Wie Ludwig Thoma vom Linksliberalen zum rechten Hetzer wurde


 Thoma in seinem Haus am Tegernsee. (Foto: Philip Kester, Gemäldegalerie Dachau, oh)
Thoma in seinem Haus am Tegernsee. (Foto: Philip Kester, Gemäldegalerie Dachau, oh)
Kein bayerischer Dichter ist so populär wie Ludwig Thoma – doch in seinen letzten Lebensjahren rief er unverhohlen zum Mord auf. Es spricht viel dafür, dass sich Hitler Anregungen aus seinen Texten holte.

Süddeutsche.de

Als Ludwig Thoma im August 1921 starb, war er erst 54 Jahre alt. Er hat trotzdem ein umfangreiches Werk hinterlassen. An Popularität reicht kaum ein anderer bayerischer Dichter an ihn heran. Der Briefwechsel des Josef Filser, die Lausbubengeschichten, die heilige Nacht und der bis heute aktuelle Roman Andreas Vöst machten ihn im ganzen Land berühmt.

Allerdings hat der begnadete und stilsichere Satiriker, der auch für den Simplicissimus schrieb, nicht nur eine helle, sondern auch eine dunkle Vergangenheit. Nachdem vor gut 30 Jahren bekannt wurde, dass Thoma in den Jahren 1920/21 der Verfasser anonymer Hetzschriften im Miesbacher Anzeiger war, ließ seine Wertschätzung langsam nach. Es stellte sich heraus, dass der einst als linksliberaler Satiriker geschätzte Schriftsteller in seinen letzten Lebensjahren zum rechtsradikalen Polemiker geworden war, dem jede Fähigkeit zur Mäßigung fehlte.

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