„Viele fürchten sich, alleine rauszugehen“


Der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow.Foto: Frank Pusch/ dpa
Der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow.Foto: Frank Pusch/ dpa
Viele Menschen in Berlin haben Angst vor Angriffen. Borwin Bandelow spricht im Interview über Statistiken und die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Gewalttat zu werden.

Von Ralf Schönball | DER TAGESSPIEGEL

Herr Bandelow, ein Mann tritt eine Frau von hinten die Treppe hinunter. Nun geht die Angst in der Stadt um. Verständlich?

Ja, wenn eine Gefahr als neu und unbeherrschbar wahrgenommen wird, überschätzen wir die Wahrscheinlichkeit, dass sie erneut eintritt. Das ist bei einer Gewalttat von unbekannter Rohheit der Fall, aber ebenso bei einem neuen Virus, bei Gewalttaten, die von Flüchtlingen begangen werden oder bei Sexualmorden durch Fremde.

Wir versetzen uns ins Schicksal der Betroffenen, statt uns an Fakten zu halten?

Ja, in Deutschland gibt es 20 Sexualmorde pro Jahr, aber außerdem 300 Frauen, die von ihren eigenen Ehemännern jährlich ermordet werden. Gott sei Dank ist also die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat durch einen Fremden zu werden, eher gering, und es ist sogar noch unwahrscheinlicher, dass ein Flüchtling der Täter ist. Trotzdem fürchten viele Frauen nach einer solchen Tat, alleine rauszugehen und befürchten, das nächste Opfer zu werden.

weiterlesen