Über die Verhaftung von Deniz Yücel

blu-news.org - Deniz Yücel
blu-news.org – Deniz Yücel
Zugegebenermaßen war auch ich wie so viele andere erschüttert darüber, als ich erfuhr, dass der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel sich seit dem 14. Februar 2017 in türkischer Polizeihaft befand.

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Seit Weihnachten 2016 hatte die Öffentlichkeit nichts mehr von ihm vernommen und seit diesem Zeitpunkt hatte auch seine Berichterstattung aus der Türkei für die Zeitung Welt aufgehört.

Als Rechtsanwalt mit jahrelanger Erfahrung im Bereich des Haftrechts war ich – was die Anordnung der Untersuchungshaft in diesem Fall betrifft – von Anfang an leider nicht besonders optimistisch und hatte damit gerechnet, dass diese angeordnet würde, wie dies am 27. Februar 2017 tatsächlich auch erfolgte.

Bevor ich darauf eingehe, weshalb dem so ist, möchte ich noch vorausschicken, dass ich nicht der Ansicht bin, dass die doppelte Staatsangehörigkeit Deniz Yücel zum Verhängnis wurde. Entgegen anderswo geäußerter Ansicht wäre die Untersuchungshaft meines Erachtens auch dann angeordnet worden, wenn er nur die deutsche Staatsangehörigkeit gehabt hätte. Das hat – etwas salopp ausgedrückt – damit zu tun, dass die deutsche Staatsangehörigkeit vor türkischer Untersuchungshaft nicht schützt. Vielleicht können sich die Leser in diesem Zusammenhang an den Fall von Marco Weiss erinnern, der als 17-Jähriger in türkische Untersuchungshaft kam, nachdem ihm vorgeworfen wurde, sich an einer 13-jährigen Britin sexuell vergangen zu haben. In diesem Fall gab es – was man bereits aus dem Namen des Jungen schließen kann – keine deutsche und türkische doppelte Staatszugehörigkeit. Das Fehlen einer türkischen Staatsangehörigkeit hätte Deniz Yücel wohl einen wirksameren diplomatischen Schutz gewährt. Daraus sollte aber keinesfalls geschlossen werden, dass dies einen Einfluss auf den Entscheid des Haftrichters gehabt hätte. Die diplomatische Vertretung eines Staates ist keine Partei im Haftverfahren und hat kein „Petitionsrecht“ oder etwas in dieser Art. Ihre Rolle im Strafverfahren beschränkt sich in der Regel darauf, dass sie auf ausdrücklichen Wunsch der beschuldigten Person hin über die Verhaftung informiert wird. In diesem Fall lässt sich die Vertretung immer wieder über die Haftbedingungen informieren, macht Gefangenenbesuche, hilft allenfalls eine Verteidigung zu organisieren und wickelt allfällige Rechtsgeschäfte ab (Erteilung von Vollmachten, Testamente etc.).

weiterlesen

China holt im Wettrüsten mit den USA schnell auf

Angeblich die neuen Dongfeng-41-Raketen. Bild: Screenshot aus YouTube-Video
Angeblich die neuen Dongfeng-41-Raketen. Bild: Screenshot aus YouTube-Video
Die USA haben auf technische Überlegenheit gesetzt, statt auf Abkommen, digitale Technik wie Künstliche Intelligenz macht einen Strich durch die Rechnung

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Kürzlich wurde in der Online-Ausgabe der chinesischen Tageszeitung Global Times berichtet, dass in anderen Medien Bilder der nuklearen Langstreckenrakete Dongfeng-41 gezeigt wurden. Die Brigade mit den strategischen Marschflugkörpern sei in der Provinz Heilongjiang stationiert. Betont diffus und indirekt wird erzählt, dass chinesische Militärexperten von der zweiten Brigade sprechen.

Hervorgehoben wird, dass es nach den Medienberichten um mobile Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von 14.000 km handeln soll, die mit 10-12 nuklearen Sprengköpfen bestückt werden und überall in der Welt zuschlagen können. Weiter heißt es, dass es sich um eine der modernsten Interkontinentalraketen handele, deren Stationierung aber höchstes militärisches Geheimnis sei. Die Militärexperten würden davon ausgehen, dass die Produktion bereits abgeschlossen sei, man habe aber offiziell nicht mitgeteilt, wie viele Brigaden es gibt und wo sie stationiert seien.

weiterlesen

Gaggenau verbietet Auftritt des türkischen Justizministers

Gaggenau hat eine geplante Veranstaltung mit dem türkischen Justizminister aus Sicherheitsgründen gestoppt.

DIE WELT

Die Stadt Gaggenau hat die für Donnerstagabend geplante Veranstaltung mit dem Auftritt des türkischen Justizministers Bekir Bozdag in ihrer Festhalle untersagt. Das teilte das Rathaus der baden-württembergischen Gemeinde mit.

Die Halle, die Parkplätze und die Zufahrten reichten für den erwarteten Besucherandrang nicht aus, begründete die Stadt die Entscheidung und widerrief deshalb die Zulassung.

weiterlesen

Atheismus: Die Angst flieht mit

 Meera Jamal, 34, ist eine pakistanische Journalistin. In ihrer Heimat arbeitete sie für die Zeitung The Dawn. Nach Drohungen wegen ihrer Arbeit flüchtete sie 2008 und lebt heute mit ihrer Familie in Wiesbaden. (Foto: oh)
Meera Jamal, 34, ist eine pakistanische Journalistin. In ihrer Heimat arbeitete sie für die Zeitung The Dawn. Nach Drohungen wegen ihrer Arbeit flüchtete sie 2008 und lebt heute mit ihrer Familie in Wiesbaden. (Foto: oh)
Was es bedeutet, als verfolgte Atheistin aus einem islamischen Land nach Deutschland zu kommen und wieder bedroht zu werden.

Von Meera Jamal | Süddeutsche.de

Die Furcht ist immer noch da. Obwohl ich jetzt seit mehr als acht Jahren in Deutschland lebe, zucke ich immer noch zusammen, wenn jemand mich nach meiner Religion fragt. Das Unbehagen ist dann besonders groß, wenn die Frage von jemandem aus meinem Heimatland (Pakistan) oder einem anderen überwiegend muslimischen Land kommt. Ich weiß, dass dann in der Regel meine Leistungen, mein Verhalten, meine Einstellung für den Frager ohne Bedeutung sind und ihn nur das religiöse Etikett interessiert. Das denke ich mir nicht aus, das ist Ergebnis meiner Erfahrungen in Deutschland.

Ich wurde in eine atheistische Familie in Pakistan hineingeboren, verbrachte jedoch 25 Jahre des Lebens damit, so zu tun, als sei dies nicht so. Die Verstellung habe ich von meinen Eltern gelernt, um in der Gesellschaft zu überleben und akzeptiert zu werden. Auf Atheismus steht im Islam die Todesstrafe. In der Schule hatte ich Islam als Unterrichtsfach.

weiterlesen

Moral Posing statt Moral

Georg Heinrich Sieveking: Hinrichtung von Ludwig XVI, 1793
Georg Heinrich Sieveking: Hinrichtung von Ludwig XVI, 1793
Ich habe kürzlich mit jemandem auf der Straße geredet, der für eine große Umweltorganisation Spenden sammelt. Unter anderem ging es um die Rettung der Eisbären.

Von Andreas Müller | Richard-Dawkins-Foundation

Zuerst wolle ich einfach an ihm vorbeigehen wie an den Leuten von Amnesty International vor ein paar Wochen, aber als ich das bei Amnesty gemacht habe, wurde ich beinahe von einem Radfahrer erfasst. Also bitte. Die Unterhaltung hat mich auf eine Eigenschaft unserer Kultur aufmerksam gemacht.

In unserem Gespräch wies ich den Umwelt-Aktivisten auf die Problematik der Beeinflussung der Politik durch NGOs wie seine hin, auf die involvierten Interessenskonflikte mit den Leuten, die sich gegen Wildtiere zur Wehr setzen müssen, die verschiedenen Fälle von Massensterben in der Erdgeschichte, bei der auch ohne menschliche Eingriffe Millionen Tierarten ausgestorben sind. Kurz gesagt war auch ich mal wieder froh, über ein intellektuell interessantes Thema reden zu können. Er war nach meinen Ausführungen der Meinung, dass ich ein Wissenschaftler sein müsse. Schließlich gab er sich damit zufrieden, dass ich mich intensiv mit seinem Anliegen befasst habe, auch wenn ich zu einem anderen Ergebnis gelangt war als er. „Du bist heute der erste. Die anderen wissen gar nichts.“ (Ja, das sagt man eigentlich nicht, aber aus meinen Promoter-Zeiten kenne ich die Endzeit-Stimmung, die man am Ende eines langen Tages hat, den man mit dem Versuch verbrachte, Passanten von irgendetwas zu überzeugen).

Dabei erinnerte ich mich an mein Gespräch mit einem Tierrechtler von einer anderen Organisation vor ein paar Jahren. Er wollte Tiere retten, die für Tierversuche genutzt wurden. Ich sprach dann eine ganze Weile lang über die Geschichte des deutschen Tierschutzgesetzes, den Nutzen von Tierversuchen und so weiter, bis er irgendwann nickte und sagte: „Na gut, wenigstens hast Du Dich mit dem Thema befasst. Du bist heute der erste. Ich bin nur noch morgen hier, falls Du doch noch Deine Meinung änderst.“

weiterlesen

Ein Brief an den Papst

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Wir von netzwerkB (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.) bitten um Veröffentlichung des nachfolgenden Briefes an Papst Franziskus:

His Holiness Pope Franziskus (PERSÖNLICH)
The Apostolic Palace
00120 Vatican City
Europe

Lieber Papst Franziskus,

am 6. November 1993 habe ich im Familienkreis im Beisein der beiden Täter (Pfarrer und Kantor) mein Schweigen über die in der Kindheit und Jugend erlebte sexualisierte Gewalt gebrochen.

Meine Geschichte ist seit Anfang 1994 öffentlich bekannt; hier der Link zu einer Zusammenfassung: https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Denef

Seit 24 Jahren versuche ich die Verbrechen mit der Kirche und den Tätern zusammen aufzuarbeiten – bisher ohne Erfolg.

Da die Verbrechen in der Verantwortung des Bistum Magdeburgs liegen, systematisch verschwiegen, verleugnet und vertuscht wurden, habe ich mehrfach den derzeitigen Magdeburger Bischof Feige um Unterstützung gebeten – anstatt aufzuarbeiten schweigt er.

Den Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Ackermann, habe ich ebenfalls mehrfach um Unterstützung gebeten. Auch er schweigt, anstatt die Aufarbeitung der schrecklichen Verbrechen aktiv zu unterstützen. Den letzten Brief an Bischof Ackermann vom 23.09.2016 füge ich zur Kenntnis als Anlage bei.

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nur wenig Vertrauen in den Aufarbeitungswillen der behördlichen Einrichtung des Vatikans habe, denn wie Sie meiner Biografie bei Wikipedia entnehmen können, versuche ich auch hier schon seit mehreren Jahren Unterstützung bei der Aufarbeitung der Verbrechen des Bistum Magdeburgs zu bekommen – auch hier wird nach wie vor verschwiegen, verleugnet und vertuscht.

Wie ich aus den Medien entnehmen konnte sind Sie bestrebt, dem bestehenden Schweigekartell Ihrer unmittelbaren Mitarbeiter ein Ende zu setzen und stoßen dabei immer wieder auf große Widerstände.

Gern können Sie mit meiner Geschichte den Nachweis erbringen, wie sehr diese bisherige Schweigepraxis, nicht nur durch das Bistum Magdeburg, sondern eben auch durch den Vatikan, schädliche Folgen hat – es ist wie Salz in noch immer offene Wunden.

Seit 2010 vertrete ich als Vorsitzender von netzwerkB (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.) bundesweit die Interessen von Betroffenen. Aus dieser Erfahrung heraus weiß ich, dass meine Geschichte nur eine von sehr vielen ist. Deshalb bitte ich Sie, meine persönliche Geschichte nicht als bedauernswertes Einzelschicksal darzustellen. Ich sehe mich selber nicht als ein solches.

Wir von netzwerkB erwarten von Ihnen, dass Sie eine externe Untersuchung einleiten, um die oben genannten Verbrechen im Bistum Magdeburg aufzuarbeiten.

Wenn Sie sich dafür einsetzen, dass netzwerkB bei der Aufklärung beteiligt wird, könnte verlorenes Vertrauen wieder hergestellt werden.

Mit Schreiben vom 13.05.2013 hatten wir Ihnen einen ‘Akt der Versöhnung‘ vorgeschlagen. Möglicherweise hat man Ihnen dieses Schreiben vorenthalten, deshalb fügen wir es als Anlage bei.

In der Hoffnung, dass Sie uns aktiv bei der Aufarbeitung der Verbrechen des Bistum Magdeburgs, sowie unser Streben nach einem ‘Akt der Versöhnung‘ unterstützen, grüßen wir Sie herzlich und wünschen Ihnen alles Gute.

Vertrauensvoll Ihr

Norbert Denef
_

netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Norbert Denef, Vorsitzender

Menschheit schuf 208 neue Minerale

Das grünliche Simonkolleit [Zn5(OH)8Cl2·H2O] verdankt seine Entstehung dem Kupferbergbau: Es bildete sich in einer Kupfermine in Arizona. © RRUFF
Das grünliche Simonkolleit [Zn5(OH)8Cl2·H2O] verdankt seine Entstehung dem Kupferbergbau: Es bildete sich in einer Kupfermine in Arizona. © RRUFF
Mensch als Katalysator: Der Mensch hat die Vielfalt der Minerale auf der Erde so rapide erhöht wie kaum ein Ereignis zuvor. Immerhin 208 Minerale verdanken ihre Entstehung indirekt oder direkt der menschlichen Aktivität, wie eine Studie zeigt. Vor allem der Bergbau und die Metallverarbeitung schufen die Voraussetzung für neue Verbindungen. Die Forscher sehen in dieser Mineralschwemme ein weiteres Kennzeichen des Anthropozäns – des Zeitalters des Menschen.

scinexx

Unsere Erde birgt eine gewaltige Vielfalt an Mineralen: 5.208 verschiedene Arten sind es bisher offiziell, davon gelten rund 2.500 als selten. Experten schätzen jedoch, dass noch mindestens 1.500 weitere Minerale auf ihre Entdeckung warten.

weiterlesen

Vatikan: Rückzug aus päpstlicher Kinderschutz-Kommission

Ist aus der Päpstlichen Kinderschutzkommission ausgetreten: die Irin Marie Collins - RV
Ist aus der Päpstlichen Kinderschutzkommission ausgetreten: die Irin Marie Collins – RV
Marie Collins tritt zurück: Die Frau, die als Jugendliche selbst Opfer von Missbrauch durch einen Kleriker wurde, hat ihre Mitgliedschaft in der Päpstlichen Kommission für Kinderschutz an diesem Mittwoch beendet. Gegenüber Kardinal Sean O’Malley, der die Kommission leitet, und in einem Brief an den Papst nannte die Irin als Grund für ihren Rücktritt eine mangelnde Zusammenarbeit von Büros der römischen Kurie mit der Kinderschutz-Kommission.

Radio Vatikan

Die Kommission teilte Collins’ Schritt am Aschermittwoch in einem Statement mit. Darin würdigte sie Collins zugleich als „unermüdliche Kämpferin dafür, dass die Stimmen der Opfer/Überlebenden gehört werden und dass ihre Heilung für die Kirche prioritär ist“. „Wir werden auch weiter aufmerksam auf all das hören, was Marie uns über ihre Sorgen mitteilen möchte, und wir werden ihre wichtigen Beiträge als Kommissionsmitglied sehr vermissen“, heißt es in der Erklärung des Kommissionsvorsitzenden, Kardinal Sean Patrick O’Malley. Zugleich kündigte der Bostoner Erzbischof an, dass man in der nächsten Kommissionssitzung über Collins‘ Beweggründe sprechen werde. Collins habe ein Angebot von Kardinal O’Malley angenommen, im Ausbildungsbereich auch künftig mit der Kommission zusammenzuarbeiten, hieß es weiter.

weiterlesen

Wuppertaler Gymnasium verbietet „provozierendes Beten“

Muslime beim Gebet (Symbolbild) © Ralf Hirschberger/DPA
Muslime beim Gebet (Symbolbild) © Ralf Hirschberger/DPA
An einem Gymnasium in Wuppertal gibt es Streit um betende muslimische Schüler. In einer internen Mitteilung habe die Schulleitung des Johannes-Rau-Gymnasiums „provozierendes Beten“ verboten

stern.de

„In den vergangenen Wochen wurde zunehmend beobachtet, dass muslimische Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude für andere deutlich sichtbar beten, signalisiert durch rituelle Waschungen in den Toiletten, das Ausrollen von Gebetsteppichen, das Einnehmen von bestimmten Körperhaltungen. Dies ist nicht gestattet“, zitiert die Nachrichtenseite aus der Mitteilung. Die Schulleitung habe die Lehrer zudem aufgefordert, die Betenden freundlich darauf hinzuweisen, ihre Namen festzustellen und die Fälle zu melden.

weiterlesen

«Verschwörungstheorien sind ein Riesenbusiness – und gehören zur modernen Gesellschaft»

 9/11-Truth-Bewegung: Fest überzeugt, dass der Anschlag auf das World Trade Center 2001 eine Operation unter falscher Flagge war. bild: wikimedia/damond'amato
9/11-Truth-Bewegung: Fest überzeugt, dass der Anschlag auf das World Trade Center 2001 eine Operation unter falscher Flagge war. bild: wikimedia/damond’amato
Giftige Chemtrails, die Rothschild-Connection, Inside-Job 9/11: Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Ein Gespräch mit dem Kulturwissenschafter Michael Butter über den Reiz von Verschwörungstheorien, die Gefahr von Filterbubbles im Netz und warum die Verbreitung von Spekulationen im Netz ein Riesenbusiness ist.

Von William Stern | watson.ch

Wie definieren Sie Verschwörungstheorien?
Michael Butter: Die Wissenschaft unterscheidet zwei Komponenten: Erstens ist eine Verschwörungstheorie eine irrige Annahme, dass eine Gruppe von im Geheimen operierenden Akteuren einen Plan verfolgt, um Staaten oder Institutionen zu unterwandern. Drei Faktoren sind dabei entscheidend: Erstens steckt ein Plan dahinter, zweitens wird dieser Plan von einer Gruppe und nicht nur von einem Individuum ausgeheckt, und drittens schliesslich erfolgt eben alles im Geheimen.

Und die zweite Komponente?
Gleichzeitig ist der Wissenschaft völlig klar, dass der Begriff Verschwörungstheorie nicht neutral ist, sondern als Kampfbegriff dienen kann, um missliebige Gedankengebäude zu delegitimieren. Dann werden Ereignisse mit dem Label Verschwörungstheorie versehen, obwohl sie auf unbestrittenen Fakten basieren.

weiterlesen

Pentagon: Russland hat „versehentlich“ arabische SDF-Kämpfer bombardiert

Mit den Türken sind die von Saudi-Arabien unterstützten Islamisten von Ahrar al-Sham in Al Bab eingerückt. Bild. heise.de/tp
Mit den Türken sind die von Saudi-Arabien unterstützten Islamisten von Ahrar al-Sham in Al Bab eingerückt. Bild. heise.de/tp
Russland weist die Beschuldigung zurück, die Situation in Syrien ist verworren, unübersichtlich und hochexplosive

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Gestern berichtete Generalleutnant Stephen Townsend, der Kommandeur der Anti-IS- Operation Inherent Resolve, dass russische Flugzeuge von den USA ausgebildete arabische Kämpfer bombardiert hätten. Dabei kann es sich nur um Kämpfer der von den syrischen Kurden dominierten SDF (Syrian Democratic Forces) handeln, die sich in der Nähe von Al Bab aufhielten, das von den türkischen Soldaten mit den sie begleitenden Milizen eingenommen wurde.

Vermutlich ging allerdings der Einnahme der lange umkämpften Stadt wie bei Dscharablus ein Deal mit dem Islamischen Staat vorher, der sich aus Al Bab zurückgezogen hat und damit den türkischen Verbänden den Vortritt ließ (IS überlässt türkischen Truppen Al Ban). Auch die syrischen Truppen standen kurz vor der Stadt, es kam bereits zu Schusswechseln zwischen diesen und den türkischen Verbänden. Russland steht zwischen der Türkei und Damaskus und könnte womöglich ausgetrickst worden sein.

weiterlesen

Älteste Fossilien der Erde entdeckt

In diesem Gestein des Nuvvuagittuq-Gürtels in Quebec entdeckten die Forscher die Lebensspuren © Dominic Papineau
In diesem Gestein des Nuvvuagittuq-Gürtels in Quebec entdeckten die Forscher die Lebensspuren © Dominic Papineau
Leben schon vor vier Milliarden Jahren? In einem der ältesten Gesteine der Erde haben Forscher mögliche Spuren des ersten Lebens entdeckt. Die Mikrofossilien bestehen aus winzigen Hämatit-Röhrchen und Filamenten, wie sie noch heute von Bakterien an hydrothermalen Schloten produziert werden. Sollte sich ihr biogener Ursprung bestätigen, wäre dies der älteste Nachweis für Leben auf unserem Planeten, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Klar ist: Irgendwann entstanden auf unserem Planeten die allerersten Zellen und damit das erste Leben. Doch wann dies geschah und in welcher Umgebung, ist bis heute ungeklärt. Einer der Gründe dafür: Es fehlt schlicht an eindeutigen Fossilien, weil die fragilen Zellen nicht erhalten geblieben sind. Forscher sind daher auf indirekte Hinweise angewiesen, darunter Minerale und chemische Verbindungen, die typischerweise erst durch die Tätigkeit von lebenden Zellen entstehen.

weiterlesen

Türkischer Justizminister tritt in Deutschland auf

 Der türkische Justizminister Bekir Bozdağ kommt für einen Wahlkampfauftritt nach Deutschland (Bild von 2013). (Foto: dpa)
Der türkische Justizminister Bekir Bozdağ kommt für einen Wahlkampfauftritt nach Deutschland (Bild von 2013). (Foto: dpa)
  • Die Inhaftierung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel belastet das deutsch-türkische Verhältnis.
  • Ungeachtet dessen will der türkische Justizminister Bozdağ am Donnerstagabend in Baden-Württemberg für das geplante Präsidialsystem von Präsident Erdoğan werben.
  • Viele deutsche Politiker sehen Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland äußerst kritisch.

Süddeutsche.de

Der türkische Justizminister Bekir Bozdağ will am Abend bei einer Veranstaltung im baden-württembergischen Gaggenau auftreten. Die Regierung in Ankara habe mitgeteilt, dass sich Bozdağ auf dem Weg zum Europarat in Straßburg am Donnerstag in Deutschland aufhalten werde, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Nach Angaben der türkischen Regierungspartei AKP handelt es sich um einen Wahlkampfauftritt, bei dem der Minister um Zustimmung für ein Präsidialsystem beim bevorstehenden Referendum in der Türkei werben will.

weiterlesen

Steuert Israel bewusst in die nächste Katastrophe?

 Nach dem Krieg: Israelische Soldaten an ihrem Merkava Panzer an der Grenze zum Gazastreifen Quelle: AFP
Nach dem Krieg: Israelische Soldaten an ihrem Merkava Panzer an der Grenze zum Gazastreifen Quelle: AFP
Ermittlungsbericht übt scharfe Kritik: Die Regierung hätte den Gazakrieg 2014 verhindern können, wenn sie nicht nur auf die Generäle gehört hätte. Und dieser Fehler könnte bald wieder gemacht werden.

Von Gil Yaron | DIE WELT

Israels Premierminister rühmt sich gern mit einer Errungenschaft seiner Sicherheitspolitik: Seit dem Krieg gegen die radikalislamische Hamas vor gut zweieinhalb Jahren, bei dem rund 2200 Palästinenser und 73 Israelis starben, ist es rund um den Gazastreifen ruhiger denn je. Raketen werden nur noch selten auf israelische Dörfer in der Umgebung abgeschossen. Die erfreuen sich eines Bevölkerungszuwachses.

Der Krieg in Gaza – ein voller Erfolg? Nicht nach Auffassung des israelischen Staatskontrolleurs Jossef Schapira , der die Arbeit von Kabinett und Generalstab in der Zeit vor Ausbruch des Krieges untersuchte. Der 200 Seiten lange Bericht spricht von schwerwiegenden Fehlern der Staats- und Armeeführung.

weiterlesen

Von der elitären Speerspitze der rechten Bewegung

emonstration der Identitären Bewegung Österreichs gegen die Einwanderungspolitik. Demonstration_against_Morten_Kj%C3%A6rum_in_Vienna.jpg:Bild: Ataraxis1492/CC BY-SA-3.0
Demonstration der Identitären Bewegung Österreichs gegen die Einwanderungspolitik. Demonstration_against_Morten_Kj%C3%A6rum_in_Vienna.jpg:Bild: Ataraxis1492/CC BY-SA-3.0
Ein Leak mit Strategie- und Schulungspapieren der „Identitären Bewegung“ zeigt die Lücke zwischen Schein und Sein

Von Michael Klarmann | TELEPOLIS

Sie wirken hip, jung, cool und wie eine neurechte Spontitruppe. Sie besetzen den Balkon des Grünen-Parteibüros und bejubeln die Besetzung einer ganzen Parteizentrale. Oder sie klettern auf das Brandenburger Tor, blockieren angeblich spontan die geschlossene CDU-Zentrale und steigen auf das Dach des Kölner Hauptbahnhofs.

Sie zeigen Flaggen oder Banner, filmen die Aktionen professionell selbst und verbreiten die zuweilen flott geschnittenen Videos über die sozialen Medien. Doch was so ungekünstelt und abenteuerlich wirkt bei der „Identitären Bewegung“ (IB), das dürfte gut strukturiert, sorgfältig vorbereitet und nur selten von Spontanität geprägt sein. Zumindest wird dies aus Texten deutlich, die nun geleakt wurden.

Aus Antifakreisen wurden kürzlich 55 Seiten Strategie- und Schulungspapiere der rechtsextremen IB ins Internet gestellt. Eine Handvoll IB-Vertreter soll die Schriftstücke nach dem fluchtartigen Verlassen eines Lokals in Memmingen (Allgäu) bei Erscheinen von Antifaschisten zurückgelassen haben, so dass diese die Texte quasi erbeuten konnten. Aus dieser Sammlung geht hervor, dass die IB hierarchisch und autoritär strukturiert ist und ihre Aktionen oft stabsmäßig geplant sind, sowohl was die Durchführung und die Absicherung als auch die mediale Umsetzung betrifft. Eine rechte Spontitruppe sind die IB also nicht.

weiterlesen

Jean-Marie Le Pen erneut wegen Aussage zu Nazi-Gaskammern verurteilt

Der Gründer des rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen, ist am Mittwoch vom Pariser Berufungsgericht erneut wegen Leugnung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden.

derStandard.at

Der inzwischen aus der Partei ausgeschlossene 88-Jährige hatte die Gaskammern der Nationalsozialisten vor knapp zwei Jahren erneut als „Detail“ der Geschichte des Zweiten Weltkriegs bezeichnet.

„Detail der Geschichte“

Das Berufungsgericht bestätigte am Mittwoch die Entscheidung der ersten Instanz und verurteilte Le Pen zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro. Der Front National bemüht sich unter dem Vorsitz seiner Tochter Marine Le Pen um ein gemäßigteres Image und hatte den Parteigründer 2015 nach monatelangem Krach ausgeschlossen. Grund war damals unter anderem, dass Jean-Marie Le Pen seine Aussage von den Gaskammern als „Detail der Geschichte“ wiederholt hatte, für die er schon früher verurteilt worden war.

weiterlesen

Kardinal Müller: Luthers Lehre kann Korrektiv für katholische Kirche sein

Gerhard L. Müller links im Bild
Gerhard L. Müller links im Bild

„Warum wenden wir uns nicht mit Waffengewalt gegen diese Lehrer des Unrechts, die Kardinäle, Päpste … und waschen unsere Hände in ihrem Blute?“Martin Luther

Lutherische und katholische Vorstellungen über das Wesen der Kirche schließen sich nach Auffassung des Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, nicht aus.

evangelisch.de

Die Kirchenlehre des Reformators Martin Luther (1483-1546) „muss nicht in toto abgelehnt werden und kann auch als Korrektur für eine einseitig auf die sichtbare Gestalt der Kirche festgelegte katholische Ekklesiologie bewertet sein“, sagte er am Mittwoch in Rom. Bei einer Tagung über Luther und die Sakramente an der päpstlichen Gregoriana-Universität betonte Müller, Luther habe niemals eine neue oder andere Kirche gründen wollen. Vielmehr habe er die bestehende Kirche in ihrer ursprünglichen Form wiederherstellen und von falschen Lehren und Praktiken befreien wollen.

weiterlesen

Facebook entschuldigt sich wegen Sperre eines Homophoben Kontos

Ratzinger_HomoDas Facebook-Konto von Elizabeth Johnston wurde gesperrt, als sie Bibelzitate veröffentlichte, die Homosexualität verurteilen. Die soziale Medienseite hat die Sperre jetzt aufgehoben und sich entschuldigt.

kath.net

Facebook hat sich bei der christlichen Bloggerin Elizabeth Johnston für die Sperrung ihres Kontos entschuldigt. Es habe sich um einen Fehler gehandelt, räumte das Unternehmen ein. Johnston, die auf Facebook unter dem Namen „The Activist Mommy“ schreibt, war der Zugang zu ihrem Konto gesperrt worden, nachdem sie Stellen aus der Heiligen Schrift zitiert hatte, welche Homosexualität verurteilen. Kath.net hat berichtet: Facebook-Konto wegen Bibelzitaten zu Homosexualität gesperrt.

weiterlesen

„Wir haben gegen den Hass immer noch kein Mittel gefunden“

Wie gehen Journalisten mit Hasskommentaren um? Der Sozialpsychologe Andreas Zick hat das untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd – enthält aber auch eine Chance.

Interview von Carolin Gasteiger | Süddeutsche.de

Hassattacken auf Journalisten kommen immer häufiger vor und haben psychische Belastungen und Einschränkungen der journalistischen Arbeit zur Folge. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld. Zusammen mit Madlen Preuß und Frederik Tetzlaff hat Andreas Zick im vergangenen November knapp 800 Journalisten zu ihren Erfahrungen mit hate speech befragt. 67 Prozent sagen, dass hasserfüllte Angriffe des Publikums in den vergangenen zwölf Monaten deutlich gestiegen sind. Im Gespräch erklärt Zick, woran sich der Hass entzündet und wie Medien damit umgehen können.

SZ.de: Herr Professor Zick, Ihre Studie ist überschrieben mit „Pressefreiheit in Gefahr – Journalismus in Zeiten von Hate Speech“. Das klingt erst einmal dramatisch.

Andreas Zick: Journalisten können aufgrund der Belastung durch Hasskommentare ihre Aufgabe nicht mehr so erfüllen, wie sie es gern tun würden. Jeder zweite Befragte empfindet hate speech als belastend. 20 Prozent davon haben auch schon körperliche Gewalt erlitten und sind der Meinung, dass die Berichterstattung im öffentlichen Raum, etwa über Demonstrationen, schwieriger geworden ist. Manche fühlen sich von der Polizei nicht ausreichend geschützt. Die Belastung geht so weit, dass sie sich in ihrer Arbeit eingeschränkt fühlen und überlegen, nicht mehr über alles zu berichten.

weiterlesen

White Hat Hackers Warn Of Easy To Hack Household Robots

Yoshina/Flickr
Yoshina/Flickr
In the cult Japanese anime Patlabor, humanity has invented giant worker robots called „Labors,“ but a couple of them go haywire and investigators eventually find out there was malware implanted in the robots‘ new operating system update, which their company made. With the rise of consumer and household robots, that dystopian scenario might be closer to reality than we realize.

By Lorenzo Franceschi-Bicchierai | MOTHERBOARD

In fact, according to two security researchers who have studied a dozen household robots, most of the robots you can buy today have common bugs that potentially makes them hackable.

Cesar Cerrudo and Lucas Apa said they looked into the security of the SoftBank Robotics‘ NAO and Pepper, the UBTECH Robotics‘ Alpha 1S and Alpha 2, the ROBOTIS‘ OP2 and THORMANG3, among others, and found more than 50 bugs in their ecosystem.

read more