Die Sprache der „besorgten Bürger“


Bild. heise.de/tp
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Im Ventil Verlag erscheint im Dezember ein „Wörterbuch des besorgten Bürgers“, dazu gibt es auch den Blog Sprachlos. Die Sprache dieser besorgten Bürger ist ambivalent, was sich in einem speziellen Sprachverständnis des besorgten Bürgers zeigt. Es werden eigene Wörter geprägt oder bestehende Wörter umgedeutet. Das ist ziemlich alltäglich, wenn man eine lebendige Sprache beobachtet. Der Inhalt jedoch macht klar: Hinter den Wörtern steckt eine intolerante Sicht gegenüber Fremden.

Von Dominik Irtenkauf | TELEPOLIS

Zunächst ist es noch eine abstrakte Furcht. Wenig später werden die Feinde identifiziert. Die Wörter beschwören einen Notstand. Durch die häufige Verwendung in den sozialen Medien und in Hashtags tendieren die Wörter zu Schlagbegriffen. Die Insider-Gruppe wie auch die Außenwelt sollen sofort erkennen, um was es geht. Manche der Wörter wirken harmlos, doch unter der Oberfläche stößt man auf gefährliches Unterholz.

Tobias Prüwer, einer der vier Herausgeber, geht im Interview auf die Besonderheiten des Bürgerwortschatzes ein. Prüwer studierte Philosophie und Geschichte in Leipzig und Aberdeen. Seit 2009 ist er Theaterredakteur beim kreuzer Magazin.

Das „Wörterbuch des besorgten Bürgers“ führt den Wortschatz der besorgten Bürger auf. Was kann man sich unter einem „besorgten Bürger“ vorstellen?
Tobias Prüwer: Der Begriff „besorgte Bürger“ ist selbstredend doppelbödig. Es ist die – zumindest – anfängliche Selbstcharakterisierung jener Menschen, die bei Pegida demonstrieren oder AfD wählen à la: Wir sind nicht rechts, wir sind besorgte Bürger. Die Medien griffen das beschönigende Etikett auf, bis sie differenzierter berichteten. Kurzum: Der Begriff ist ein Behelfsbehälter für all jene Positionen und Aussagen, die seit einigen Jahren mit Autoren wie Thilo Sarrazin und Akif Pirinçci, Pegida und AfD salonfähig wurden, aber auch woanders herumspuken, etwa wenn Wolfgang Schäuble entmenschlichend von „Flüchtlingslawine“ spricht.

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