Wie Luther das Christkind erfand


Gustav König: Luthers Winterfreuden im Kreise seiner Familie, Stahlradierung, 1851 (Ausschnitt)
Gustav König: Luthers Winterfreuden im Kreise seiner Familie, Stahlradierung, 1851 (Ausschnitt)
Am Samstag kommt zu vielen Kindern in Österreich und Süddeutschland das Christkind. Martin Luther persönlich, Reformator und Theologe soll es „erfunden“ haben. Was uns heute ein herziger Brauch für kleine Kinder ist, hat einen handfesten theologischen Kern.

Von Johanna Grillmayer | religion.ORF.at

Denn natürlich ging es Luther mit seiner Schöpfung nicht nur darum, seine „Kindlin“ zu erfreuen. Christian Danz, Professor für Systematische Theologie A. B. an der Universität Wien, erkennt hinter der Schöpfung des Christkinds, das am 24. oder 25. Dezember Geschenke bringt, verschiedene Motive.

Die Entmachtung der Heiligen

Zum einen, so der Theologe im Gespräch mit religion.ORF.at, sei es um die Entmachtung des Nikolaus als Gabenbringer gegangen: „Das hängt damit zusammen, dass für das reformatorische Christentum die Heiligen keine Bedeutung haben.“ Dahinter stehe der Glaube, „dass das Heil von Gott allein gegeben wird und es da keine Mittler mehr gibt. Damit treten die Heiligen, die in der christlichen Tradition und in der mittelalterlichen Kirche eine sehr zentrale Vermittlerrolle haben, zurück, und Luther nimmt eine Umbesetzung vor.“

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