Der deutsche Galilei? Warum Otto von Guericke noch immer unterschätzt wird


Wider das Vakuum. Mit Pferdegespannen versuchten Guerickes Zeitgenossen, seine Magdeburger Halbkugeln zu trennen.Foto: wikipedia
Wider das Vakuum. Mit Pferdegespannen versuchten Guerickes Zeitgenossen, seine Magdeburger Halbkugeln zu trennen.Foto: wikipedia
Durch die Magdeburger Halbkugeln wurde Otto von Guericke berühmt. Aber der Teilzeitforscher hat noch viele weitere wissenschaftliche Verdienste

Von Klaus Liebers | DER TAGESSPIEGEL

Dicht gedrängt stehen die Schaulustigen, wenn der Versuch von Otto von Guericke mit den berühmten Magdeburger Halbkugeln wie ein Theaterspektakel in der Stadt aufgeführt wird. Ein Schauspieler, in der spanischen Mode des 17. Jahrhunderts gekleidet, tritt auf den Platz und kommandiert als Otto von Guericke acht Pferdeknechte. Sie führen 16 Kaltblüter auf den Platz und spannen je acht zu einer Mannschaft zusammen. Gibt Guericke das Kommando, beginnt ein Tauziehen wie in der Schule: Mal ziehen die acht Pferde auf der einen Seite die Kugel samt den gegnerischen Pferden rückwärts, mal ist es umgekehrt. Setzen sich die gegnerischen Pferde ausreichend zur Wehr, kommen die Kraftprotze kurzzeitig zum Stehen und schleudern die 250 Kilogramm schwere Kugel etwa einen halben Meter hoch in die Luft. In diesen Sekunden reißen die Titanen mit brachialen Kräften an den Halbkugeln. Diese Momente entscheiden über Sieg oder Niederlage – jeden Augenblick erwarten die Zuschauer das Auseinanderreißen der zwei Halbkugeln. Doch meistens siegt der Luftdruck. Er drückt die luftleer gepumpten Halbkugeln stärker zusammen als die Pferde ziehen können.

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