Homosexualität in der Nachkriegszeit: Kastriert, der Liebe wegen


Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg Foto: dpa
Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg Foto: dpa
Ein vom grün-roten Aktionsplan finanziertes Recherche- und Aufklärungsprojekt hat neue, grausame Erkenntnisse über Verbrechen an Homosexuellen zutage gefördert. In Gefängnissen in der Region wurden Männer, die gleichgeschlechtlich liebten, noch bis in die 60er-Jahre kastriert.

Von Sascha Maier | Stuttgarter Zeitung

Neue Erkenntnisse von Historikern belegen, dass es im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg noch bis in die späten 60er Jahre zu Kastrationen von gleichgeschlechtlich liebenden Männer gekommen ist. Bis 1969 war das Ausleben von Homosexualität in Deutschland uneingeschränkt unter Strafe gestellt. Bis zu fünf Jahre Haft sah das Strafmaß für sogenannte „widernatürliche Unzucht“ vor. Durch den Ritus der sogenannten „freiwilligen Entmannung“ erhofften sich Betroffene Strafmilderung.

Der Historiker Jens Kolata recherchierte am Institut für Ethik und Geschichte an der Universität Tübingen über Verbrechen im Nationalsozialismus. Dass damals Kastrationen vorgenommen wurden – vor allem an Sexualstraftätern – ist historisch keine Neuigkeit. Doch dann stieß Kolata in den Akten auf die Berichte des Psychologen Nikolaus Heim aus dem Jahr 1980. „Ein Zufallsfund“, wie Kolata sagt.

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