Nadine Wojcik über Exorzismus: „Der Teufel wohnt in Polen“


Sie wollte wissen, wo der Teufel wohnt – und fuhr nach Polen. In dem katholischen Land traf Nadine Wojcik auf Gläubige, Besessene – und Exorzisten. Über Ihr Buch „Wo der Teufel wohnt“, erzählt sie im DW-Interview.

Interview Stefan Dege | Deutsche Welle

Deutsche Welle: Frau Wojcik, Ihr Buch heißt nicht „Auf Teufel komm raus“, wie es das Thema nahelegt, sondern: „Wo der Teufel wohnt“. Wohnt er in Polen?

Nadine Wojcik: Auf jeden Fall – zumindest, wenn man der Logik vieler polnischer Katholiken folgt. Es gibt in Polen um die 130 Exorzisten, diese Zahl ist so im Umlauf. ‚Der Teufel‘, sagen Exorzisten, ‚zeigt sich dort, wo der Glaube am stärksten ist.‘ Und Polen ist eine der Hochburgen des Katholizismus. Der Teufel zeigt sich auch immer nur dann, wenn man ihn bekämpft. So scheint der Teufel gerade in Polen sein Unwesen zu treiben.

Als Autorin würde ich sagen: Ich schließe nicht aus, dass es den Teufel gibt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht in Polen wohnt. Was ich alles beobachtet habe, scheinen mir eher Phänomene zu sein, die man mit rationalem Menschenverstand und medizinisch-psychologischem Wissen gut erklären kann.

Wie genau funktioniert der Ritus der Teufelsaustreibung?

Der Vatikan hat den Ritus 1614 vorgeschrieben. Das war sinnvoll, weil die Hexenverbrennung und die öffentliche Teufelsaustreibung aus dem Ruder liefen. Der Ritus besteht aus einer Abfolge von Gebeten, Psalmen, Evangeliumstexten und Segnungen. Er wurde 1999 reformiert. Seither soll ein Exorzist sicherstellen, dass keine psychische Erkrankung vorliegt und gegebenenfalls psychiatrische Hilfe hinzuzuholen ist, bevor er jemanden als besessen einstuft. Die Abfolge ist vereinfacht worden. Sie beginnt mit einer Segnung und am Ende steht die Befehlsformel, die nur ein Exorzist sprechen kann: „Teufel weiche!“

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