschaften von den jüdischen und muslimischen, die aus guten Gründen mit der Übersetzung der Heiligen Schrift sehr sparsam umgehen.

weiterlesen

Advertisements

Hoffnung für Alzheimer Patienten?

Ablagerungen aus Beta-Amyloid-Proteinen gelten einer Theorie nach als Ursache für den Tod von Gehirnzellen bei Alzheimer. © NIA/NOH
Ablagerungen aus Beta-Amyloid-Proteinen gelten einer Theorie nach als Ursache für den Tod von Gehirnzellen bei Alzheimer. © NIA/NOH
Wirkstoff mit Potenzial: Ein neu entwickeltes Präparat könnte sich als effektives Mittel für die Therapie von Alzheimer bewähren. In einer klinischen Studie reduzierte der Stoff bei Alzheimer-Patienten die Produktion jener Proteine, die sich bei den Betroffenen als schädliche Plaques ablagern. Besonders überraschend: Anders als vergleichbare Wirkstoffe hat das Medikament keine schweren Nebenwirkungen. Folgestudien müssen nun zeigen, ob das Präparat tatsächlich den geistigen Abbau bremsen kann.

scinexx

Die Alzheimer-Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der es zu einer fortschreitenden Zerstörung von Gehirnzellen kommt. Als typisches Symptom finden sich im erkrankten Gehirn Ablagerungen verklumpter Proteine: Statt abgebaut zu werden, sammelt sich das Beta-Amyloid-Protein immer weiter an. Diese Plaques sind einer gängigen Hypothese zufolge der Grund, warum Zellen im Gehirn absterben und die Patienten dement werden.

weiterlesen

Kohlendioxid-Konzentration überschreitet wichtige Grenze

Bild: energiedialog-wasserburg.de
Bild: energiedialog-wasserburg.de

Das vergangene Jahr über hat die Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre im Durchschnitt erstmals 400 Parts per Million erreicht. Das ist eine unschöne Premiere – und dürfte jetzt viele Generationen lang so bleiben.

 

Von Jamie Condliffe | Technology Review

Es gibt offizielle Nachrichten über die Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre im vergangenen Jahr, und sie sind nicht gut.

Wie das Treibhausgas-Bulletin der World Meteorological Organization (WMO) zeigt, war 2015 das erste Jahr, in dem der durchschnittliche Kohlendioxid-Gehalt rund um die Welt den Wert von 400 Parts per Million erreicht hat. Zum Teil lag das Überschreiten dieser Grenze laut der WMO an El Niño. Dieses Klimaphänomen habe die „Kapazität von ‚Senken‘ wie Wäldern, Vegetation und Meeren zum Absorbieren von Kohlendioxid verringert“.

Doch selbst wenn diese Senken später wieder mehr Kohlendioxid aufnehmen können, so warnt der WMO-Generalsekretär Petteri Taalas, werden die Emissionen verringert werden müssen. „Das E-Niño-Phänomen ist verschwunden. Der Klimawandel nicht“, erklärte er. „Wenn wir die Kohlendioxid-Emissionen nicht angehen, können wir den Klimawandel nicht angehen und den Temperaturanstieg nicht auf weniger als 2 Grad oberhalb der vorindustriellen Zeit begrenzen.“

weiterlesen

Erster Heinz-Oberhummer-Award an Skeptiker und Zauberkünstler James Randi

James Randi, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 /James Randi Foundation
James Randi, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 /James Randi Foundation
Der mit 20.000 Euro und einem Glas Alpakakot dotierte Preis für „hervorragende Wissenschaftsvermittlung“ wird am 24. November verliehen

derStandard.at

Der kanadische Zauberkünstler, Autor und Pseudowissenschafts-Aufklärer James Randi (87) erhält den ersten nach dem 2015 verstorbenen Physiker und Kabarettisten benannten Heinz-Oberhummer-Award für Wissenschaftskommunikation. Am Todestag Oberhummers, dem 24. November, wird Randi den Preis im Wiener Stadtsaal entgegennehmen, wie die „Science Busters“ mitteilten.

Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert. Gemeinsam mit Oberhummers ehemaliger Kabarettgruppe, den „Science Busters“, stellen die Universität Graz, die Technische Universität Wien, der ORF und die Stadt Wien die Jury und finanzieren den Preis, zu dem es quasi als „Draufgabe“ noch ein Glas Alpakakot gibt.

weiterlesen

Griechenland: Gotteshäuser als Streitobjekte

Eine Muslima auf dem Lykabettus-Hügel mit der Skyline von Athen. Bild: W. Aswestopoulos
Eine Muslima auf dem Lykabettus-Hügel mit der Skyline von Athen. Bild: W. Aswestopoulos
Eine paramilitärisch auftretende Gruppe von Griechen, aber offensichtlich auch aus Russland stammenden Aussiedlern hat mitten in Athen einen Platz besetzt. Es ist das Gelände um die Iera Odos 114 am so genannten Votanikos, wo seitens der Stadt Athen ein Grundstück für den Bau einer 800 Quadratmeter großen Moschee ausgewiesen wurde. Die Besetzer kontrollieren nun mit martialischem Auftreten jeden, der sich in den Bereich des Geländes begibt.

Von Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Es ist für Journalisten nicht unbedingt ratsam, dort vor Ort mit Kameras aufzutauchen. Die Besetzer, die im Gelände flugs eine provisorische christliche Kapelle geweiht haben, geben an, sie würden den Platz zu Gunsten obdachloser Griechen nutzen. „Wir besetzen das Gelände nicht, es steht uns zu! Und wir werden es im Notfall auch mit Waffengewalt verteidigen“, sind die typischen Zitate, welche die selbst ernannten Wächter der Presse geben.

Der Staat selbst gibt sich machtlos, obwohl der Bau der Moschee mit großer Mehrheit vom Parlament gebilligt wurde. Er akzeptiert tatenlos, dass eine militärisch auftretende Wachmannschaft bei Bürgern Ausweiskontrollen vornimmt und „Linke“ am Aussehen erkennen möchte. Was steckt dahinter?

weiterlesen

Polizisten verletzt: „Reichsbürger“ in Vorpommern weiter auf der Flucht

Homepage der "Exilregierung" / friedensvertrag.info/ Themenbild
Homepage der „Exilregierung“ / friedensvertrag.info/ Themenbild
Wieder hat es einen Zwischenfall mit einem „Reichsbürger“ gegeben, bei dem Polizeibeamte angegriffen wurden. Nach dem Mann wird nun gefahndet.

Frankfurter Allgemeine

Ein sogenannter Reichsbürger, der am Dienstag in Greifswald festgenommen werden sollte, ist am Donnerstagmorgen weiter auf der Flucht gewesen. Wie ein Polizeisprecher in Neubrandenburg sagte, sollte die Suche nach dem 29 Jahre alten Mann fortgesetzt werden.

Der Mann hatte sich bei einer Verkehrskontrolle unter Einsatz von Reizgas zur Wehr gesetzt, wobei zwei Polizisten leicht verletzt wurden. Dabei war der dem Staatsschutz als „Reichsbürger“ bekannte Mann von seiner Mutter und einem Bruder, die mit ihm im Auto saßen, unterstützt worden.

weiterlesen

Säkularisierung: Kehrt die Religion zurück nach Europa?

Tomáš Halík ist ein tschechischer Priester und Intelektueller (Carl Court / AFP)
Tomáš Halík ist ein tschechischer Priester und Intelektueller (Carl Court / AFP)
Die Welt erlebt eine Wiederkehr der Religion, sie kommt in der Gestalt des Islams ins säkularisierte Europa zurück – sagt der tschechische Soziologe und Religionsphilosoph Tomáš Halik. Atheistische Denker widersprechen Haliks These: Sie sehen nach wie vor einen Niedergang der Religion, zumindest in unseren Breiten. Wer liegt richtig?

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

„Gott ist tot – beziehungsweise hat nie gelebt.“ „Gott ist die Liebe.“ „Gott lässt sich mit unseren Worten nicht beschreiben.“ Es gibt so viele Formen von Glauben und Unglauben, wie es Menschen gibt, sagt der tschechische Soziologe und Denker Tomás Halik:

„Es gibt einen tiefen Glauben, es gibt auch eine politisch missbrauchte Religion, es gibt eine naive Bigotterie. Und auch im Atheismus gibt es einen militanten Atheismus, einen stolzen Atheismus – aber es gibt auch einen Atheismus der Schmerzen, von den Leuten, die sagen: Es gibt so viele schreckliche Dinge in meinem Leben.“

Tomás Halik vereint in seiner Person zwei Perspektiven: Die des soziologischen Beobachters religiöser Phänomene – und die des Gläubigen in einem säkularen Umfeld in Tschechien.

weiterlesen

The Borders of Tolerance: A Conversation with Ayaan Hirsi Ali

Image: SamHarris.org
Image: SamHarris.org
In this episode of the Waking Up podcast, Sam Harris speaks with Ayaan Hirsi Ali about Islamism, the migrant crisis in Europe, and other topics.

Sam Harris.org

Ayaan Hirsi Ali is a Senior Fellow with the Future of Diplomacy Project at the Belfer Center for Science and International Affairs at The Harvard Kennedy School, a Fellow at the Hoover Institute at Stanford University, and a member of the Council on Foreign Relations. She was named one of TIME Magazine’s “100 Most Influential People” of 2005, one of the Glamour Heroes of 2005 and Reader’s Digest‘s European of the Year for 2005. She is the best selling author of Infidel (2007) and Heretic: Why Islam Needs a Reformation Now (2015). She runs the AHA Foundation which seeks to elevate the status of women and girls globally.

Warum Europa vor Erdogan kuscht

HP von Cumhuriyet.tr. Screenshot: bb
HP von Cumhuriyet.tr. Screenshot: bb
Nach den Verhaftungen bei der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ hört man aus Berlin und Brüssel nur zaghafte Kritik an Erdogans autokratischem Kurs. Die EU befindet sich in einem Dilemma.

Von Andre Tauber | DIE WELT

Als Rebecca Harms in diesen Tagen nach Istanbul fuhr, da überschlugen sich die Ereignisse. Die Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament plante am Montag eigentlich einen Besuch in der Redaktion der Zeitung „Cumhuriyet“. Die linksliberale Zeitung gilt als eines der letzten oppositionellen Blätter, die über Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kritisch berichten.

Dann stürmte vor ihrem Termin die türkische Polizei den Verlag und nahm zwölf Journalisten fest, darunter auch den Chefredakteur Murat Sabuncu, mit dem Harms sprechen wollte. Am Ende saß die Grünen-Politikerin in einer Redaktion, in der sich die Mitarbeiter gegenseitig Mut zusprachen und die Frauen der Verhafteten Trost erhielten.

weiterlesen

Autonome Systeme: Munition, die ihr Ziel sucht und zerstört

Ein Lethal Miniature Aerial Missile System aus schwärmenden Drohnen. Bild: US Army
Ein Lethal Miniature Aerial Missile System aus schwärmenden Drohnen. Bild: US Army
Wenn man an Kampfroboter denkt, stellt man sich kompliziertere Maschinen vor, wahrscheinlich intuitiv solche wie Drohnen, die Waffen mit sich führen und mit diesen feuern können. Kampfroboter können aber auch smarte, halbwegs intelligente Raketen, Granaten oder gar Patronen sein, die von Menschen oder einem KI-System abgefeuert werden, um ein Ziel zu zerstören oder einen Gegner zu töten. Solche Geschosse sind wie Selbstmordattentäter, die sich am Ziel in die Luft sprengen sollen, um sich und das Ziel zu vernichten.

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Freilich waren die von Feuerwaffen abgeschossenen Projektile eigentlich immer solche suizidalen Geschosse, aber bei Munition, die einmal abgeschossen ihr Ziel sucht, verfolgt, bei Bedarf in der Luft/im Wasser verharrt und schließlich trifft, wäre die Metapher wahrscheinlich einleuchtender. Wie kürzlich ein Bericht festgehalten hat, fließt weltweit das meiste Geld nicht in die Entwicklung von Drohnen oder anderen Kampfrobotern, sondern in die von Munition wie Präzisionsraketen, die eben ein Ziel sucht, dieses verfolgt und womöglich selbst entscheidet, welches sie wann zerstört (Was ist besser daran, wenn nicht autonome Maschinen, sondern Menschen Waffen bedienen?)..

Letztes Jahr wurde bekannt, dass die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, an der Entwicklung von Munition für ein Gewahr arbeitet, die im Flug die Richtung ändern kann, um ein sich bewegendes Ziel zu treffen, auch wenn sie schon einmal abgefeuert ist. Extreme Accuracy Tasked Ordnance (EXACTO) sind Patronen mit Kaliber 0.50, die bereits von der Darpa getestet wurden und die Treffergenauigkeit verbessern sollen. Die sich im Flug steuernde Munition, die für alle Kaliber möglich wäre, besitzt ein optisches Leitsystem, dessen Einzelheiten allerdings unbekannt sind.

weiterlesen

Innenministerium will gegen religiöse Ehen Minderjähriger vorgehen

Eheringe © NickNguyen auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Eheringe © NickNguyen auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Beim Verbot von Kinderehen bringt das Bundesinnenministerium eine 2009 abgeschaffte Regelung wieder ins Gespräch. Es will religiöse Trauungen von Minderjährigen am Standesamt vorbei verbieten. Kirchen und Muslime sind überrascht.

MiGAZIN

In der Debatte um ein Verbot sogenannter Kinderehen will das Bundesinnenministerium religiöse Heiratsrituale mit Minderjährigen am Standesamt vorbei untersagen. Ein Sprecher bestätigte am Mittwoch in Berlin einen Bericht der Welt, nach dem ein Vorschlag unterbreitet wurde, solche Eheschließungen als Ordnungswidrigkeiten zu ahnden. Die Geldbuße soll dem Bericht zufolge bis zu 1.000 Euro betragen.

Dem Sprecher zufolge regt das Innenministerium dafür eine Änderung des Personenstandsgesetzes an. Für religiöse Eheschließungen soll dort wieder ein sogenanntes Voraustrauungs-Verbot eingeführt werden, zumindest für Ehen mit Minderjährigen.

weiterlesen

„Die Stadt ohne Juden“: Ein Stummfilm findet sein verschollenes Ende

Filmausschnitt aus "Die Stadt ohne Juden" von Hans Karl Breslauer (1924). / Bild: Filmarchiv Austria
Filmausschnitt aus „Die Stadt ohne Juden“ von Hans Karl Breslauer (1924). / Bild: Filmarchiv Austria
Der österreichische Stummfilm „Die Stadt ohne Juden“ war bisher nur unvollständig erhalten. Die fehlenden Teile, die nun restauriert werden sollen, zeigen, wie radikal die Antisemitismus-Prophezeiung von 1924 war.

Von Katrin Nussmayr | DiePresse.com

Es war eine Prophezeiung von erstaunlicher Radikalität und Weitsicht: „Die Stadt ohne Juden“, der 1924 erschienene österreichische Stummfilm nach Hugo Bettauers gleichnamigem Roman, nahm als weltweit erster Film vorweg, wohin der grassierende Antisemitismus führen könnte: Aus einer Stadt namens Utopia, in der Angst vor sozialem Abstieg, Groll auf Spekulanten und Judenhass den Alltag prägen, werden alle Juden verbannt. Die Großdeutschen wie der rabiate Rat Bernart (Hans Moser mit einem Gerät von einem Schnurrbart) freuen sich, doch sonst ist damit kein Problem gelöst: Der Film von Regisseur Hans Karl Breslauer zeigt auf drastische, wenn auch satirische Weise, wie die Vertreibung der Juden die Stadt kulturell und wirtschaftlich völlig in den Ruin zu treiben droht.

Wie die Geschichte ausgeht, ist in der bekannten Filmversion aber nicht zu sehen: Am Schluss wird das Gesetz, mit dem die Juden ausgewiesen wurden, wieder gekippt, Hans Moser landet in einer expressionistischen Szene im klaustrophobisch verzogenen Raum eines Irrenhauses und glaubt, von Davidsternen verfolgt zu werden. Die Szene ist nur bruchstückhaft enthalten und zeigt schon Zersetzungserscheinungen. „Hier endet der erhaltene Film“, liest der Zuschauer, wie es weitergehen sollte, wird nur schriftlich kurz erzählt: Bernart wacht im Gasthaus auf, die Irrenhaus-Szene stellt sich ihm als Traum heraus. Er findet auch zur Vernunft: „Wir sind ja alle nur Menschen und wollen keinen Hass. Leben wollen wir – ruhig nebeneinander leben.“

weiterlesen

Türkei droht mit Ende des Flüchtlingsabkommens

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu / Bild: APA/AFP/FREDERICK FLORIN
Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu / Bild: APA/AFP/FREDERICK FLORIN
Sollte ihre Forderung nach Visafreiheit für türkische Bürger in der EU nicht bald erfüllt werden, „werden wir die Vereinbarung kündigen“, betont Außenminister Cavusoglu. „Unsere Geduld neigt sich dem Ende zu.“

Die Presse.com

Die Türkei hat der Europäischen Union mit der Aufkündigung des Flüchtlingsabkommens noch vor Ende dieses Jahres gedroht, sollte ihre Forderung nach Visafreiheit für türkische Bürger in der EU nicht bald erfüllt werden. „Unsere Geduld neigt sich dem Ende zu“, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der „Neuen Zürcher Zeitung“. Dort nannte er auch einen Zeithorizont: „Wir warten auf eine Antwort (der EU) in diesen Tagen. Wenn die nicht kommt, werden wir die Vereinbarung kündigen.“

weiterlesen

Klimaschutz-Fata-Morgana

 Bild: Luftaufnahme der Bayerischen Vermessungsverwaltung: Autobahnkreuz München-Süd/CC-BY-SA-3.0
Bild: Luftaufnahme der Bayerischen Vermessungsverwaltung: Autobahnkreuz München-Süd/CC-BY-SA-3.0
Die Energie- und Klimawochenschau: Vom Umbau der Industrie, ungeliebten Bahnprojekten, sündhaft teuren Autobahnen, einem entkernten Klimaschutzplan und Inselstaaten, die an die Schäden des Klimawandels erinnern

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Am Freitag ist es nun so weit. Am 4. November, pünktlich zur am kommenden Montag im marokkanischen Marrakesch beginnenden UN-Klimakonferenz, wird das Pariser Klimaschutzabkommen in Kraft treten. Vor vier Wochen war dafür, wie berichtet, die ausreichende Zahl von Staaten zusammen gekommen, die bei den Vereinten Nationen in New York die entsprechenden Ratifizierungsurkunden hinterlegt haben. Neben den großen Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien haben diesen Schritt auch die USA und die Europäischen Union, stellvertretend für die Mitgliedsländer, getan. Von den 197 Mitgliedern der UN-Klimarahmenkonvention haben 192 das Pariser Abkommen unterzeichnet und 87 ratifiziert. Auf letztere entfallen rund 60 Prozent der globalen Treibhausemissionen.

Damit ist allerdings nur ein erster Schritt getan. Die bisherigen Selbstverpflichtungen, auf denen das Abkommen basiert, reichen bei weitem nicht. Mit den in ihnen angekündigten weiteren Emissionen wird die globale Erwärmung nicht im erforderlichen Maße begrenzt. Daher werden „gefährliche Eingriffe in das Klimasystem“ nicht vermieden, wie es die UN-Klimarahmenkonvention seit nunmehr 22 Jahren fordert.

Zum Glück gibt es aber außerhalb der Verhandlungssphäre einige Entwicklungen, die Hoffnung machen. So zum Beispiel der Rückgang des Kohlekonsums in China (3361244) oder die ebenfalls dort geplanten relativ strengen Vorschriften zur raschen Einführung von Elektroautos, die deutschen Herstellern Kopfschmerzen bereitet (3408790).

Selbst hierzulande wird inzwischen davon gesprochen, dass ab 2030 eventuell keine Neuzulassungen mit Verbrennungsmotoren mehr möglich sein sollen.

weiterlesen

Was Archäologen im Grab Jesu fanden

Marmorplatten schützen die aus Kalkstein bestehende Gruft Quelle: dpa/EPA
Marmorplatten schützen die aus Kalkstein bestehende Gruft Quelle: dpa/EPA
Forscher haben zum ersten Mal seit Jahrhunderten das Grab Jesu Christi geöffnet. Während Restaurierungsarbeiten setzten sie einen Stein frei, über den seit Jahrhunderten spekuliert wurde.

DIE WELT

Für Christen weltweit gehört die Grabeskirche zu den bedeutendsten Heiligtümern. Sie glauben, dass sich dort das Grab Jesus Christus befindet, so ist es historisch überliefert. Doch archäologisch lässt sich das nicht beweisen. In der Altstadt Jerusalems lassen sich zahlreiche Felsengräber finden, die ebenso in Betracht kommen könnten. Nun konnten Forscher erstmals seit Jahrhunderten das Grab von Jesus öffnen – und Datenmaterial sammeln.

60 Stunden lang durften Forscher die heilige Stätte untersuchen. Seit mindestens dem Jahr 1555, vielleicht auch weitere Jahrhunderte früher, ist die Grabanlage, die sich unterhalb der Grabeskapelle befinden soll, durch Marmorplatten verdeckt gewesen, schreibt das US-Fachmagazin „National Geographic“.

weiterlesen

Medien-Handbuch Islam: Gegen die einfachen Bilder

Eine junge Frau mit Kopftuch in einer Schule in Frankfurt. Foto: dpa
Eine junge Frau mit Kopftuch in einer Schule in Frankfurt. Foto: dpa
Der Berliner Mediendienst stellt ein Handbuch zum Islam vor, das Hintergründe und Zusammenhänge erklären will.

Von Alexandra Knief | Frankfurter Rundschau

Wie weit Vorurteile gegenüber „den Muslimen“ und „dem Islam“ in der deutschen Bevölkerung verbreitet sind, zeigen Umfragen seit Jahren. So gaben in einer Studie der Bertelsmann Stiftung im vergangenen Jahr 60 Prozent der Befragten an, den Islam als Bedrohung zu sehen. Auch die Medien tragen dazu bei, betonte jetzt der „Mediendienst Integration“ – ein Informationsdienst für Journalisten, den der gemeinnützige Rat für Migration betreibt.

„Der Islam und Muslime sind zentrale Themen in aktuellen Debatten um Migration und Integration und als solche ein Teil der Berichterstattung“, sagte Rana Göroglu, Geschäftsführerin des Mediendienstes in Berlin. „Die Wahrnehmung ist dabei häufig negativ geprägt.“ Um Journalisten dabei zu unterstützen, ausgewogen zu berichten, hat der Mediendienst Integration ein Medien-Handbuch zum Islam erarbeitet, das er nun vorstellte.

weiterlesen

Türkische Rechte öffnet Weg zu Systemwechsel

foto: reuters/bektas Wortkarger Vorsitzender: Devlet Bahçeli führt seit 1997 die rechtsgerichtete MHP. Eine Parteirebellion brach im Sommer zusammen.
foto: reuters/bektas Wortkarger Vorsitzender: Devlet Bahçeli führt seit 1997 die rechtsgerichtete MHP. Eine Parteirebellion brach im Sommer zusammen.
Der Führer der Oppositionspartei MHP, Devlet Bahçeli, geht einen Handel mit der Regierung ein, um Neuwahlen zu vermeiden

Von Markus Bernath | derStandard.at

Er sagt lange einmal nichts, doch wenn er dann den Mund auftut, horcht die Türkei auf. „Es ist nichts dabei, das Volk zu fragen“, erklärte Devlet Bahçeli unlängst und brachte damit die politische Zukunft des Landes auf ein neues Gleis. Es war der stets mürrisch wirkende Führer der türkischen Rechtsnationalisten, der den Weg für einen Systemwechsel geöffnet hat. Seine Fraktion wird teilweise zumindest den Antrag der Regierung für eine neue Verfassung unterstützen. Sie soll dem autoritären Staatschef Tayyip Erdogan noch mehr Macht geben und den Türken zum Entscheid vorgelegt werden. Möglicherweise nächste Woche bereits kommt der Verfassungsantrag ins Parlament, heißt es in Ankara.

weiterlesen

Asteroiden: Besitzt Psyche Wasser?

Credit: JPL/Corby Waste; Space.com
Credit: JPL/Corby Waste; Space.com
Untersuchungen im Infraroten ergaben Hinweise auf chemisch gebundenes Wasser auf dem Asteroiden (16) Psyche, der bislang als ein bis zu 300 Kilometer großer Brocken aus metallischem Eisen gilt.

Von Tilman Althaus | Spektrum.de

Mit der NASA Infrared Telescope Facility auf dem Mauna Kea, Hawaii, untersuchte ein Forscherteam um Driss Takir vom US Geological Survey in Flagstaff, Arizona, den Asteroiden (16) Psyche im Infraroten. In den dabei aufgenommenen Spektren stießen die Forscher auf Banden, die auf chemisch gebundenes Wasser im Gestein der Oberfläche des Himmelskörpers hinweisen. Dies ist insofern verwunderlich, als Psyche zu den M-Typ-Asteroiden gehört. Diese seltenen Himmelskörper bestehen überwiegend aus einer Legierung aus metallischem Eisen und Nickel. Sie gelten als ehemalige Kerne zerstörter Kleinplaneten im Asteroidengürtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter, die durch Kollisionen den größten Teil ihrer ursprünglich vorhandenen Gesteinsmäntel verloren haben. Sie waren in ihrer Jugend vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren somit sehr hohen Temperaturen ausgesetzt und sollten kein Wasser enthalten.

weiterlesen

Muezzin soll in evangelischer Kirche zum Gebet rufen

muezzinrufIn der Bremer Friedenskirche soll demnächst im Rahmen eines „musikalischen Gottesdienstes“ ein Muezzin zum Gebet rufen.

evangelisch.de

Das „Allahu Akbar“ („Gott ist sehr groß“) des muslimischen Ausrufers ist Teil des Oratoriums „The Armed Man“, das der englische Musiker Karl Jenkins als Friedensmesse komponiert hat. Es wird am 13. November in der evangelischen Kirche aufgeführt. Was andernorts zu heftigen Diskussionen geführt hat, war nach den Worten der Kirchenmusikerin Megumi Ishida-Hahn in Bremen völlig unstrittig. „Wo, wenn nicht bei uns – das muss hier passieren“, sagte sie am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Im Berliner Dom etwa durfte das Werk vor einigen Jahren nicht aufgeführt werden, weil es dem Domkirchen-Kollegium nicht akzeptabel erschien, dass das Glaubensbekenntnis des Islam in einer Kirche laut wird. Auch in der evangelischen Stadtkirche Rotenburg bei Bremen gab es vor knapp zehn Jahren Streit. Kritiker bemängelten, ein Muezzin dürfe nicht in der Kirche singen. Von Religionsvermischung und von muslimischer Mission in einer evangelischen Kirche war die Rede. Befürworter führten an, die Komposition sei ein Dokument des gegenseitigen Respekts, gerichtet gegen die Angst vor dem Fremden.

weiterlesen

The Canadian Military Is Investigating a Mysterious Noise In the Arctic

Sunset in Igloolik, Image: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ Nunaview
Sunset in Igloolik, Image: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/ Nunaview

 

In the tiny Arctic hamlet of Igloolik, Nunavut, hunters say a mysterious sound, seemingly coming from the bottom of the sea, is driving wildlife away.

By Jordan Pearson | MOTHERBOARD

According to the CBC, locals have different theories about its source, and have attributed this “ping” or “hum” to a mining company that has operated nearby, or even to sabotage by Greenpeace. Both entities denied having anything to do with the phenomenon that hunters allege has made an area once teeming with wildlife a bit more barren over the course of the summer.

Although the Arctic has been increasingly opening up to mining operations, tourism, and military exercises, this pinging sound remains unexplained. Without anywhere else to turn, and with no leads on what’s causing it, the Office of the Premier of Nunavut called on the Department of National Defence (DND) to investigate in October.

read more