Darf ich als Christ Soldat sein?


 Militärbischof Sigurd Rink (Quelle: Militärseelsorge/Walter Linkmann) |
Militärbischof Sigurd Rink (Quelle: Militärseelsorge/Walter Linkmann) |

„Wir ziehen in den Kampf für unsere Kultur – gegen die Unkultur. Für die deutsche Gesittung – gegen die Barbarei. Für die freie, an Gott gebundene Persönlichkeit – wider die Instinkte der ungeordneten Massen. Und Gott wird mit unseren gerechten Waffen sein.“Oberhofprediger Ernst Dryander,04.08.1914

Die Militärseelsorge der evangelischen Kirche feiert ihr 60-jähriges Bestehen. Militärbischof Sigurd Rink über den Alltag eines Militärpfarrers in den 1960ern, über das Vergeben von Schuld und wie die evangelische Kirche Einsatzrückkehrer noch mehr unterstützen will.

Von Dorothea Siegle | evangelisch.de

In der neu gegründeten Bundeswehr trafen in den 1950er und 1960er Jahren Männer mit ganz unterschiedlichem Hintergrund aufeinander: Deutsche, die vom Nationalsozialismus profitiert hatten – sogar Mitglieder der Waffen-SS – und solche, deren Familien Opfer des Regimes geworden waren. Auch unter den evangelischen Pfarrern gab es Täter und Mitläufer; und solche, die Widerstand geleistet hatten. Wie war die Situation zu Beginn in der Evangelischen Militärseelsorge?

Sigurd Rink: Es hat Konflikte gegeben, aber ich weiß wenig Details. In meiner Heimatkirche Hessen-­Nassau gab es für die Pfarrer das, was wir heute als Rüstzeiten haben. Das hieß, die Pfarrer mussten sich jedes Jahr für 14 Tage mit ihrem Vorgesetzten zurückziehen und wurden „nachgeschwärzt“. Wenn ein Pfarrer also im „Dritten Reich“ bei den regimetreuen Deutschen Christen gewesen war, wurde er sozusagen „auf Spur gebracht“ für die Demokratie.

Auch in der evan­gelischen Kirche waren Männer Mangel­ware. Und wenn sich einer bewarb und die fachliche Qualifikation hatte, dann wurde er genommen. Das gilt auch für die Militärseelsorge.

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