Sind wir die Angsthasen Europas?


Schon immer auch Ort der Angst: der WaldFoto: Getty Images
Schon immer auch Ort der Angst: der WaldFoto: Getty Images
Die Deutschen gelten als besonders furchtsam. Das hat Gründe. Ein Gespräch mit den Gefühlshistorikern Frank Biess und Bettina Hitzer über die Angst als Politikum.

Von Julia Prosinger | DER TAGESSPIEGEL

Frau Hitzer, Herr Biess, Sie forschen als Historiker zur Geschichte der Emotionen. Herr Biess, gibt es ein typisch deutsches Gefühl – etwas, das unsere europäischen Nachbarn so nicht empfinden?

FRANK BIESS: In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland Ungewissheit darüber, wie die Zukunft aussehen könnte. Das lag an der Gegenwart der Erinnerung an Krieg und NS-Zeit. Meine Forschung ergibt: Die Furcht davor, dass sich die Vergangenheit in irgendeiner Form wiederholt, war bis in die achtziger Jahre sehr präsent. Das, was man mit German Angst beschreibt, ist also tatsächlich etwas spezifisch Deutsches. Eine kritische Außenzuschreibung, aber ich sehe es auch als Selbstzuschreibung der Deutschen.

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