Peter Watson: „Das Zeitalter des Nichts“ – Lebensfroh auch ohne Gott


 Ein Bus mit der Aufschrift
Ein Bus mit der Aufschrift „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott“ am Brandenburger Tor in Berlin: Eine Aktion von überzeugten Atheisten 2009. (dpa / picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert)
Dieser Autor hat eine atheistische Mission. Mit wenigen Federstrichen lässt Peter Watson viele Denker lebendig werden, die in unserem Zeitalter neue Lebensentwürfe geliefert haben − abseits von Religion und Glauben. Und er lässt auch die problematischen Seiten der Gottlosigkeit nicht aus.

Von Susanne Billig | Deutschlandradio Kultur

Ohne Gott leben, muss das heißen: innerlich ärmer leben als religiöse Menschen? Unbehaust, freudlos, haltlos hedonistisch? Keineswegs, meint Peter Watson in seinem neuen Buch „Das Zeitalter des Nichts“, leidenschaftlich argumentierend auf über 700 Seiten. Spätestens seitdem Nietzsche den berühmten Satz vom längst toten Gott in die Welt setzte, floss ein breiter Strom atheistisch-säkularer Lebens- und Sinnentwürfe durch das Abendland. Denker, Dichterinnen, Soziologen, Psychologen, Malerinnen, Musiker, Exzentrikerinnen, Einsiedler, philosophische Abenteurer und staunende Physiker suchten nach Alternativen und fanden sie auch.

Ein riesiges Spektrum nimmt der Autor in den Blick. Sigmund Freud, Henri Matisse, T.S. Eliot, John Butler Yeats, Virginia Woolf, Merce Cunningham, Max Weber, Martin Heidegger, Mary Midgley, James Lovelock und zahllose weniger bekannte Protagonisten – Peter Watson lässt sie und ihre nüchternen oder gefühlsbetonten, kühlen oder wildromantischen Ideen mit wenigen Federstrichen lebendig werden und zeigt, dass sich menschliches Leben auch nichtreligiös klug und psychologisch sinnvoll führen lässt: durch Spontaneität oder Erlebnisintensivierung, in stolzer Freiheit oder mit einer Ästhetik der Fülle, im Bewusstsein der Evolution oder im gemeinschaftlichen Tun.

weiterlesen