Neben der Fundamentalkritik an Medien gibt es viele konstruktive Skeptiker


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Der Kommunikationswissenschaftler Fabian Prochazka zu seiner Studie „Medienkritik Online“ und die Diskussionskultur im Internet

Von Marcus Klöckner | TELEPOLIS

Manche Medien sind dazu übergegangen, die Kommentarspalten auf ihren Online-Plattformen zu schließen, andere versuchen sich an alternativen Räumen, um mit ihren Lesern zu diskutieren. Medien, die die Foren bereitstellen, beklagen seit geraumer Zeit einen Verlust der Diskussionskultur und einen rüden bis beleidigenden Ton, den die Leser veranschlagen.

Nun haben sich die Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim, Fabian Prochazka und Wolfgang Schweiger, in der Studie „Medienkritik Online“ die Kommentare, die Kritik an den Medien äußern, genauer angeschaut. Herausgekommen ist dabei eine differenzierte Betrachtung, die zeigt: Licht und Schatten liegen in den Kommentarspalten der großen Medien nah beieinander.

Neben einer Medienkritik, die pauschal auf den Vorwurf „Lügenpresse“ setzt, finden sich unter den Foristen auch „konstruktive Skeptiker“, denen etwas an den Medien liegt. „Sie mischen sich ein, weisen auf Fehler hin und wollen die Dinge besser machen. Genau so sollte es in einer Demokratie auch sein“, sagt Prochazka im Interview mit Telepolis.

Herr Prochazka, findet in der Leserforen eine Art Rebellion gegen den von den großen Medien gelieferten Journalismus statt?
Fabian Prochazka: Der Journalismus wird in den vergangenen Jahren tatsächlich mit einer Welle der Kritik konfrontiert, die ihm vor allem in Nutzerkommentaren auf Nachrichtenseiten und in Sozialen Medien entgegenschlägt. Diese Kritik hat eine neue Quantität und Qualität. Zu einigen Themen werden sehr viele, auch medienkritische Kommentare abgegeben. Aktuell ist das vor allem die Flüchtlingspolitik, vorher stand vor allem die Berichterstattung zum Ukrainekonflikt im Mittelpunkt der Kritik. Gerade für kleinere Redaktionen ist dieses hohe Kommentaraufkommen teilweise nur noch schwierig zu moderieren. Zum anderen hat sich aber auch die Qualität der Medienkritik geändert.