Zwischen Wahrheitsanspruch und Religionsfreiheit


Darf eine Lehrerin ein Kopftuch tragen? - Die niedersächsische Lehrerin Iyman Alzayed vor dem niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. (Hans-Jürgen Wege / dpa)
Darf eine Lehrerin ein Kopftuch tragen? – Die niedersächsische Lehrerin Iyman Alzayed vor dem niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. (Hans-Jürgen Wege / dpa)
Wie säkular muss und kann ein Staat sein? Wie weit darf die Religionsfreiheit reichen? – Diesen Fragen geht Christian Spieß in dem Buch „Zwischen Gewalt und Menschenrechten“ nach, greift dabei aktuelle Themen wie Religionsunterricht oder Kopftuchverbot auf.

Von Anne Françoise Weber | Deutschlandradio Kultur

Wie passen Religion und Moderne zusammen? Konkreter: Wie lassen sich religiöser Wahrheitsanspruch auf der einen Seite, individuelle Freiheitsrechte und ein säkularer Staat auf der anderen verbinden? Das sind Fragen, die Christian Spieß mit seinem Buch „Zwischen Gewalt und Menschenrechten: Religion im Spannungsfeld der Moderne“ zu beantworten sucht. Und zwar sowohl theoretisch als auch empirisch-historisch.

Für die empirische Herangehensweise beschränkt sich der Autor, Professor für Christliche Sozialwissenshaften an der Katholischen Privat-Universität Linz, auf die katholische Kirche. Hier zeigt er auf, wie der ausgeprägte Antimodernismus des katholischen Lehramts mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) verschwand und „die Kirche, ihre Verbände und Vereine, karitativen Organisationen und Hilfswerke zu einem bedeutenden Teil der Bewegung für die weltweite Ausbreitung der Menschenrechte geworden sind“. Dabei ist der Autor kritisch genug, um zu betonen, dass die Modernisierung der Kirche nicht abgeschlossen ist und beispielsweise die Verweigerung der Priesterweihe für Frauen einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz darstellt.

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