Die Gefahr, die aus der Kälte kam


 Expedition in einem sibirischen Krater im November 2014. Rechts unten, als kleines Licht, einer der Wissenschaftler und Permafrost-Experten Quelle: REUTERS
Expedition in einem sibirischen Krater im November 2014. Rechts unten, als kleines Licht, einer der Wissenschaftler und Permafrost-Experten Quelle: REUTERS
Der Permafrostboden der Arktis konserviert alles, was einmal lebendig war. Doch durch die globale Erwärmung tauen jetzt seine Geheimnisse auf – einige davon wären besser verborgen geblieben.

Von Caroline Ring | DIE WELT

Es war ein kleines Eichhörnchen, das vor 30.000 Jahren der Nachwelt einen großen Dienst erwies. Früchte und Samen hatte es im Boden Sibiriens vergraben, im Sommer, als die Erde nicht gefroren war. Doch dann im Winter hatte es vergessen, wo seine Schätze lagen. Und so ruhten die Vorräte lange Zeit unberührt im eisigen Boden, Jahr um Jahr wurde die Schicht darüber dicker. Dreißig Meter waren es, als das Versteck wieder zum Vorschein kam. Wie russische Geologen 2012 berichteten, trafen sie zufällig darauf, als sie eine Bodenprobe entnahmen.

Überrascht stellten die Forscher der Russischen Akademie der Wissenschaften fest, dass sich im Labor aus den gefrorenen Früchten noch eine Pflanze ziehen ließ: Silene stenophylla, ein kleines Gewächs mit zarten weißen Blüten. Noch größer war das Erstaunen, als das französische Forscherpaar Jean-Michel Claverie und Chantal Abergel 2014 noch etwas anderes in dem Erdbrocken fand, was all die Zeit unbeschadet überstanden hatte: ein riesiges, bis dahin unbekanntes Virus.

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