So untergrub rechter Terror die Weimarer Republik


 Ex-Finanzminister Matthias Erzberger wurde im August 1921 im Schwarzwald von Mitgliedern der rechtsradikalen Organisation Consul ermordet Quelle: Wikipedia/ Shakespeare 2008; pa/ dpa
Ex-Finanzminister Matthias Erzberger wurde im August 1921 im Schwarzwald von Mitgliedern der rechtsradikalen Organisation Consul ermordet Quelle: Wikipedia/ Shakespeare 2008; pa/ dpa
Die Bundesregierung geht von 10.000 Reichsbürgern in Deutschland aus. Wie das rechtsradikale Milieu schon einmal die deutsche Demokratie unterminiert hat, zeigen Hunderte Anschläge der 20er-Jahre.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Es war eine kaltblütige Hinrichtung. Die Mörder hatten ihre Zielperson erst verfolgt, dann grußlos überholt und plötzlich das Feuer eröffnet. Sechs Kugeln trafen das Opfer, das schwer verletzt eine Böschung hinunterfiel; einer der Attentäter setzte nach und gab auf den Wehrlosen zwei weitere, tödliche Schüsse ab. So starb am 26. August 1921 im Schwarzwald, nahe dem Kurort Bad Griesbach, Matthias Erzberger, prominenter Abgeordneter der katholischen Zentrumspartei und ehemaliger Reichsfinanzminister.

Dieser Anschlag gab dem Rechtsterrorismus in Deutschland eine neue Qualität. Dabei hatte es in den vergangenen beiden Jahren schon eine Reihe von Gewalttaten gegeben. Der Doppelmord an den KPD-Führern Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin am 15. Januar 1919 hatte noch im Zuge von bürgerkriegsähnlichen Zuständen stattgefunden. Der Mord an Bayerns sozialistischem Ministerpräsidenten Kurt Eisner auf dem Weg zu seiner geplanten Rücktrittsansprache im Bayerischen Landtag war die Tat eines einzelnen Rechtsradikalen, des gerade erst 22-jährigen Anton Graf Arco-Valley.

weiterlesen