Polen: Zwei Vaterländer, zwei Patriotismen


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Die nationalkonservative Regierung in Warschau spaltet die Gesellschaft. Ihr Machtanspruch ist zur Gefahr für die Demokratie geworden. Eine Analyse.

Von Christoph von Marschall | DER TAGESSPIEGEL

Lang, lang ist’s her, da kannte Europa eine Ära des Investiturstreits um die Einsetzung der Bischöfe und eine Epoche der Päpste und Gegenpäpste. Im Kern war beides ein Ringen darum, wie weit die weltliche Macht des Königs reicht. Oder ob es eine andere, unabhängige Machtinstanz gibt, der sich der Regent unterwerfen muss. Der Investiturstreit liegt 900 Jahre zurück, die Zeit der Gegenpäpste mit Sitz in Avignon endete vor 700 Jahren.

Der moderne Investiturstreit betrifft Verfassungsrichter, nicht Bischöfe

2017 droht sich Vergleichbares zu wiederholen. Im nächsten Kapitel der polnischen Tragödie. Heute geht es nicht mehr um die Frage, wer den göttlichen Willen auf Erden repräsentiert, sondern den Volkswillen in einer Demokratie. Der moderne Investiturstreit betrifft nicht Bischöfe, sondern Verfassungsrichter. Bereits in der kommenden Woche könnte dieses Ringen um die Grenzen irdischer Regierungsmacht zu einer sichtbaren Zweiteilung der Institutionen in Warschau führen: Parlament und Gegenparlament. Verfassungstribunal und Gegentribunal.

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