Schriftstellerin Julia Franck: „Wir brauchen den säkularen Staat“


Julia Franck, deutsche Schriftstellerin aus Berlin (dpa / Foto: Erwin Elsner)
Julia Franck, deutsche Schriftstellerin aus Berlin (dpa / Foto: Erwin Elsner)
Die Schriftstellerin Julia Franck spricht sich für mehr Religionskritik aus. „Nur ein säkularer Staat, der keine der Religionen finanziell oder ideologisch befördert, kann der Gefahr des Fundamentalismus entgegenwirken“, sagte die Autorin im Deutschlandfunk. Religionskritik müsse geprägt sein von „gegenseitiger Achtung“.
 

Julia Franck im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main. Nicht jeder muss sie kennen, aber viele, sehr viele haben Julia Franck gelesen. Sie ist eine der renommiertesten, erfolgreichsten Schriftstellerinnen – zumindest ihrer Generation. Ihr Roman „Die Mittagsfrau“ wurde über eine Millionen Mal verkauft und ist in fast 40 Sprachen übersetzt. Es geht jetzt hier aber nicht um Literatur, sondern um Religion. Hier und heute im Gespräch mit Julia Franck. Und weil Religion eine sensible Angelegenheit ist und Julia Franck nicht zu jenen Schriftstellern gehört, die in guter, alter Günter-Grass-Manier zu allem und jeden was sagen – aus diesem Grund zeichnen wir dieses Gespräch auf, sitzen uns hier gegenüber in unserem Berliner Funkhaus. Guten Morgen, Julia Franck!

Julia Franck: Schönen guten Morgen, Herr Main.

Main: Frau Franck, lassen Sie uns mit einer fiesen Frage beginnen. Sie sind eher zurückhaltend, was Interviews betrifft. Warum haben Sie ausgerechnet zu einem Gespräch zugesagt, in dem es um etwas so Heikles geht wie die Religion?

Franck: Vielleicht gerade deshalb. Ich denke, nicht nur wenn wir Kinder haben, auch in der Weise, wie wir aufgewachsen sind hier in Mitteleuropa, in Deutschland, ganz gleich ob im Osten oder im Westen, spielt die Religion immer auch eine Rolle in unserer Vorstellung und Geschichtserzählung von uns selbst, wie wir geworden sind, woher wir kommen, wohin wir gehen werden oder wollen. Und zwar nicht nur in Bezug auf die wirklich religiösen Inhalte, nicht in Bezug auf Rituale und Glaube, sondern natürlich auch in Bezug auf Moral und Ethik, wie ein Zusammenleben in unserer Gesellschaft funktionieren kann. Und das ist traditionell in allen abendländischen Kulturen nicht nur staatlich gelenkt, sondern der Staat hat den Auftrag, das Religiöse in sich zu akzeptieren und seinen Raum zu lassen.

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