Religion und Rechtsstaat: Die offene Gesellschaft verteidigen


Weil Religion als motivierende wie auch als bedrohliche Kraft wahrgenommen werden kann, tut der Staat gut daran, eine gewisse «Governance» über die Religion auszuüben.

Von Mario Fehr Béatrice Acklin Zimmermann | Neue Zürcher Zeitung

Alle Jahre wieder füllen sich an Weihnachten die Kirchen. Es scheint, als würden die Lichter dieses Festes das Dunkel der Religion, das auch im zu Ende gehenden Jahr die Welt in Atem hielt, vertreiben. Der dunklen Seite von Religion als Ursache von Gewalt, Terror und Angst steht an Weihnachten die helle Seite entgegen, die Frieden, Sanftmut und Befreiung verspricht. Weil Religion grundsätzlich ambivalent ist und als motivierende, aber auch als bedrohliche Kraft wahrgenommen wird, tut der Staat gut daran, eine gewisse «Governance» über die Religion auszuüben, insofern er einerseits ihre Ressourcen nutzt und andererseits ihre Gefahren abwendet.

Religionslandschaft Europas verändert sich

In der Geschichte der europäischen Nationalstaaten wurden unterschiedliche Modelle entwickelt, um Religion und Staat in ein sinnvolles und gedeihliches Verhältnis zueinander zu bringen. Doch gerade dieses Verhältnis wird in jüngster Zeit immer öfter infrage gestellt. Vor dem Hintergrund der stark veränderten Religionslandschaft Europas und religionspolitischer Konflikte stehen die institutionellen Regelungen des Verhältnisses zwischen (säkularem) Staat und Religion heute auf dem Prüfstand.

weiterlesen