Deutsche Diskretion, französische Direktheit


foto: ap / jean-françois badias In Frankreich, dem von islamistischem Terror am stärksten betroffene Land in Europa, gibt es schon so etwas wie einen Effekt der Gewöhnung an die terroristische Bedrohungslage. Sicherheitskräfte werden im öffentlichen Raum kaum mehr wahrgenommen.
foto: ap / jean-françois badias In Frankreich, dem von islamistischem Terror am stärksten betroffene Land in Europa, gibt es schon so etwas wie einen Effekt der Gewöhnung an die terroristische Bedrohungslage. Sicherheitskräfte werden im öffentlichen Raum kaum mehr wahrgenommen.
Frankreich hat eine lange Erfahrung mit Anschlägen – In Paris nennt man die Dinge beim Namen – Schönreden nütze höchstens den Rechtspopulisten

Von Stefan Brändle | derStandard.at

Der Weihnachtsmarkt von Straßburg, mit zwei Millionen Besuchern einer der größten Europas, findet statt – jetzt erst recht. Wie schon beim mörderischen Lastwagen-Attentat in Nizza am 14. Juli dieses Jahres (86 Tote) reagieren die Franzosen trotzig auf den Anschlag von Berlin. Längst haben sie mit der Angst umzugehen gelernt. Alle wissen: Das Wahrzeichen des Straßburger Marktes, der 30 Meter hohe Tannenbaum, ist demontierbar, damit an seinem Platz ein Feldlazarett eingerichtet werden könnte.

Die „marchés de Noël“ im ganzen Land werden heute vor Lasterattacken durch Betonpflöcke, Barrieren und Laufgräben geschützt. 10.000 Polizeikräfte sichern Frankreichs Weihnachten ab. Ihre Professionalität zeigt sich auch in ihrer Diskretion. Am Pariser Hauptmarkt entlang der Champs-Élysées patrouillierten diese Woche zwar wieder bewaffnete Soldaten in Tarnanzügen. Doch die Besucher achten kaum mehr auf sie – auch eine Art von Gewöhnung.

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