Schleswig zu Dänemark? Zurück ins Mittelalter!


Der Vize-Chef der Dänischen Volkspartei, Søren Espersen, fordert die dänische Minderheit in Deutschland auf, an der Grenzziehung von 1920 zu rütteln. Er plädiert für ein Dänemark bis zum Fluss Eider. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/janwikifoto-
Der Vize-Chef der Dänischen Volkspartei, Søren Espersen, fordert die dänische Minderheit in Deutschland auf, an der Grenzziehung von 1920 zu rütteln. Er plädiert für ein Dänemark bis zum Fluss Eider. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/janwikifoto
Seit 811 gibt es eine deutsch-dänische Grenze. Oft wurde sie verschoben, in beide Richtungen. Jetzt attackiert die Dänische Volkspartei den Kompromiss von 1920 und stellt die deutsche Nordgrenze in Frage.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Grenzen trennen, denn erst durch sie werden Gebiete und deren Ordnung definiert. Ohne eine wie auch immer geartete Umgrenzung kann kein Gemeinwesen funktionieren. Grenzen können, müssen aber keineswegs undurchlässig sein. Im Gegenteil haben sich stets jene Grenzen als besonders stabil erwiesen, die mehr oder minder kontrolliert von beiden Seiten passierbar waren, gleichzeitig aber als selbstverständlich anerkannt wurden, als gewissermaßen „natürlich“.

Deutschlands Grenzen waren im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte oft flexibel, was immer wieder zu Streit und Kämpfen führte, im 20. Jahrhundert zweimal zu katastrophalen Weltkriegen. Erst seit 1949 steht die Außenlinie der Bundesrepublik im Norden, Westen und Süden fest, seit 1990 auch im Osten. Daran hat sich durch die Integration in die EU und durch das Schengen-Abkommen nichts geändert. Territoriale Veränderungen in Europa galten jedenfalls bis zur Annexion der Krim durch Russlands Präsident Wladimir Putin 2014 als nicht mehr vorstellbar.

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