„Alles, was schiefläuft, wird der Religion zugeschrieben“


Der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe (Karoline Glasow)
Der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe (Karoline Glasow)
Das hat nur mit dem Islam zu tun, das hat nichts mit dem Islam zu tun – so sind die reflexartigen Reaktionen auf alles, was zwischen Anschlag und Zwangsheirat öffentlich verhandelt wird. Der Erlanger Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe blickt zurück auf die Themen des Jahres.

Mathias Rohe im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: Terror, Frauenbild, Burka, Kopftuch – das waren Themen dieses Jahres, auch in „Tag für Tag“ wie Sie in der Stimmencollage hören konnten. Die Sendung von heute soll eine „Islambilanz“ des Jahres sein. Ziehen möchte ich diese Bilanz gemeinsam mit dem Isalmwissenschaftler und Juristen Mathias Rohe. Er lehrt an der Universität Erlangen, vor wenigen Wochen ist sein Buch „Der Islam in Deutschland“ erschienen, eine fundierte Bestandsaufnahme.

Herr Rohe, das Jahr 2016 begann mit „Köln“, der Name der Stadt steht seitdem für die Kölner Silvesternacht. Es folgte eine Debatte um das Frauenbild nordafrikanischer Männer. Auch nach der Vergewaltigung der Freiburger Studentin brach eine ähnliche Debatte los. Eine Boulevardzeitung titelte: „Ist das Frauenbild von Flüchtlingen ein Problem“. Müssen wir über das Frauenbild reden und wenn ja, wie?

Mathias Rohe: Wir müssen sicherlich darüber reden. Das Frauenbild, das Geschlechterbild ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Aber es ist natürlich insbesondere ein Thema für Menschen, die in patriarchalischen Strukturen groß geworden sind. Das gilt nicht für alle Flüchtlinge, aber das gilt für viele. Und das Patriarchat, diese patriarchalische Geschlechterrollen-Zuschreibung scheint mir die eigentliche Wurzel des Übels zu sein. Das müssen wir angehen. Was wir auch noch auch noch wissen und was ich aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung aus Orient-Aufenthalten weiß, ist, dass das Bild von europäischen Frauen bei vielen so eindimensional ist, wie das Bild von Muslimen bei vielen in unserem Lande. Das heißt, es gibt die Vorstellung: „Naja – leicht zu haben, allzeit bereit.“ Menschen kommen zu uns, die eine strenge Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit kennen und sehen nun, dass wir es hier ganz anders haben. Über deren Geschlechterbild müssen wir sicherlich reden, vor allem müssen wir vermitteln, warum es bei uns so ist und dass wir einfordern, dass es auch so bleiben kann.

„Alle Religionen und Weltanschauungen haben ihr Gewalt- und Problempotenzial“

weiterlesen

1 Comment

  1. Der Aussage der Headline ist nicht viel hinzuzufügen. Ohne Religionen würden sehr viele Probleme überhaupt nicht existieren, könnten also auch gar nicht schieflaufen.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.