Niqab in der Schule – Rechtsverschleierung

Der Niqab ist ein augenfälliges Symbol einer totalen Integrationsverweigerung / picture alliance
Der Niqab ist ein augenfälliges Symbol einer totalen Integrationsverweigerung / picture alliance
Die niedersächische Politik hat entschieden: Eine muslimische Schülerin darf in Vollverschleierung am Unterricht teilnehmen. Es ist auch die Kluft zwischen Recht und Wirklichkeit, die Menschen in die Arme von Populisten wie Donald Trump in den USA und der AfD in Deutschland treibt

Von Alexander Marguier | Cicero

Es sind Entscheidungen wie diese, die das Vertrauen in den Rechtsstaat erodieren lassen: Eine 16 Jahre alte Schülerin im Landkreis Osnabrück erscheint seit geraumer Zeit vollverschleiert zum Unterricht, obwohl sie damit gegen das niedersächsische Schulgesetz verstößt. Trotz mehrerer Überredungsversuche seitens des Lehrerkollegiums, den Niqab abzulegen, weigert sich das Mädchen, zumindest während des Schulbesuchs auf das Tragen dieser Tracht zu verzichten. Unlängst hatte sich der Kulturausschuss des niedersächsischen Landtags dieser Sache angenommen und jetzt entschieden: Die Schülerin, eine sunnitische Muslima, darf auch weiterhin in Vollverschleierung am Unterricht teilnehmen.

Niqab Teil eines Integrationsprozesses?

Die abenteuerliche Begründung: Es handele sich um einen „besonders gelagerten Einzelfall“; der Schulfrieden sei durch die Niqab-Trägerin nicht gefährdet, außerdem solle der Zehntklässlerin der Schulabschluss ermöglicht werden. Sanktionen gegen das vollverschleierte Mädchen, etwa in Form von Unterrichtsausschluss oder Schulverweis, seien „Maßnahmen, die den Integrationsprozess nicht unterstützen und daher für diesen Fall nicht als zielführend erachtet werden“, heißt es in einer Stellungnahme des niedersächsischen Kultusministeriums.

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Bürger in Kalifornien, Nevada und Massachusetts erzwingen Legalisierung von Marihuana

Sechs Gramm Marihuana. Foto: Milliped. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Sechs Gramm Marihuana. Foto: Milliped. Lizenz: CC BY-SA 3.0
Nach der Umsetzung der Volksabstimmungsergebnisse durch die Politik wird das Genussmittel an der gesamten US-Westküste erlaubt sein

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Gestern wählten die Bürger in den USA nicht nur Donald Trump zum Präsidenten, sondern stimmten auch in zahlreichen Bundesstaaten über Volksbegehren ab. In vier dieser Bundesstaaten ging es dabei unter anderem um eine Legalisierung von Marihuana, die in drei davon gelang.

Der bedeutendste dieser Bundesstaaten ist Kalifornien. In der sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt leben fast 40 Millionen Menschen, die dem aktuellen Auszählungsstand nach trotz des massiven Widerstands der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein und vieler anderer Politiker mit 56 Prozent für Proposition 64 stimmten.

Vor acht Jahren war eine ähnliche Initiative knapp gescheitert. Dass die Legalisierung diesmal gelang, lag unter anderem am ehemaligen Facebook-Präsidenten Sean Parker, der mit einer Großspende dafür sorgte, dass den Legalisierungsbefürwortern mit 22 Millionen Dollar deutlich mehr Geld zur Verfügung stand als den Gegnern.

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Gregor Mendel, das Erben und die Erbsen

Bild: br.de
Bild: br.de
Gregor Johann Mendel züchtete Tausende von Erbsen, um die Gesetze der Vererbung zu erforschen. Vor 150 Jahren veröffentlichte er seine Genetik-Regeln. Heute werden sie in der Schule gelehrt, doch zu Lebzeiten blieb Mendels Arbeit unbeachtet.

BR.de

Über Jahre hinweg züchtete der Augustinermönch und Naturforscher Gregor Johann Mendel ( 20. Juli 1822 bis 6. Januar 1884) massenhaft Erbsen im Klostergarten in Brünn im heutigen Tschechien. Unermüdlich experimentierte er mit Kreuzungen, wertete sie statistisch aus. Wie veränderten sich zum Beispiel Blüten und Schoten von einer Generation zur nächsten? Am Ende stand eine rund 40-seitige Schrift, deren Kern Generationen von Schülern im Bio-Unterricht als Mendelsche Regeln büffelten. Vor 150 Jahren, im Jahr 1866, veröffentlichte Mendel seine Arbeit „Versuche über Pflanzen-Hybriden“. Er gilt heute als Vater der Genetik.

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Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht

In Ägypten kommt es zu Brandanschlägen auf Kirchen; im Iran müssen christliche Konvertiten als „Abtrünnige” um ihr Leben fürchten; protestantische Gemeinden in Russland werden als „fremdländische Sekten“ stigmatisiert; Terrorgruppen wie der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) zielen darauf ab, alle Spuren christlichen Lebens auszutilgen; in China oder Vietnam stehen christliche Gemeinden unter scharfer Beobachtung; wenn in Jordanien eine muslimisch-christliche Ehe geschieden wird, steht die christliche Ehefrau in der Gefahr, das Sorgerecht für ihre Kinder zu verlieren; in Bangladesch kommt es vor, dass Schulkinder ohne Zustimmung der Eltern in den hinduistischen oder islamischen Religionsunterricht geschickt werden; eine Angestellte der Fluggesellschaft „British Airways“ musste den lange Weg bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte beschreiten, bevor ihr gestattet wurde, im Dienst ein sichtbares kleines Kreuz zu tragen.

kath.net

Religionsfreiheit wird weltweit verletzt

Das sind nur einige Beispiele: Verletzungen der Religionsfreiheit an Christen finden in verschiedenen Regionen der Welt statt. Sie geschehen in Gerichtssälen, Schulen, Krankenhäusern, psychiatrischen Anstalten, Gefängnissen, Einwohnermeldeämtern, Kantinen, aber auch in der eigenen Nachbarschaft oder sogar im Kreis der eigenen Familie. Die Formen der Verletzung sind vielfältig; sie reichen von Diskriminierungen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt über Hasspropaganda in öffentlichen Medien bis hin zu Verhaftungen, Entführungen und Massakern, die teils Dimensionen von Völkermord annehmen.

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Volksabstimmung: US-Bundesstaat Colorado für ärztliche Sterbehilfe

Im US-Bundesstaat Colorado haben sich die Wähler am Dienstag trotz starker kirchlicher Einwände für die Zulassung ärztlicher Sterbehilfe ausgesprochen.

evangelisch.de

Laut Medienberichten stimmten rund zwei Drittel für die „Sterben mit Würde“-Initiative, der zufolge Ärzte unter bestimmten Bedingungen schwer kranken Patienten todbringende Mittel verschreiben dürfen. Colorado mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern ist der sechste US-Bundesstaat, in dem ärztliche Sterbehilfe legalisiert wird.

Dort müssen nun künftig zwei Ärzte diagnostizieren, dass ein Patient höchstens noch sechs Monate zu leben hat. Er muss die Medikamente zweimal im Abstand von 15 Tagen mündlich anfordern sowie einmal schriftlich in Anwesenheit von zwei Zeugen. Beim Zweifel über Entscheidungsfähigkeit oder psychische Stabilität müssen die Ärzte Psychologen zurate ziehen.

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Monika Walter: „Der verschwundene Islam?“ – Verleugnetes Kulturerbe

Monika Walter hat sich für ihre Analyse auch mit
Monika Walter hat sich für ihre Analyse auch mit „Don Quixote“ von Miguel de Cervantes beschäftigt. Hier eine Erstausgabe von 1605. (imago/CTK Photo)
Während der knapp 800 Jahre dauernden arabischen Herrschaft in Spanien entstand ein muslimisches Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Blüte. Doch dieses arabische Kulturerbe verschwand aus der Geschichtsschreibung. Monika Walter geht den Spuren nach.

Von Tabea Grzeszyk | Deutschlandradio Kultur

„Unbehagliche Geschichte“ oder „Geschichte unter dem Teppich“ heißt es bei spanischen und französischen Forschern, wenn sie über die arabische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel schreiben. Knapp 800 Jahre überdauerte „Al-Andalus“, das von 711 bis 1492 existierte und im 10. Jahrhundert im Kalifat von Córdoba ein goldenes Zeitalter erlebte: Ein muslimisches Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Blüte, auf europäischem Boden, nördlich des Mittelmeers.

Gehört der Islam also doch zu Europa? Natürlich! Doch wie kommt es, dass das arabische Kulturerbe Europas einem fast schon institutionalisierten Vergessen anheimfiel? Wieso gilt die Vorstellung eines „muslimischen Europas“ nahezu als Sakrileg?

500-Seiten-Analyse über Literaturgeschichte

Die Romanistin Monika Walter hat auf über 500 Seiten eine Analyse vorgelegt, die den arabischen Spuren innerhalb der spanischen und französischen Literaturgeschichte nachgeht.

So spürt sie etwa dem zum Christentum zwangskonvertierten Morisken Ricote aus Miguel de Cervantes „Don Quixote“ nach, der als fiktive Figur auf einen realhistorischen Hintergrund verweist: Der durch das Vertreibungsedikt von 1609 ausgewiesene und heimlich zurückgekehrte Araber betrauert den Verlust seiner Heimat, in der Juden, Christen und Muslime toleriert wurden.

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Die Rache der Abgehängten

Image: NBCNews/YouTube
Image: NBCNews/YouTube
Fast niemand hatte mit einem Präsidenten Donald Trump gerechnet. Doch der Hass auf die Eliten ist in den USA offenbar gerade in der weißen Mittelschicht größer als angenommen. Das deutet auf eine wachsende Entfremdung zwischen Politik und Bevölkerung hin, die uns auch in Deutschland blühen könnte

Von Constantin Wißmann | Cicero

Nach dem Brexit-Votum in Großbritannien wachen Deutschland und Europa heute zum nächsten Schock auf. Das Undenkbare ist passiert: Donald Trump ist zum Präsidenten der USA gewählt worden. Das wichtigste Amt der Welt wird nun von einem Geschäftsmann von zweifelhaftem Ruf und Fernseh-Star geführt werden, der noch nie einen politischen Posten bekleidet hat. Fast niemand hatte ernsthaft damit gerechnet. Die Börsen nicht, die prompt einbrachen. Die deutsche Regierung nicht, aus der es bis zuletzt hieß, dass es keine Kontakte und keine Zugänge zu Beratern des republikanischen Kandidaten gebe. Die Demoskopen nicht, die stets einen mehr oder weniger klaren Sieg von Hillary Clinton vorausgesagt hatten. Und die kanadische Einwanderungsbehörde nicht, deren Homepage wohl aufgrund der vielen Besuche von US-Amerikanern in der Wahlnacht nicht mehr erreichbar war. Vor allem aber die Demokraten in den USA hatten einen Sieg Trumps nicht für möglich gehalten.

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Wie Indiens Bauern in den Suizid getrieben werden

foto: kretschmer Mejor Singh fand die Leiche seines 30-jährigen Sohnes.
foto: kretschmer Mejor Singh fand die Leiche seines 30-jährigen Sohnes.

Der Punjab galt einst als Indiens Aushängeschild. Längst sehen vor allem Männer keine Zukunft mehr und nehmen sich das Leben

Von Fabian Kretschmer | derStandard.at

Auf Besucher wirkt Chottian nur wie eine weitere Siedlung im südlichen Punjab, die nach schier endlosen Getreidefeldern wie aus dem Nichts auftaucht: Hunde und Kühe streunen über staubige Lehmpfade, die Häuser werden von unverputzten Ziegelmauern gesäumt. In Chottian jedoch verbirgt sich hinter praktisch jeder Tür ein dunkles Geheimnis. Seit 1990 haben sich 104 Dorfbewohner das Leben genommen, ein weiteres Dutzend gilt als vermisst.

Mejor Singh führt in seinen Hof, wo er mit seiner Frau und zwei Enkelkindern lebt. Der hagere Körper des 63-Jährigen zeichnet sich trotz der weit geschnittenen Kurta deutlich ab, die Sonne hat tiefe Furchen in das dunkle Gesicht gegraben. Der Sikh zeigt auf den verlassenen Nebentrakt seines Hauses. Hier habe er seinen Sohn in den Morgenstunden des 5. November 2013 gefunden, der leblose Körper des 30-Jährigen durch Pestizide vergiftet. „Mein Sohn hat die Last nicht mehr ausgehalten, schon zwei Jahre vor seinem Tod hat er sich immer mehr zurückgezogen“, sagt er.

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Gabriel blockiert Klimaplan und brüskiert Hendricks

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kassiert den Klimaplan Quelle: dpa
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kassiert den Klimaplan Quelle: dpa
Nach monatelangem Gezerre um den Klimaschutzplan standen die Zeichen eigentlich auf Einigung. Nur noch der Segen der Kanzlerin und des SPD-Chefs fehlten. Die Grünen sprechen von einer „Riesenblamage“.
 

DIE WELT

Die Einigung auf einen „Klimaschutzplan 2050“ ist auf den letzten Metern am Widerstand von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gescheitert. „Der Plan wird am Mittwoch im Kabinett nicht beschlossen“, sagte ein Regierungsvertreter am Dienstagabend. Gabriel habe überraschend sein Veto gegen die Kabinettsbefassung eingelegt.

Die Zukunft des gesamten Klimaplans sei jetzt unklar, auf den sich zuvor Staatssekretäre aller Ministerien, auch des Wirtschaftsressorts, verständigt hatten. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kann so wohl nicht mit einem Klimakonzept zur laufenden UN-Konferenz in Marokko fliegen.

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Die EU-Klage gegen Deutschland ist gut

Ein Bauer bringt Dünger auf seinem Feld aus.Foto: dpa
Ein Bauer bringt Dünger auf seinem Feld aus.Foto: dpa
Seit Jahren sind die Nitratwerte im Grundwasser zu hoch, das ist eine massive Gesundheitsgefährdung. Dass die Regierung bisher nicht handelte, ist ein Unding. Ein Kommentar.

Von Ariane Bemmer | DER TAGESSPIEGEL

Es gebe Regionen in Deutschland, in denen man direkt mit dem Grundwasser düngen könnte, sagt ein Hydrogeologe, so hoch seien dessen Nitratwerte. Das ist das in Kauf genommene Ergebnis einer verantwortungslosen Politik, die es seit Jahrzehnten versäumt, der Düngung mit Gülle Grenzen zu setzen. Darum ist es gut, dass nun die EU-Kommission wegen Verletzung der EU-Gewässerschutzrichtlinie gegen Deutschland klagt. Dass der Nitratgehalt im Grundwasser die Grenzwerte überschreitet, ist seit Jahren bekannt, es gab auch bereits mehrere Aufrufe aus Brüssel, das zu ändern.

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Gewalt gegen Juden und Muslime in Sachsen

Konzentrationslager in Sachsenhausen © Mikel Larreategi @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Konzentrationslager in Sachsenhausen © Mikel Larreategi @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Brennende Synagogen und Geschäfte: Heute wird der Opfer der Pogromnacht von 1938 gedacht – auch in Sachsen. Wie judenfeindlich ist heute das Land, das wegen Gewalt gegen Flüchtlinge und Muslime ständig in die Schlagzeilen gerät?

Von Insa van den Berg | MiGAZIN

Es brennt. Schaulustige sammeln sich vor der Feierhalle auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Leipzig. Sie starren auf das Feuer, das in den Nebengebäuden wütet. Sie zucken mit den Schultern, drehen sich weg. „Ist doch nicht unser Haus.“ Dieser Satz hämmert in Anneliese Schellenbergers Kopf und Herz. „Dass ich mich heute noch daran erinnern kann, fast 80 Jahre später… Das zeigt doch, wie mich das schockiert hat.“ Die Leipzigerin war neun Jahre alt, als die Nationalsozialisten in der Pogromnacht am 9. November 1938 wüteten.

An rund 50 Orten in Sachsen wurden Synagogen, Geschäfte und Wohnungen zerstört. Hunderte Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt. Etwa 23.000 Juden lebten damals in Sachsen, weniger als ein halbes Prozent der Bevölkerung. Heute sind es in Sachsen mit seinen gut vier Millionen Einwohnern rund 2.500 Menschen jüdischen Glaubens. In den letzten beiden Jahren gab es laut Landeskriminalamt Sachsen jeweils rund 100 antisemitisch motivierte Straftaten. 2016 sind die Übergriffe nicht abgerissen: Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen.

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Psychiater: „Bei Holocaust-Überlebenden gibt es kein Vergessen“

foto: hendrich
foto: hendrich „Speziell das Erstarken von AfD und Pegida erinnert die Betroffenen oft an die 1930er-Jahre“, sagt Klaus Mihacek, ärztlicher Leiter von Esra. Bei vielen gebe es „das Symptom des gepackten Koffers“.
Klaus Mihacek, ärztlicher Leiter des psychosozialen Zentrums Esra, über den Rechtsruck, der große Ängste hervorruft
 

Interview Marie-Theres Egyed, Peter Mayr | derStandard.at

STANDARD: Am 9. November 1938 wurde auch die Synagoge in der Tempelgasse zerstört, jener Ort, der heute Sitz von Esra ist. Wie sehr wirkt diese Nacht bei den Menschen, die Sie betreuen, nach?

Mihacek: Es hat verheerende Auswirkungen für jene Menschen, die damals in Wien gelebt haben und das Novemberpogrom unmittelbar mitbekommen haben. Das ruft Spätfolgen und Traumafolgestörungen hervor – speziell, wenn diese Menschen älter werden.

STANDARD: Inwiefern?

Mihacek: Das Langzeitgedächtnis wird im Alter stärker. Gleichzeitig haben Überlebende nach der Befreiung vor den Nationalsozialisten kaum psychosoziale Unterstützung bekommen. Ganz im Gegenteil: Sie waren im Nachkriegsösterreich unwillkommen.

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Erdogan zeigt offenbar alle 133 CHP-Abgeordneten an

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Die oppositionelle CHP hat das Vorgehen der türkischen Behörden gegen Regierungsgegner scharf verurteilt. Als Konsequenz erstattet Präsident Erdogan nun Anzeige wegen Beleidigung.

SpON

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hat Strafanzeige wegen Beleidigung gegen die Oppositionspartei CHP erstattet. Vorausgegangen waren regierungskritischen Äußerungen bei einer Versammlung der Republikanischen Volkspartei (CHP).

Erdogans Anzeige richte sich gegen alle 133 Abgeordneten der Partei, darunter Parteichef Kemal Kilicdaroglu, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Sprecher Kilicdaroglus bestätigte eine Anzeige gegen den Parteichef. Die sozialdemokratische CHP ist die größte Oppositionspartei in der Türkei.

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Wo blieb die Neandertaler-DNA?

Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich: Unsere frühen Verwandten vererbten unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene. © Hairymuseummatt/ CC-by-sa 2.0
Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich: Unsere frühen Verwandten vererbten unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene. © Hairymuseummatt/ CC-by-sa 2.0
Verschwundenes Erbe: Neandertaler gaben unseren Vorfahren einst zahlreiche Gene weiter. Doch ein Großteil dieses durch Kreuzungen vererbten Guts wurde im Laufe der Evolution wieder gelöscht. Schuld daran war offenbar die stärkere Populationsgröße der modernen Menschen, wie Forscher nun berichten. Schwache Genvarianten, die bei der kleinen Neandertaler-Population auch durch Selektion nicht beseitigt werden konnten, hatten beim Menschen dagegen keine Chance.

scinexx

Die Neandertaler sind vor rund 35.000 Jahren ausgestorben – ein Teil von ihnen lebt jedoch in uns weiter: Die Frühmenschen haben im Erbgut moderner Menschen ihre Spuren hinterlassen. Wir Europäer tragen zum Beispiel rund zwei Prozent Neandertaler-DNA in uns, weil sich einige unserer Vorfahren mit Neandertalern paarten und Kinder zeugten.

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Turks Are Flocking to Tor After Government Orders Block of Anti-Censorship Tools

torTurkish internet users are flocking to Tor, the anonymizing and censorship-circumvention tool, after Turkey’s government blocked Twitter, Facebook, and YouTube.

By Lorenzo Franceschi-Bicchierai | MOTHERBOARD

Usage of Tor inside of Turkey went up from around 18,000 users to 25,000 users on Friday, when the government started blocking the popular social media networks, according to Tor’s official metrics. To prevent Turks from doing exactly that and connecting to the blocked sites through censorship-circumvention tools such as Tor and Virtual Private Networks (VPNs), the government took a step further and ordered internet providers to block those too.

This move seems to have affected the number of people connecting to the Tor network, as the numbers of reported users went down after Friday. But Tor offers an alternative method of connection precisely made for cases like this, called “bridge relays” or simply bridges. These make it harder for internet providers to know you’re using Tor, making it also harder, in turn, to stop you from using it.

Usage of Tor bridges has shoot up in the last few days in Turkey, according to Tor’s metrics.

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Bischof Meister: Luthers Judenhass fordert bis heute heraus

Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
500 Jahre nach der Reformation durch Martin Luther müssten sich die Kirchen auch mit den dunklen Seiten von Luthers Theologie auseinandersetzen, sagte der evangelische Bischof Ralf Meister im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Meister unterstützt eine Aktion, bei der in Hannover einer Luther-Statue die Augen verbunden werden sollen, um symbolisch an die Judenfeindschaft des Reformators zu erinnern.

Von Karen Miether | evangelisch.de

Luther eine Augenbinde anzulegen – was kann so eine Aktion bringen? 

Ralf Meister: Das ist eine starke symbolische Handlung, eine künstlerische Inszenierung, die Aufmerksamkeit erregen wird. Diese Geste fordert aber auch aktiv, die Beziehungen zu unseren jüdischen Geschwistern zu vertiefen.

Sie rufen zur kritischen Auseinandersetzung mit Luthers massiven Vorurteilen und polemischen Positionen zu den Juden auf. Wirkt sich sein Judenhass bis heute aus?

Meister: Schon Ihre Frage zeigt ja, dass das – in welcher Weise auch immer – der Fall ist. Heute zeigen wir uns lernfähig und kommentieren die Schriften Luthers zu den Juden sehr kritisch. Und die Kundgebung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland 2015 hatte den bezeichnenden Titel „Martin Luther und die Juden – Notwendige Erinnerung zum Reformationsjubiläum„. Für die Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit nächstes Jahr ist eine weitere Erklärung geplant. Zum Reformationsgedenken gehört eben auch die kritische Auseinandersetzung mit Luthers Schriften und den unsäglichen Wirkungen von Zitaten aus diesen während der Zeit des Nationalsozialismus.

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Deep Learning in der Naturwissenschaft

Bild: hyperverge.co
Bild: hyperverge.co
Ein KI-System soll auf der Grundlage bekannter Wirkstoffe Kandidaten für neue Medikamente vorschlagen. Damit ziehen neue Konzepte des Maschinenlernen jetzt auch in die naturwissenschaftliche Forschung ein.

Von Tom Simonite | Technology Review

Was kommt heraus, wenn man Aspirin mit Ibuprofen kreuzt? So genau weiß das Alán Aspuru-Guzik, Chemie-Professor an der Harvard University zwar auch nicht. Aber er hat Software darauf trainiert, ihm das zu verraten: Sie schlägt eine Molekularstruktur vor, die Eigenschaften der beiden Medikamente vereint.

Auf diese Weise könnte das Programm für Deep Learning die Suche nach neuen medizinischen Wirkstoffen beschleunigen. In der Pharmaforschung wird intensiv mit Software gearbeitet, die riesige Pools von Kandidaten durchforstet. Dazu nutzt sie von Chemikern geschriebene Regeln oder Simulationen, die nützliche Molekularstrukturen identifizieren oder voraussagen sollen. Bei den Regeln aber müssen Menschen enge Vorgaben machen, und Simulationen sind durch ihre Genauigkeit und die verfügbare Rechenleistung eingeschränkt.

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Das Netz des Abu Walaa

© dpa Abschluss monatelanger Ermittlungen: Spezialkräfte der Polizei in Hildesheim
© dpa Abschluss monatelanger Ermittlungen: Spezialkräfte der Polizei in Hildesheim
Mit Festnahme des radikalen Predigers und vier weiterer Männer ist der Polizei ein empfindlicher Schlag gegen die salafistische Szene gelungen. Ein Insider verriet, wie er auf den Einsatz beim IS vorbereitet wurde.

Von Reinhard Bingener, Reiner Burger | Frankfurter Allgemeine

Sehr erleichtert und sehr entschlossen schaut der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger drein, als er am frühen Dienstagnachmittag in der Düsseldorfer Staatskanzlei zu einer eilends einberufenen Pressekonferenz erscheint. „Uns ist ein empfindlicher Schlag gegen Chefideologen der salafistischen Szene in Deutschland gelungen“, sagt der Sozialdemokrat. „Es ist heute zum Abschluss gekommen, was über viele Monate in guter Zusammenarbeit der Landeskriminalämter in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und der Bundesanwaltschaft ermittelt wurde.“

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CERN stellt Daten ins Netz: Kernforschung für jedermann

Das CERN in Genf stellt seine Daten seit zwei Jahren öffentlich ins Netz. Mit den entsprechenden Physikkenntnissen ist die Plattform sehr einfach zu benutzen. (FABRICE COFFRINI / AFP)
Das CERN in Genf stellt seine Daten seit zwei Jahren öffentlich ins Netz. Mit den entsprechenden Physikkenntnissen ist die Plattform sehr einfach zu benutzen. (FABRICE COFFRINI / AFP)
Seit zwei Jahren stellt das europäische Kernforschungszentrum CERN bereits ausgewertete Daten und passende Analyse-Werkzeuge als „Open Data“, also zum allgemeinen Gebrauch, im Netz zur Verfügung. Das dient nicht nur der Dokumentation, sondern soll auch Wissenschaftlern und interessierten Laien weltweit weitere Forschung mit den Daten ermöglichen.

Von Anneke Meyer | Deutschlandfunk

„Der Computer ist jetzt wirklich langsam, also mal sehen.“ Der Computer verdaut gerade ein paar Terabyte Daten und reagiert dementsprechend langsam. Adrian Nassirpour tippt ein paar Befehle in die Kommandozeile, und nach kurzem Warten tauchen dann doch noch eine Handvoll Abbildungen auf:

„Wir haben es gerade geschafft, solche Abbildungen hier nachzustellen.“

Der Austauschstudent zeigt auf einige Graphen. Was aussieht wie nichtssagende Kurven, bietet Einblicke in die Eigenschaften der Bausteine, aus denen die Welt besteht: Elementarteilchen. Während seines Aufenthalts am Deutschen Elektronen Synchrotron in Hamburg, DESY, beschäftigt Adrian Nassirpour sich mit einem Phänomen, das bei der Streuung nach einem Teilchenzusammenstoß entsteht. Dem so genannten Ridge-Effekt.

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This 1000-Ton Turbine Will Harvest Tidal Energy to Power 500 Homes in Canada

image from Cape Sharp Tidal
image from Cape Sharp Tidal
The Bay of Fundy, on Canada’s East Coast, has famously strong tides. An incoming tide can pull 160 billion tonnes of seawater into the bay, with a vertical range of over 16 metres, and swift tidal currents. It has the highest recorded tides in the world.

By Kate Lunau | MOTHERBOARD

For a long time, green energy advocates have wanted to harness that powerful tide to produce energy, and now it’s happening.

On Monday, a massive, five-storey-tall turbine was installed on the seafloor, and over the next few days, workers will be hooking it up to the power grid via a subsea cable. It will be the first tidal array in North America connected to an electrical grid like this, and will eventually be able to power 500 houses.

Next year, another turbine will be installed. Together, they’ll produce four megawatts, enough to power 1,000 homes off the strength of the tides.

Tidal energy is a promising source of sustainable electricity, but not everybody’s happy about this project in Nova Scotia. Local fishers were so worried about its impact on marine life that they took the case to court, where they recently lost their bid to halt construction. (The judge said they hadn’t proven the risk of irreparable harm.) A spokesperson for the Bay of Fundy Inshore Fishermen’s Association told the CBC he was upset the turbine was deployed smack in the middle of lobster season, when many project opponents are away at sea.

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