Türkei: „Kein Platz für Menschen, die anders sind“

 Als Angehörige der aramäischen Minderheit war die gelernte Bankwirtin Februniye Akyol die einzige christliche Bürgermeisterin der Türkei Quelle: Deniz Yücel/DIE WELT
Als Angehörige der aramäischen Minderheit war die gelernte Bankwirtin Februniye Akyol die einzige christliche Bürgermeisterin der Türkei Quelle: Deniz Yücel/DIE WELT
Die einzige christliche Bürgermeisterin der Türkei, Februniye Akyol, wurde zwangsweise abgesetzt – wegen angeblicher Kontakte zur kurdischen PKK. Sie erzählt, was wirklich hinter den Vorwürfen steckt.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Die Türkei im Ausnahmezustand: Seit dem Putschversuch wurden zehn Abgeordnete der prokurdischen HDP, darunter die beiden Vorsitzenden Selahattin Demirtas und Figen Yüksekdag, verhaftet. Zudem wurden in 34 der 106 von der HDP geführten kommunalen Verwaltungen die gewählten Bürgermeister durch staatliche Zwangsverwalter ersetzt.

Nach der türkisch-kurdischen Metropole Diyarbakir traf es nun die Großstädte Van und Mardin. Die 28-jährige Februniye Akyol war gemeinsam mit Ahmet Türk, einem der prominentesten kurdischen Politiker des Landes, Oberbürgermeister von Mardin. Als Angehörige der aramäischen Minderheit war die gelernte Bankwirtin zugleich die einzige christliche Bürgermeisterin der Türkei.

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Wittenberger Thesentür beschmiert – Hakenkreuz auf Vorplatz

Unbekannte haben in der Nacht zu Sonntag die legendäre Thesentür der Schlosskirche in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) mit blauer Farbe beschmiert. Zudem wurden Teile des Vorplatzes des Kirchenportals unter anderem mit einem blauen Hakenkreuz verunstaltet, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost am Sonntag in Dessau-Roßlau bestätigte. An die Kirchentür soll der Reformator Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit genagelt haben.

evangelisch.de

Die Schmierereien seien mittlerweile entfernt worden, sagte der Polizei-Sprecher. Wegen des Hakenkreuzes habe der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Einen derartigen Angriff auf diesen symbolträchtigen Ort habe es bislang nicht gegeben. Anfang November hatte ein dänischer Performance-Künstler mit einem Nacktauftritt an der mit einem Gitter geschützten Kirchentür für Aufsehen gesorgt. Nur mit Schal und bunten Socken bekleidet klebte er seinen Penis an die Thesentür und rezitierte dabei das Luther-Zitat: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Gegen ihn wird wegen des Verdachts exhibitionistischer Handlungen sowie Hausfriedensbruchs ermittelt.

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Jan Hus – als Ketzer verbrannt

Jan Hus – ein Holzschnitt, erst später gefärbt. (Bild: akg-images)
Jan Hus – ein Holzschnitt, erst später gefärbt. (Bild: akg-images)
Seine Überzeugungskraft hat Jan Hus selbst auf dem Weg zum Scheiterhaufen nicht verloren. Als er im Jahr 1414 von Böhmen aus nach Konstanz unterwegs war, zu jenem Konzil, das ihm verhängnisvoll werden sollte, schrieb er täglich seine Erlebnisse auf.
 

Von Kilian Kirchgeßner | EKD

Im bayerischen Sulzbach, wo er Station machte, notierte er: „Daselbst im Laubengange sprach ich zu den Ratsherren und älteren Beisitzern: Sehet, ich bin Magister Jan Hus, von dem Ihr, wie ich meine, viel Schändliches gehöret; so fraget mich denn.“ Tag für Tag führte er solche Diskussionen, warb für seine Ideen.

In allen Orten entlang seiner Route wurde er von Menschenmengen erwartet und angestaunt – einen leibhaftigen Ketzer, wie man den böhmischen Reformator bezeichnete, bekamen die Menschen nur selten zu Gesicht. In den Diskussionen, die er auf seiner Reise führte, zeigte sich noch am Schluss seines Lebens die vermutlich prägendste seiner Eigenschaften: die Streitbarkeit. Jan Hus war kein Aufrührer, kein Rebell, sondern ein Gelehrter. Als solcher war er eine der wichtigsten Figuren in der Vorreformation und ein direkter Wegbereiter für Martin Luther, der ein Jahrhundert später viele von Hus‘ Gedanken aufgreifen sollte.

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Herfried Münkler: „Große Teile des Volkes sind dumm“

Herfried Münkler (picture alliance/ dpa/ Revierfoto)
Herfried Münkler (picture alliance/ dpa/ Revierfoto)
Wenn Herfried Münkler ein Defizit anprangert, gehört für ihn gleichzeitig eine Lösungsempfehlung dazu: Einigen Teilen des Volkes fehle ein bestimmtes Wissen über politische Prozesse, sagt er. Darum müssten die Eliten dafür sorgen, mit ihrem Wissen diese Gruppe zu unterstützen, so der Publizist.

Moderation: Susanne Führer | Deutschlandradio Kultur

Nicht zufällig gehörte die rechtsnationale Politikerin Marine Le Pen zu den ersten, die Donald Trump zu seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl in den USA gratulierten. Weltweit scheint der Populismus auf der Erfolgsspur. Lässt sich daraus auf ein Versagen der bisherigen Eliten schließen? Nicht automatisch, meint der Politikwissenschaftler Herfried Münkler.

Man müsse anerkennen, dass es große Teile des Volkes gebe, „die sind nicht besonders informiert, geben sich auch keine Mühe, glauben aber dafür umso besser genau zu wissen, was der Fall ist. Also: sie sind dumm.“ Das heiße aber nicht, dass man sie nicht klüger machen könne. Und das sei die Aufgabe der Eliten.

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Strafzahlung: „Die Partei“ verklagt den Bundestag

© dpa Martin Sonneborn
© dpa Martin Sonneborn
Eine Spaßpartei nutzt ein Schlupfloch und profitiert von hohen Zuschüssen. Doch nach einem Bescheid der Bundestagsverwaltung steht „Die Partei“ des Satirikers Martin Sonneborn vor dem Ruin.

Frankfurter Allgemeine

Im Streit um Zuschüsse des Bundes hat „Die Partei“ Klage gegen die Bundestagsverwaltung eingereicht. Der Bundestag verlangt von der Satirepartei rund 72.000 Euro an Zuschüssen zurück und hat obendrein eine Strafzahlung von rund 384.000 Euro gegen sie erlassen. „Das würde uns ruinieren“, sagte Parteichef und Satiriker Martin Sonneborn der Deutschen Presse-Agentur. Die Bundestagsverwaltung bestätigte den Eingang der Klage. Zu laufenden Verfahren gebe es keine Stellungnahme, teilte eine Sprecherin mit.

Hintergrund ist eine „Geld kaufen“-Aktion Ende 2014: Für einen Preis von 105 Euro hatte die Partei 100 Euro in bar und zwei Postkarten angeboten. Rund 200.000 Euro Umsatz machte die Partei mit ihrer Aktion. Nach eigenen Angaben wollte sie so von höherer Förderung profitieren: Parteien erhalten für Wahlerfolge und Spenden Zuschüsse des Bundes, die allerdings gedeckelt sind.

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Kirche in Not: Religiöser Fundamentalismus ist verbreitet wie noch nie

Katholiban "Großstadt-Mission" in elf Städten Europas

Das katholische Hilfswerk warnt vor „islamistischem Hyper-Extremismus“ mit grausamer Behandlung der Opfer, etwa die Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leibe, Kreuzigungen und das Herabstürzen von hohen Gebäuden

kath.net

Der religiöse Fundamentalismus ist so verbreitet wie noch nie. Er tötet, zerstört und macht Menschen in einem nie dagewesenen Ausmaß heimatlos. Das geht aus dem „Bericht zur Religionsfreiheit weltweit 2016“ des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (München) hervor. Im Vergleich zum vorigen Bericht 2014 habe sich die Situation hinsichtlich der Religionsfreiheit in 14 Ländern – darunter Niger, Pakistan, Indonesien und Libyen – deutlich verschlechtert. Die Organisation warnt ferner vor einem „islamistischen Hyper-Extremismus“. Zu dessen zentralen Merkmalen gehörten systematische Versuche, alle andersdenkenden Gruppen zu verjagen, eine beispiellos grausame Behandlung der Opfer – etwa die Verbrennung von Menschen bei lebendigem Leibe, Kreuzigungen und das Herabstürzen von hohen Gebäuden –, ein globales Agieren und der effiziente Einsatz der sozialen Medien, um Anhänger zu rekrutieren. In den vergangenen zwei Jahren habe es in jedem fünften Land der Welt mindestens einen gewalttätigen islamistischen Anschlag gegeben: „In Teilen des Nahen Ostens, darunter in Syrien und im Irak, zerstört der Hyper-Extremismus jegliche religiöse Vielfalt.“ Dieselbe Gefahr drohe auch in Teilen Afrikas und Asiens. Laut dem Bericht sind es häufig nicht die Regierungen, die Schuld an religiöser Verfolgung tragen. In zwölf der 23 Länder mit den schwerwiegendsten Verstößen gegen die Religionsfreiheit seien „nichtstaatliche Akteure“ dafür verantwortlich.

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Nazi-Chic: Asiens Hitler-Fetisch

foto: ap/butler Harry der Nazi: der Spross des britischen Königshauses sorgte mit seinem Auftritt bei einer Kostümparty für Schlagzeilen. In manchen asiatischen Ländern würde er in dem Outfit nicht negativ auffallen.
foto: ap/butler Harry der Nazi: der Spross des britischen Königshauses sorgte mit seinem Auftritt bei einer Kostümparty für Schlagzeilen. In manchen asiatischen Ländern würde er in dem Outfit nicht negativ auffallen.
In manchen Ländern wird mit dem Thema Hitler ein salopper Umgang gepflegt – Dabei geht es keineswegs um Ideologie, sondern um eine Pop-Kultur mit bizarren Auswüchsen

Von Michael Vosatka | derStandard.at

Der Hitler-Vergleich ist weltweit ein beliebtes Instrument im politischen Diskurs. Die Zahl der Konflikte ist schier unendlich, in denen ein Teilnehmer einen Kontrahenten auf die eine oder andere Weise mit der Nazi-Ideologie in Verbindung bringt, um ihn mit einem Totschlagargument zu diskreditieren.

Doch während es in Europa normalerweise Ächtung und Ausgrenzung bedeutet, wenn man als Nazi abgestempelt ist, dient außerhalb Europas der Vergleich nicht immer der Diskreditierung eines Gegners. In manchen Gegenden der Welt werden Hitler und Nationalsozialismus völlig emotionslos gesehen, dort ist den Menschen die eigene Geschichte der Kolonial- und Diktaturverbrechen meist näher als eine europäische Gewaltherrschaft vor mehr als siebzig Jahren. Für in Europa sozialisierte Menschen ist dies oftmals schwer nachvollziehbar und unverständlich. In Südostasien jedoch führt eine Mischung aus mangelndem historischen Bewusstsein, fehlender Bildung und Gleichgültigkeit gegenüber Sensibilitäten und Tabus anderer zu einem popkulturellen Phänomen: dem Nazi-Chic.

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Kauder will härtere Regulierung für Facebook und Co.

Volker Kauder: Nichts ist wichtiger als Religion (= Christentum)

Die Betreiber von Internetplattformen halten sich zu wenig an geltendes Recht im Kampf gegen Hass und Lügen, meint der Unionsfraktionschef. „Es muss gehandelt werden“, schreibt Volker Kauder.

DER TAGESSPIEGEL

Unionsfraktionschef Volker Kauder verlangt von den Betreibern von Internetplattformen ein schärferes Vorgehen gegen Hass und Lügen im Netz. Die Betreiber von Facebook, Youtube und anderen Plattformen müssten stärker in die Pflicht genommen und notfalls mit Bußgeldern belegt werden. „Sie haben über Jahre ihre gesetzlichen Pflichten eklatant vernachlässigt“, schreibt der CDU-Politiker in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag„.

Die Bundesregierung sei seit langer Zeit im Dialog mit den Plattformbetreibern. Dabei gehe es um nichts anderes als die Einhaltung geltenden Rechts. „Der Worte sind genug gewechselt. Es muss gehandelt werden“, schreibt Kauder weiter. „Wir müssen dafür sorgen, dass das Recht auch in den sozialen Medien gilt. An Rechtsverschärfungen wird kein Weg vorbeigehen.“

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50 Millionen: Weltweit so viele Kinder auf der Flucht wie noch nie

Bild:connistefanski/FB
Bild:connistefanski/FB
28 Millionen Kinder mussten wegen Konflikten und Kriegen ihre Heimat verlassen. Fast 385 Millionen Kinder leben in extremer Armut
 

derStandard.at

Anlässlich des Internationalen Tages der Kinderrechte hat das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF daran erinnert, dass immer mehr Kinder durch Konflikte und extreme Wetterbedingungen ihre Heimat verlassen müssten. Noch nie seien weltweit so viele Kinder auf der Flucht gewesen wie im Jahr 2016, so UNICEF in einer Aussendung. 2,3 Millionen syrische Mädchen und Buben seien bereits geflohen.

Fast 50 Millionen Kinder weltweit sind von ihrem Zuhause entwurzelt – 28 Millionen davon mussten aufgrund von Konflikten und Kriegen flüchten. Und die Zahl der Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, steigt weiter an. Insgesamt lebt rund eines von neun Kindern weltweit in Krisenregionen. Kinder in belagerten Gebieten wie in Syrien, dem Irak und dem Norden von Nigeria seien außerdem häufig Kinderrechtsverstößen ausgesetzt, so UNICEF. Oft sind ihre Schulen, Krankenhäuser und ihr Zuhause unter Beschuss.

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Heimkinder in Deutschland für Medikamententests missbraucht

 Ralf Aust als etwa zwölfjähriges Kind vor einem Gebäude des Franz Saales Hauses in Essen. Gut möglich, dass auch der heute 63-Jährige Versuchsobjekt von Medikamententests war. © Aust/DPA
Ralf Aust als etwa zwölfjähriges Kind vor einem Gebäude des Franz Saales Hauses in Essen. Gut möglich, dass auch der heute 63-Jährige Versuchsobjekt von Medikamententests war. © Aust/DPA
Schläge, sexueller Missbrauch, seelische Gewalt. In den vergangenen Jahren kam das tausendfache Leiden von Heimkindern in der Nachkriegszeit ans Licht. Nun zeigt sich: Es gab auch massenhaft Medikamentenversuche.

stern.de

Ralf Aust erinnert sich noch daran, dass es Probleme in der Schule gab. Mit elf Jahren kam er dann nach Essen ins Heim. Die Eltern durften ihn zwei Stunden im Monat sehen. Über 50 Jahre später schwingen bei dem 63-Jährigen Wut und Verbitterung mit. Er hat viel geweint damals – geweint und gebrüllt, wie viele andere Kinder auch.

„Nach dem Mittagessen mussten wir uns hintereinander aufstellen, die Hand aufhalten und bekamen eine Tablette. Die mussten wir schlucken und hinterher den Mund aufmachen und zeigen, dass sie weg ist.“ Bei Kindern, die sich weigerten, habe die Schwester mit ihrem Finger nachgeholfen, bis in den Rachen. Anschließend war Ruhe. Mit dem Kopf auf verschränkten Armen auf dem Tisch seien sie eingeschlafen. Ob er im Essener Franz Sales Haus Versuchsobjekt von Medikamententests war – er weiß es nicht.

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Postfaktisches Zeitalter – Darauf einen Bommerlunder

Bild: bb
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„Postfaktisch“ ist ein Begriff, der derzeit in den Medien landauf landab zu hören ist. Die Moderatoren der großen Polit-Talkshows gebrauchen ihn so genüsslich wie ein Kind, das sich über ein besonders tolles Weihnachtsgeschenk freut.

Von Marcus Klöckner | TELEPOLIS

Die Kommentatoren in den großen Medien verwenden ihn mit dem Gestus der Bedeutungsschwangerschaft, so als stünde alleine schon durch den Gebrauch des Wortes die Entdeckung der Weltformel kurz bevor. Anders gesagt: Wer derzeit „dazu“ gehören will, der spricht von „postfaktisch“, von der postfaktischen Zeit oder – ganz großes Tennis – vom postfaktischen Zeitalter. Aber leben wir tatsächlich in einer Zeit, in der Fakten keine Rolle mehr spielen?

Zugegeben: Das klingt alles gar nicht so schlecht. Nein, es klingt sogar ziemlich gut. Wer von der postfaktischen Zeit spricht, hört sich nicht so an, als habe er die Schule frühzeitig verlassen. Wer vom postfaktischen Zeitalter spricht, von dem darf man erwarten: Er hat Bildung genossen und verfügt deshalb wohl über das, was man bisweilen als „Durchblick“ bezeichnet. Und das ist heute, also in einer Zeit, in der jeder öffentlich alles sagen kann und darf (welch ein unerträglicher Zustand), was ihm gerade so durch die „Großhirnrinde zuckt“ (Rupert Lay), von großem Wert.

Schließlich brauchen die Menschen „Orientierung“‚, sie brauchen kluge Analysten, die in der Lage sind, die „komplexen Verhältnisse“ auch sprachlich auf den Punkt zu bringen. Denn: Ist es nicht so, dass durch Benennung Klarheit geschaffen wird? Ist es nicht so, dass Orientierung dringend nötig ist, wenn die „Nebelkerzenwerfer“, die „Vereinfacher der Wahrheit“ und „Apokalyptiker“ ihren Auftritt haben?

Mit diesem kleinen Aufriss, der nicht frei von Ironie ist, befinden wir uns inmitten jenes Schlachtfeldes im Bereich der Sprache, auf dem gegenwärtig um Deutungshoheiten gekämpft wird.

Postfaktisch ist ein Begriff, an dem sich sehr gut ablesen lässt, wie gesellschaftliche Akteure mit Hilfe sprachlicher Benennungsmacht versuchen, die nach ihren Wünschen definierten Grenzen der Diskussion weiter zu bestimmen.

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„Russen“, die Ossis unter den Juden

Jüdisches Leben in der Synagoge in der Berliner Rykestraße.Foto: picture-alliance/ dpa
Jüdisches Leben in der Synagoge in der Berliner Rykestraße.Foto: picture-alliance/ dpa
Wer ist schuld, wenn es in den jüdischen Gemeinden undemokratisch oder islamfeindlich zugeht? Natürlich Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Liebe Alteingesessene, legt eure Vorurteile ab!

Von Dmitrij Belkin | DER TAGESSPIEGEL

Jüdische Vielfalt ist in Deutschland angesagt, alle preisen sie. Besonders die Berliner Community wird für ihre Internationalität gelobt: Nicht nur Israelis finden sich hier, auch jüdische Amerikaner, Franzosen, Kanadier. Nur über eine jüdische Gruppe hört man selten Gutes: über „die Russen“. Sie gelten nicht als Teil der bunten Vielfalt, sondern als graue Einheitstruppe.

Kommt es bei Wahlen in der zerrissenen Jüdischen Gemeinde Berlins zu Unregelmäßigkeiten, sind sofort „die Russen“ schuld, aus denen einfach keine Demokraten zu machen seien. Kochen unter den in Deutschland lebenden Juden Ängste vor dem angeblichen oder tatsächlichen Antisemitismus muslimischer Flüchtlinge hoch, heißt es schnell, das seien allein die Ängste „der Russen“, denen das Fremdenfeindliche nicht auszutreiben sei. Sie sind so etwas wie Trump, Erdogan und Putin in einem: ein politischer Blitzableiter.

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Türken protestieren gegen Sextäter-Gesetz

 In der Türkei gehen Tausende Menschen gegen ein neues Gesetz auf die Straße Quelle: dpa/EPA
In der Türkei gehen Tausende Menschen gegen ein neues Gesetz auf die Straße Quelle: dpa/EPA
Nach einem Gesetzentwurf sollen Sexualstraftäter einer Strafe entgehen, wenn sie ihr minderjähriges Opfer heiraten. In Istanbul gingen am Samstag 3000 Menschen auf die Straße, um gegen das Vorhaben zu protestieren. Der türkische Justizminister Bekir Bozdag verteidigte das Gesetz: Es gehe dabei um den „Schutz von Kindern“.

DIE WELT

Ein Gesetzentwurf der türkischen Regierung, der in Einzelfällen Straffreiheit nach sexueller Gewalt gegen Minderjährige vorsieht, trifft auf breiten Widerstand. In Istanbul gingen am Samstag 3000 Menschen auf die Straße, um gegen das Vorhaben zu protestieren. „Zieht den Gesetzentwurf sofort zurück“, riefen die Demonstranten, unter ihnen Frauen und Kinder. Kritik kam auch vom UN-Kinderhilfswerk Unicef.

„Wir werden nicht den Mund halten. Wir werden nicht gehorchen“, skandierten die Teilnehmer der Kundgebung im Istanbuler Stadtteil Kadiköy. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die regierende AKP „Vergewaltiger in diesem Land freispricht und freilässt“, sagte eine Demonstrantin. Ein anderer Teilnehmer der Protestaktion erklärte, er sorge sich um die Zukunft seiner 14-jährigen Tochter. Auf Bannern waren Parolen wie „Vergewaltigung kann nicht legalisiert werden“ zu lesen.

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Türkische Regierung verteidigt Sextäter-Gesetz

Bild: APA/CHRISTOPHER GLANZL
Bild: APA/CHRISTOPHER GLANZL
Frauenrechtler kritisierten, dass der Gesetzesvorschlag eine Amnestie für Straftäter bedeute. Heiratet der Täter nämlich sein Opfer, dann kann die Vollstreckung der Strafe aufgehoben werden.

Die Presse.com

Trotz wachsender Proteste hat die türkische Regierung einen Gesetzesvorschlag verteidigt, demzufolge sexuelle Straftäter einer Strafe entgehen könnten, wenn sie ihr minderjähriges Opfer heiraten. Justizminister Bekir Bozdag sagte am Samstag einem Bericht der Nachrichtenagentur Dogan zufolge, das Gesetz wolle rechtliche Probleme bei Kinderehen lösen und sei keine Amnestie für Vergewaltiger.

Am Freitag war der Gesetzesentwurf der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP bekannt geworden. Nach übereinstimmenden Medienberichten sieht der Entwurf vor, dass die Vollstreckung der Strafe verschoben werden kann, wenn der Täter sein Opfer heiratet und der sexuelle Missbrauch vor dem 16. November 2016 stattgefunden hat. Dabei dürfe es bei dem sexuellen Missbrauch nicht zu „Gewalt“ oder „Drohungen“ gekommen sein oder gegen den Willen des Kindes gehandelt worden sein.

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Papst Franz: Feindeslogik macht sich unbemerkt breit

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat 17 neue Kardinäle ernannt. Der Papst warnte dabei: Die Gefahr, fremde Menschen als Bedrohung einzustufen, bestehe auch innerhalb der Kirche.
 

Frankfurter Allgemeine

Papst Franziskus hat 17 kirchliche Würdenträger aus fünf Kontinenten zu Kardinälen ernannt. Am Samstag setzte er den neuen Kardinälen im Petersdom als Zeichen ihrer Würde das Birett, einen roten viereckigen Hut, aufs Haupt und steckte ihnen einen Ring an. Die neuen Kardinäle schworen dem Papst und der Kirche vor dem gesamten Kardinalskollegium Treue und Gehorsam.

Anders als bei früheren Konsistorien nahm der emeritierte Papst Benedikt XVI. (2005-2013) nicht an der Zeremonie teil. Papst Franziskus und die neuen Kardinäle wollten den 89-Jährigen im Anschluss besuchen.

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NSA, BND und die unendliche „Spiegel-Affäre“

Wer weiß was von wem? Radarkuppeln auf dem Gelände der Abhörstation des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Bad Aibling (Bayern).Foto: Angelika Warmuth/dpa
Wer weiß was von wem? Radarkuppeln auf dem Gelände der Abhörstation des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Bad Aibling (Bayern).Foto: Angelika Warmuth/dpa
Das Transparenz keine Sache der Geheimen ist, wurde in Sachen NSA gerade geklärt. Die Selektorenliste bleibt geheim. Eine Spitzelliste des BND aus den 1960er Jahre auch. Seltsam. Ein Kommentar.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Mit Suchbegriffen, so genannten Selektoren, gehen die Geheimdienste auf Terroristenfang in der Unendlichkeit digitaler Datenströme. Die Netz-Spionage ist eine ihrer wesentlichen Aufgaben geworden. Vom amerikanische NSA und dem deutschen Bundesnachrichtendienst ist bekannt, dass sie dabei über die Stränge schlugen. Gerne hätte man gewusst, wie. Aber das bleibt nun im Dunkeln. Die Opposition hatte auf Einsicht in die umstrittene Selektorenliste geklagt, mit denen die NSA auch Deutsche und EU-Institutionen ausforschen ließ. Wenigstens der Untersuchungsausschuss sollte die Details kennen. Doch die Regierung verweigerte das zurecht, urteilte jetzt das Bundesverfassungsgericht.

Die Entscheidung hat einige Kritik auf sich gezogen. Ein Rückschlag für die Aufklärung der Affäre, hieß es, weil die Richter sich auf das Staatswohl beriefen und die geheime Partnerschaft zwischen NSA und BND für sakrosankt erklärten.

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Inselstaat Fidschi lädt Klima-Skeptiker Trump ein

Der vom Klimawandel besonders betroffene Inselstaat Fidschi hat Donald Trump gebeten, der Insel einen Besuch abzustatten. Die Republik wird vom steigenden Meeresspiegel bedroht.

Neue Zürcher Zeitung

Die von der Erderwärmung bedrohte Inselrepublik Fidschi hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump zum Besuch eingeladen. «Ich erneuere mein Angebot an den designierten Präsidenten Trump, die Folgen des Klimawandels selbst in Augenschein zu nehmen», sagte Regierungschef Frank Bainimarama am Freitag zum Abschluss der Klimakonferenz Marrakesch.

Trump bezweifelt den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt und hat für einen Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen geworben. Fidschi übernimmt die Präsidentschaft der nächsten Klimakonferenz, die im November 2017 in Bonn stattfinden soll. Konferenzchef wird Premier Bainimarama.

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Der Schwindel um Nitrat im Grundwasser

Die Landwirtschaft wird vor allem für die steigende Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich gemacht. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Die Landwirtschaft wird vor allem für die steigende Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich gemacht. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Verseuchen Gülle und Kunstdünger deutsches Grundwasser? Eine Klage der EU-Kommission legt das nahe. Lebensmittelchemiker Udo Pollmer kann darüber aber nur den Kopf schütteln.
 

Deutschlandradio Kultur

Folgt man den Berichten im Fernsehen, dann droht uns allen Ungemach durch die Gülle, die in den Ställen anfällt. Denn diese „verseucht“ angeblich unser Trinkwasser mit Nitrat. Nitrat ist laut ZDF noch dazu „krebserregend“. Zu dumm nur, dass auch im Gemüse reichlich Nitrat steckt, oft 10mal, ja manchmal 100mal so viel wie im Trinkwasser. Demnach wären Kopfsalat, Rucola und Grünkohl eine Krebsgefahr ersten Ranges. Unter uns: Das Krebsrisiko basierte auf einer ursprünglich vernünftigen Theorie um das Jahr 1980, aber die hat sich mittlerweile als gegenstandslos erwiesen. Deshalb können Sie Ihr Gemüse trotz Nitrat mit Wohlbehagen vertilgen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Rohwasser, das die Wasserwerke fördern, ist kein kristallklares Nass, das aus Grotten sprudelt, in denen Ökozwerge über die Reinhaltung der Quellen wachen, sondern oft eine trübe, schwermetallhaltige, stinkende Rostbrühe. Bei der Aufbereitung wird der nach Stinkbomben riechende Schwefelwasserstoff entfernt, dann Mangan und Eisen. Wasser kann prinzipiell all das enthalten, was auch die Bergleute aus der Tiefe fördern, wie Erze, Schwefel oder Cadmium.

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Gestern Europa und morgen die ganze Welt?

US-Präsident Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Abschiedsbesuch. Bild: Weißes Haus
US-Präsident Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Abschiedsbesuch. Bild: Weißes Haus
Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten verführt Deutschlands Funktionseliten dazu, globale Führungsansprüche anzumelden.
 

Von Tomas Konicz | TELEPOLIS

It’s a dirty job but someone’s gotta do it. Wenn es um die Führung der „freien Welt“ geht, dann tut man in Deutschlands Redaktionsstuben gerne so, als ob man sich widerwillig höheren Sachzwängen beugen müsste.

Angela Merkel werde nach dem Wahlsieg Donald Trumps praktisch genötigt, als „Anführerin“ des Westens zu agieren, jammerte Die Zeit auf ihrer Internetpräsenz. Die New York Times (NYT) habe Merkel als die „letzte Verteidigerin des liberalen Westens“ bezeichnet. Merkel müsse den Westen führen, hieße es in vielen Kommentaren „dies- und jenseits des Atlantiks“, wobei es eher darum gehen müsste, denn Westen zu „retten“.

Ganz ähnlich betitelte Spiegel-Online den Abschiedsbesuch des scheidenden US-Präsidenten bei Angela Merkel, der als ein Treffen der „Verteidiger der freien Welt“ bezeichnet wurde. Die noch etwas unbeholfene, an eine Realsatire grenzende Übernahme der hohlen Floskeln, mit denen die USA jahrzehntelang ihre blutigen Interventionskriege legitimierten, deutet auf die ideologische Intention solcher Hofberichterstattung. Die Visite Obamas in Berlin soll als eine Art Wachübergabe inszeniert werden. Die abgetakelte Hegemonialmacht USA übergibt die Rolle des westlichen Weltpolizisten ausgerechnet an die Bundesrepublik.

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The Only Faces Men Recognize Better Than Women Are Transformers

If you know the difference between the steely-eyed expression on Optimus Prime’s robot-face, and the vaguely innocent wide-eyed look of Bumblebee, you likely grew up with them, and since Transformers are traditionally toys for boys, you’re likely male.

By Samantha Cole | MOTHERBOARD

In most cases, women are better at recognizing faces, but when it comes to Transformer faces, it seems that childhood experience has finally given men the edge in in facial recognition.

Men tend to be better than women at this highly useful and totally not-absurd skill, according to a new study from Vanderbilt University published in Vision Research, which tested people’s ability to recognize the faces of familiar childhood toys.

“This is the first category of faces where men do better than women,” lead researcher Isabel Gauthier said. All previous research has shown that women are better than men at facial recognition in general, or that there isn’t a difference between genders in how they recognize faces.

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