Schamanen in Korea: Heilende Botschaften aus dem Himmel


Eine südkoreanische Schamanin nimmt die Rolle eines Mediums zwischen den Lebenden und der Geisterwelt ein (imago stock&people/UIG/Michael Macinty)
Eine südkoreanische Schamanin nimmt die Rolle eines Mediums zwischen den Lebenden und der Geisterwelt ein (imago stock&people/UIG/Michael Macinty)
Südkoreas Präsidentin kämpft derzeit um ihr politisches Überleben. Park Geun Hye soll einer angeblichen Schamanin ermöglicht haben, Einfluss auf die Regierungsarbeit zu nehmen. Spielt der Schamanismus, diese Naturreligion, in Korea ein zunehmende Rolle?

Von Jürgen Hanefeld | Deutschlandfunk

Wenn Min Hae-Kyung gemessenen Schrittes die Treppe herunterkommt, erstirbt jedes Geräusch. Die zierliche Frau im langen Kleid lächelt verhalten und etwas müde.

„Gestern habe ich für viele Leute gebetet. Das hat sehr viel Energie verbraucht. Ich musste die Geister der Schüler treffen, um deren Botschaft zu übermitteln. Das hat mich sehr erschöpft.“

Der Tag, der sie so erschöpft hat, war der Tag, an dem alle 600.000 Oberschüler Südkoreas ihr Abitur machten. Während die jungen Leute über den Examensfragen brüten, füllen ihre Mütter und Großmütter die Tempel und Kirchen des Landes, um den Segen des Himmels zu erflehen. Wer heute durchfällt, hat schlechte Chancen in Koreas brutaler Leistungsgesellschaft. An solchen Tagen haben auch die Schamanen viel zu tun. Ist das eigentlich eine Religion?

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