Arte-Film „Freistatt“: Sie vernichteten ihre Seelen


© © Zum Goldenen Lamm/Boris Laewen Er ist erst Vierzehn, im Erziehungslager wird ihm seine Jugend genommen: Wolfgang (Louis Hofmann) leistet Widerstand, solange er kann.
© Zum Goldenen Lamm/Boris Laewen Er ist erst Vierzehn, im Erziehungslager wird ihm seine Jugend genommen: Wolfgang (Louis Hofmann) leistet Widerstand, solange er kann.
Der Arte-Film „Freistatt“ handelt vom Horror der Erziehungsheime, in denen Jugendliche in der Bundesrepublik bis in die siebziger Jahre brutal misshandelt wurden: Das Unrecht schreit uns an.

Von Heike Hupertz | Frankfurter Allgemeine

Osnabrück, Juni 1968, in sonnendurchflirrten, mutwillig wackelnden Bildern gefangen: Bei Käseigel und kaltem Hund feiert man Straßenparty. Die Röcke schon kürzer, die Stimmung ausgelassener, scheint selbst in dieser bürgerlichen Gegend mit Backsteinhäusern ein wärmender Hauch von Flower-Power und „Make Love, Not War“ in der Luft zu liegen. Der vierzehnjährige Wolfgang (Louis Hofmann) zeigt seinen Freunden heimlich Pornohefte, die der Stiefvater (Uwe Bohm) im Schlafzimmer versteckt.

Die brutal ausgeteilten Schläge, die er dafür kassiert, ist der Junge gewohnt. Dieses Mal aber macht der Familienvorstand tabula rasa. Der renitente Sprössling stört den Hausfrieden. Die Mutter (Katharina Lorenz) ist nachgiebig. Ein paar Monate Durchgreifen in einem christlichen Erziehungsheim, zum Wohle der Kinder mit harter Hand geführt, werden dem lästigen Stiefsohn die Flausen schon austreiben. Seinen letzten Moment der Freiheit sieht Wolfgang im Vorbeifahren durch Autofensterscheiben. Ein Schimmel galoppiert auf der Koppel.

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