Lutherbibel 2017: Übersetzer sind keine Verräter!


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Seit zwei Wochen ist die revidierte Lutherbibel auf dem Markt. Wie bei jeder neuen Übersetzung hagelt es Kritik: Ist die Übersetzung nicht Verrat am Original? Nein, meint die Alttestamentlerin Melanie Köhlmoos in ihrem Gastartikel: Christliche Theologie sei eben ein ständiger Übersetzungsprozess. Übersetzung sei nicht Verrat, sondern Kompromiss.

Von Melanie Köhlmoos | evangelisch.de

Seit zwei Wochen ist sie nun da, die „neue“ Lutherbibel. Pünktlich zur Eröffnung des Reformationsjubiläums ist der revidierte Text fertig gestellt, der die nunmehr zweiunddreißig Jahre alte vorige Fassung ersetzen soll. Das ist ein Ereignis nicht nur für die Bibelgesellschaft und die EKD, für die Wissenschaft, die Gemeinden und alle, die sich für die Bibel interessieren. Wenn diese Revision auch zweiunddreißig Jahre lang hält, dann wäre das ein schöner Erfolg; wenn man bedenkt, eine wie geringe Haltbarkeit manche Texte heutzutage haben können.

Doch egal, wie lange diese Revision gültig bleibt – sie ist ein Teil einer theologischen Tradition, die weit vor Martin Luther begann. Jesus von Nazareth sprach aramäisch. Seine Worte sind uns jedoch nur auf Griechisch überliefert. Die Stimme Jesu ist uns also nur in der Brechung durch die Übersetzung bekannt. Die neutestamentlichen Autoren zitieren die Schriften Israels nicht in ihrem hebräischen Original, sondern ebenfalls in der griechischen Übersetzung. Das westeuropäische Christentum gründet seine gesamte Theologie – alle Lehren, alle Dogmen – in der Hauptsache auf die Vulgata des Hieronymus, der lateinischen Übersetzung der hebräischen und der griechischen Bibel. Die verschiedenen reformatorischen Bibelübersetzungen und alle danach reihen sich in diesen Traditionsstrom ein. Es ist eins der Hauptmerkmale des Christentums, dass es so etwas kennt wie eine „Heilige Übersetzung“. Und auf jeden Fall unterscheidet dieser Sachverhalt die christlichen Gemeinschaften von den jüdischen und muslimischen, die aus guten Gründen mit der Übersetzung der Heiligen Schrift sehr sparsam umgehen.

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Ein Gedanke zu “Lutherbibel 2017: Übersetzer sind keine Verräter!

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