Religion und Politik: Oh, mein Gott!


Das Kreuz mit den Religionen
Das Kreuz mit den Religionen
Bei der Vereidigung des rot-rot-grünen Senats in Berlin traute sich nur Ramona Pop von den Grünen, den Schwur mit „so wahr mir Gott helfe“ zu bekräftigen. Die anderen neun brachten die Formel nicht über die Lippen. Den alten Herrn mit dem wallenden Bart, wie er in der christlichen Vorstellung lebt, musste man sich als Bürgen auf der Besuchertribüne dazudenken.

Von Josef Joffe | ZEIT ONLINE

In den 190 Seiten des Koalitionsvertrages kriegt der liebe Gott nicht mal eine Fußnote. „Christlich“ und „Christentum“ findet der Leser auch nicht: Das Wörtchen „Kirche“ taucht einmal auf, aber nur als Baumaßnahme für die Matthäus-Kirche. Die Juden, die Begründer des monotheistischen Start-ups, kommen mit zweimal „jüdisch“ etwas besser weg. Dagegen findet die Suchfunktion zehnmal „Islam“ oder „Muslim“. Die LSBTTIQ* (Lesben, Schwule …) hält als weltliche Gemeinschaft mit 27 Einträgen die Spitze.

Der alte Herr, der recht aufbrausend sein kann, wäre perplex. Er weiß sehr wohl, dass er den Missbrauch seines Namens im zweiten Gebot unter Strafe gestellt hatte. Aber die christliche Eidesformel muss ihm gefallen haben; jedenfalls hat er nie einen Blitz niederfahren lassen, wenn Kaiser und Könige, Bürger und Zeugen ihre Schwüre mit der ultimativen Bekräftigung krönten.

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