Warum sich die Kirchen dem Islam unterwerfen


REUTERS/Yves Herman
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Michael Wolfssohn fragt, ob Juden wie er die letzten Verteidiger des Christentums seien. Leser M.E.S. ergänzt: „Nicht nur die Juden müssen bald die Bewahrer des Christentums sein, sondern auch die aus den Kirchen Ausgetretenen.“

Von Ingrid Ansari | TICHYS EINBLICK

“Warum sind die christlichen Kirchenvertreter, allen voran ihre ‘Chefs’, plötzlich so ‘unchristlich’?” fragt Leser Walter Eiden. Bezug nehmend auf meinen Text “Das Reformationsjubiläum und die Unterwerfung der Kirchen unter den Islam” vom 19. November erhielt ich viele hoch interessante, gedankenreiche und auch leidenschaftliche Leserkommentare. Der Austausch mit den Lesern ist bei Tichys Einblick immer sehr anregend und motivierend für weiteres Nachdenken. Walter Eiden und Alfred E. vermissen z.B. zu Recht einen Ansatz auf die Frage WARUM sich die Kirchen so verhalten. Viele andere Beiträge suchen selber nach Gründen.

Der Großinquisitor

Doch bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich gerne auf einen Text von Fjodor Dostojewskij Bezug nehmen, der mir bei Fragen der christlichen Religion immer wieder in den Sinn kommt und vielleicht parabelhaft einige Antworten in sich trägt. Es handelt sich um ein Kapitel aus dem Roman “Die Brüder Karamasow” mit dem Titel “Der Großinquisitor”.

Diese Binnenerzählung des großen Romans handelt davon, dass Jesus im Sevilla des 16. Jahrhunderts auf die Erde zurückkehrt. Es ist das Zeitalter der Inquisition: Hunderte von Ketzern werden unter Qualen hingerichtet. Obwohl Jesus kaum spricht, erkennen ihn die Menschen. Doch schließlich wird auch der greise Großinquisitor auf ihn aufmerksam und lässt ihn in den Kerker werfen – mit der Absicht, ihn am nächsten Morgen auf dem Scheiterhaufen verbrennen zu lassen. In einem nächtlichen Monolog teilt er Jesus mit, dass dieser kein Recht gehabt habe, die weltliche Macht, die ihm einst der Satan angeboten hatte, zurückzuweisen und somit dem Einzelnen eine Freiheit zuzumuten, die dieser nicht zu tragen vermöge, weil er unmündig und wankelmütig sei. Es läge in der Natur des Menschen, sich unterzuordnen. Und es sei daher die Aufgabe der Kirche, dem Menschen die ihm von Christus zugemutete Freiheit wieder zu nehmen und sein an sich chaotisches Leben für ihn – unter Androhung und Ausübung von drastischen Mitteln bis zur Gewalt – zu ordnen. Die römisch-katholische Kirche habe sich diese Bürde zum Wohle der Menschen wissentlich auf die Schultern geladen. – Daraufhin verlässt Jesus schweigend den Kerker – mit der Anweisung des Großinquisitors, niemals wiederzukommen.

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