Der Papst schwankt


Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus wollte die Kirche (und damit die Welt) verändern. Aber jetzt schwankt der Papst. Wie die ganze Kirche. Dabei wäre seine Stimme in dieser unsicheren Zeit bitter nötig.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Ein Einzelner kann die Welt verändern, manchmal stärker, als man so denkt; erst recht, wenn dieser Einzelne Papst ist. Das Papstamt jedenfalls, das er vor bald vier Jahren antrat, hat dieser Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires auf staunenswerte Art verändert – der Mann, der am Samstag 80 Jahre alt wird.

Er nennt sich Franziskus, nach dem Heiligen der Armen. Er wohnt nicht im Palast, sondern im Gästehaus des Vatikans und steigt in keine Luxuslimousine. Er fliegt zu den gestrandeten Flüchtlingen nach Lesbos und nimmt ein Dutzend von ihnen mit nach Hause. Er sagt seiner Kirche, dass sie gefälligst zu den Menschen gehen soll; er macht die weltweite Gerechtigkeit und die Klimarettung zu den Anliegen dieser Kirche. Dieser Papst Franziskus ist der Gegenentwurf zu jenen Männern, die nun mit dem Anspruch auf Weltveränderung antreten, zum blattvergoldeten Donald Trump und zum neozaristischen Wladimir Putin. Er begegnet der Globalisierung des Gewinnstrebens, des Egoismus und der Macht mit der Globalisierung der Menschlichkeit, des Teilens und der Solidarität.

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