Jan Assmann: Die „totale Religion“


Erschaffung der Welt, Deckenbild. Foto: epd
Erschaffung der Welt, Deckenbild. Foto: epd
Jan Assmann führt seine Überlegungen zu Religion und Gewalt fort, indem er sich mit der Logik des Monotheismus beschäftigt.

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Immer wieder hat der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann herausgearbeitet, dass die Entstehung des Monotheismus eine „Wende in der Geschichte der Menschheit“ bedeutete. Vor allem mit seinem Buch „Die Mosaische Unterscheidung“ (2003) untersuchte er dabei den „Preis des Monotheismus“, nämlich die damit in die Welt gekommene Unterscheidung zwischen wahr und falsch in der Religion.

Keine geisteswissenschaftliche These ist in den vergangenen Jahren kontroverser diskutiert worden, zumal Assmann die Vermutung formulierte, der so entstandene Monotheismus enthalte notwendig „ausgrenzende Gewalt“. Er hat diese Vermutung nach vielfältiger Kritik inzwischen korrigiert: Nicht die Differenz von wahr und falsch sei wesentlich, sondern jene von Treue und Untreue.

Denn entscheidend für das Verständnis des Monotheismus, von Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen, sei es, den Glaube als „Sache liebender Treue“ zu begreifen. Assmann spricht deshalb jetzt von einem „Monotheismus der Treue“, ein Gedanke, den er in seinem epochemachenden Buch „Exodus“ (2015) ausführlich entwickelt hat.

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