Die Erfindung des Terrorismus


Bild: heise.de/tp
Bild: heise.de/tp
In ihrem Buch Die Erfindung des Terrorismus in Europa, Russland und den USA 1858-1866 schildert die Historikerin Carola Dietze wie sich dieses Phänomen im 19. Jahrhundert binnen weniger Jahre etablierte. Aus welchen Gründen kam es dazu? Telepolis fragte dazu die Autorin.

Von Reinhard Jellen | TELEPOLIS

Frau Dietze, inwiefern handelt es sich beim Terrorismus um eine Erfindung?
Carola Dietze: Es gibt nicht nur technische, sondern auch kulturelle, soziale und psychologische Erfindungen. Dieser Gedanke findet sich vor allem bei Soziologen, deren Konzepte auf der philosophischen Anthropologie aufbauen, oder auch bei dem amerikanischen Soziologen Talcott Parsons. Die Überlegung geht dahin, dass nicht nur technische Erfindungen das Leben der Menschheit und ihre Geschichte verändert haben, sondern auch kulturelle Erfindungen wie etwa Mythos, Kunst und Religion, soziale Erfindungen wie etwa Eigentum und Erbschaft oder psychologische Erfindungen wie die Askese, der Rausch und die Traumdeutung. All diese Konzepte oder Praktiken hat es nicht von Anbeginn der Geschichte an gegeben, sondern sie sind irgendwann einmal erfunden worden.
Wie passt hier der Terrorismus in das Konzept?
Carola Dietze: Der Terrorismus ist eine soziale Erfindung, das heißt, es gab Personen, die als erste erkannt und begriffen haben, wie man die Wirkung von spektakulären Gewalttaten mit Hilfe der Massenmedien verstärken kann, um einen psychologischen Effekt bei einem Publikum zu erreichen, der dann wiederum politische Folgen zeitigen soll.

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s