„Luther als Nationalheld zu sehen, gehört ad acta gelegt“


Lutherjahr

500 Jahre Reformation: Ein Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann über Martin Luthers Fluch und Segen.

Interview: Christian Schröder | DER TAGESSPIEGEL

Herr Kaufmann, das Reformationsjubiläum wird mit Luther-Bier, einem Playmobil-Luther und in Berlin sogar mit einem neuen Luther-Denkmal gefeiert. Hat der Reformator diesen Personenkult verdient?

Die Anfänge seiner Heroisierung und Monumentalisierung gehen ins 16. Jahrhundert zurück. Luther hat Zeit seines Lebens vermutlich zu wenig dagegen getan. Was jetzt an Vermarktung passiert, ist aus meiner Sicht banal, erbärmlich, albern. Da wollen Leute Geld mit ihm verdienen. Aber es ist nicht hinnehmbar, dass auch die evangelische Kirche Produkte dieser Art vertreibt.

Hat Luther sein Image gesteuert, war es eine Selbstheroisierung?

Wir wissen leider wenig, fast gar nichts darüber, wie Luther Einfluss auf seine Bildwerdung genommen hat, etwa in der Werkstatt von Lucas Cranach. Er hätte aber bestimmte Darstellungsweisen unterbinden können, sodass wir davon ausgehen, dass er sein stillschweigendes Einverständnis zu der bildpolitischen Vermarktung gab. Cranach präsentierte ihn in jedem Lebensalter in einer adäquaten Form: am Anfang der Stürmer und Dränger, dann der Hausvater und Ehemann, Junker Jörg als Ordnungsstifter, schließlich der saturierte fette Kirchenlehrer.

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