Ein Brief an den Papst


Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Wir von netzwerkB (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.) bitten um Veröffentlichung des nachfolgenden Briefes an Papst Franziskus:

His Holiness Pope Franziskus (PERSÖNLICH)
The Apostolic Palace
00120 Vatican City
Europe

Lieber Papst Franziskus,

am 6. November 1993 habe ich im Familienkreis im Beisein der beiden Täter (Pfarrer und Kantor) mein Schweigen über die in der Kindheit und Jugend erlebte sexualisierte Gewalt gebrochen.

Meine Geschichte ist seit Anfang 1994 öffentlich bekannt; hier der Link zu einer Zusammenfassung: https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Denef

Seit 24 Jahren versuche ich die Verbrechen mit der Kirche und den Tätern zusammen aufzuarbeiten – bisher ohne Erfolg.

Da die Verbrechen in der Verantwortung des Bistum Magdeburgs liegen, systematisch verschwiegen, verleugnet und vertuscht wurden, habe ich mehrfach den derzeitigen Magdeburger Bischof Feige um Unterstützung gebeten – anstatt aufzuarbeiten schweigt er.

Den Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Ackermann, habe ich ebenfalls mehrfach um Unterstützung gebeten. Auch er schweigt, anstatt die Aufarbeitung der schrecklichen Verbrechen aktiv zu unterstützen. Den letzten Brief an Bischof Ackermann vom 23.09.2016 füge ich zur Kenntnis als Anlage bei.

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nur wenig Vertrauen in den Aufarbeitungswillen der behördlichen Einrichtung des Vatikans habe, denn wie Sie meiner Biografie bei Wikipedia entnehmen können, versuche ich auch hier schon seit mehreren Jahren Unterstützung bei der Aufarbeitung der Verbrechen des Bistum Magdeburgs zu bekommen – auch hier wird nach wie vor verschwiegen, verleugnet und vertuscht.

Wie ich aus den Medien entnehmen konnte sind Sie bestrebt, dem bestehenden Schweigekartell Ihrer unmittelbaren Mitarbeiter ein Ende zu setzen und stoßen dabei immer wieder auf große Widerstände.

Gern können Sie mit meiner Geschichte den Nachweis erbringen, wie sehr diese bisherige Schweigepraxis, nicht nur durch das Bistum Magdeburg, sondern eben auch durch den Vatikan, schädliche Folgen hat – es ist wie Salz in noch immer offene Wunden.

Seit 2010 vertrete ich als Vorsitzender von netzwerkB (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.) bundesweit die Interessen von Betroffenen. Aus dieser Erfahrung heraus weiß ich, dass meine Geschichte nur eine von sehr vielen ist. Deshalb bitte ich Sie, meine persönliche Geschichte nicht als bedauernswertes Einzelschicksal darzustellen. Ich sehe mich selber nicht als ein solches.

Wir von netzwerkB erwarten von Ihnen, dass Sie eine externe Untersuchung einleiten, um die oben genannten Verbrechen im Bistum Magdeburg aufzuarbeiten.

Wenn Sie sich dafür einsetzen, dass netzwerkB bei der Aufklärung beteiligt wird, könnte verlorenes Vertrauen wieder hergestellt werden.

Mit Schreiben vom 13.05.2013 hatten wir Ihnen einen ‘Akt der Versöhnung‘ vorgeschlagen. Möglicherweise hat man Ihnen dieses Schreiben vorenthalten, deshalb fügen wir es als Anlage bei.

In der Hoffnung, dass Sie uns aktiv bei der Aufarbeitung der Verbrechen des Bistum Magdeburgs, sowie unser Streben nach einem ‘Akt der Versöhnung‘ unterstützen, grüßen wir Sie herzlich und wünschen Ihnen alles Gute.

Vertrauensvoll Ihr

Norbert Denef
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netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Norbert Denef, Vorsitzender

3 Comments

  1. Ob solch ein Schreiben jemals beim Pope Franz auf dem Schreibtisch landet ? Wer´s glaubt wird selig. Selbst wenn´s so wäre, was dann ? Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Was bleibt ist die kalte Wut und die schwache Hoffnung, dass dieses verkommene Gesindel doch noch mal vom Blitz getroffen wird.

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    1. Richtig! Leider genau so zu konstatieren. Hatten wir selbst jetzt schon 10x, wobei Briefe durchaus bei den jeweiligen Dikasterien ankamen, sogar der Empfang bestätigt und letztmalig sogar innerhalb von nur zwei Wochen geantwortet wurde. Doch in Richtung Papstbüro scheint eine undurchdringliche Mauer zu sein, welche dieses Amt nun zumindest seit den letzten drei Amtsinhabern in dessen Stellung karikiert. Pardon! Auch der Glaubenspräfekt wünscht in solchen Fällen nicht zu antworten.

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