Ein deutscher Held – einer der größten Antisemiten


luther_1

Die Deutschen verehren gern, und nächstes Jahr ist wieder mal einer ihrer größten Antisemiten dran

Von Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

Dass Martin Luther alles andere als eine Lichtgestalt der deutschen Geschichte war, sollte eigentlich niemand mehr überraschen. Freilich dauern in Deutschland die Klärungen immer etwas länger. Luthers Karriere als Hassprediger hat weder die laufende „Lutherdekade“ verhindert, noch wird sie das „Reformationsjubiläum“ und die speziellen Festspiele zu seinen Ehren im kommenden Jahr beeinträchtigen.

Erstlich, daß man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke … daß man ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre … daß man ihnen alle Betbüchlein und Talmudisten nehme … daß man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren … daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe … daß man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold nehme und zur Verwahrung beiseitelege … daß man den jungen starken Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiß der Nase.

Martin Luther

Diese Empfehlungen Martin Luthers aus der Schrift Von den Juden und ihren Lügen (1543) ist gewöhnlich das eine Zitat, das angeführt wird, um seinen Judenhass zu belegen.

Das ist kein Wunder, fanden sie doch ihre gründlichste Verwirklichung in den Novemberpogromen vom 9. auf den 10.11.1938, was von den zeitgenössischen Nachfolgern Luthers selbst hervorgehoben wurde. So schrieb zum Beispiel der evangelische Landesbischof von Thüringen, Martin Sasse:

Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird zur Sühne für die Ermordung des Gesandtschaftsrates vom Rath durch Judenhand die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. (…) In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der, getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden.

Martin Sasse

weiterlesen