Katholischer Publizist Püttmann über die AfD: „Als Christ kann man diese Partei nicht mehr wählen“


Der katholische Politikwissenschaftler, Journalist und Publizist Andreas Püttmann (privat)
Der katholische Politikwissenschaftler, Journalist und Publizist Andreas Püttmann (privat)
Unter rechtsstaatlichen und demokratischen Gesichtspunkten problematisch: Die AfD sei weit nach rechts gerückt, könne sich nicht einmal von Rechtsradikalen wie Björn Höcke trennen, kritisiert Andreas Püttmann. Aus christlicher Sicht hält der Publizist die Partei für unwählbar.

Andreas Püttmann im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Als Gegnerinnen des Rechtspopulismus haben sich in den vergangenen Jahren ziemlich deutlich die Volkskirchen profiliert. Und entsprechend wurden sie immer wieder von der AfD angegriffen. Ein vergangene Woche veröffentlichtes Buch schildert nun den Umgang vor allem der katholischen Kirche mit der AfD. Einen Beitrag in dieser Aufsatzsammlung hat Andreas Püttmann geschrieben, ein promovierter Politikwissenschaftler, der früher in rechtskatholischen Kreisen prominent war, aber seit einiger Zeit von dieser Szene Abstand genommen hat. Er kennt seine Pappenheimer aber noch sehr gut. Mit ihm habe ich vor der Sendung sprechen können. Meine erste Frage an ihn war, ob er meint, dass ein Christ, eine Christin eigentlich AfD wählen dürfe.

„Die AfD ist doch so weit nach rechts gerückt“

Andreas Püttmann: Als katholischer Christ habe ich ja da so gewisse Leitplanken von meiner Kirche und die sagt, sie beansprucht, auch politische Angelegenheiten einer sittlichen Beurteilung zu unterziehen, wenn die Grundrechte der menschlichen Person oder das Heil der Seelen es verlangen, im Zweiten Vatikanum. Und die Grundrechte sind natürlich schon tangiert durch die AfD, in mehrfacher Hinsicht. Also, zunächst mal die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit, dazu bekennt sich zwar die AfD mit den Lippen, aber wenn man sich die Praxis gegenüber freier journalistischer Berichterstattung anschaut, die Äußerungen zur Religionsfreiheit von Muslimen oder auch die Verächtlichmachung eigentlich unseres demokratischen Systems auch im AfD-Grundsatzprogramm – wo die Kirche ja auch sagt seit 1944, wir haben eine Präferenz zugunsten der Demokratie als Staatsform –, dann, glaube ich, kann man aus christlicher Sicht nicht sagen, dass man die AfD noch wählen kann. In der Anfangszeit war das vielleicht der Fall, aber seitdem 20 Prozent der liberalkonservativeren Mitglieder ausgetreten sind mit dem Gründer, ist die AfD doch so weit nach rechts gerückt und sowohl unter rechtsstaatlichen als auch unter demokratischen Gesichtspunkten so problematisch geworden, sie kann sich ja nicht mal von Rechtsradikalen wie Höcke trennen, dass man als Christ diese Partei nicht mehr wählen kann.

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