Droht Angkor der Zerfall?

An den Tempelanlagen von Angkor nagt der Zahn der Zeit. © F.ChAn den Tempelanlagen von Angkor nagt der Zahn der Zeit. © F.Ch
An den Tempelanlagen von Angkor nagt der Zahn der Zeit. © F.Ch
Dem Untergang geweiht? Die Tempelanlagen rund um Angkor Wat sind das letzte Relikt des einst mächtigen Königreichs der Khmer – doch der Zahn der Zeit nagt ihnen. Forscher haben nun untersucht, wie wahrscheinlich ein Kollaps der Monumente ist und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Das Ergebnis: Langfristig könnten vor allem Grundwasser- und Temperaturschwankungen die Strukturen mürbe machen. Die neuen Erkenntnisse helfen nun dabei, die Ruinen von Angkor besser vor dem Verfall zu schützen.

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Wenn es um die Geschichte Kambodschas geht, fällt den meisten Menschen als erstes Angkor ein – das mächtige Königreich der Khmer, dessen ausgedehnte Städte und Tempel das kambodschanische Tiefland vom 9. bis ins 15. Jahrhundert hinein dominierten. Das berühmteste und größte Bauwerk der einst blühenden Kultur ist die Tempelanlage Angkor Wat. Sie ist zugleich das größte sakrale Gebäude der Welt.

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Türkei schafft vor Referendum das Wort „Nein“ ab

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Rund sechs Wochen vor dem Referendum über eine Verfassungsänderung wächst die Anspannung in der Türkei. Deswegen wird von der regierenden AKP systematisch das Wort „Nein“ aus dem öffentlichen Raum entfernt.

derStandard.at

In der Stadt Kocaeli wurde nun deswegen das Layout der Wasserrechnungen verändert, wie die regierungskritische Tageszeitung „Birgün“ am Donnerstag berichtete.

Auf den Rechnungen stand bisher „Nein zur Wasserverschwendung“. Dieser Spruch, der die Menschen zum Wasser sparen animieren sollte, wurde nun gestrichen. Jetzt steht dort „Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht. Eine gesunde Produktion von uns, ein sparsamer Verbrauch von euch. Wir erhalten Kraft aus dem Wasser.“ Von einem „Nein“ ist auf der gesamten Rechnung keine Spur mehr zu sehen.

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Merkel weist Kritik an abgesagten Ministerauftritten zurück

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Nach zwei geplatzten türkischen Wahlkampfterminen in Deutschland üben Ankara und Berlin gegenseitig scharfe Kritik. Ein erstes Zeichen der Entspannung: Gabriel trifft am Mittwoch Cavusoglu.

DER TAGESSPIEGEL

Der Streit um geplatzte Wahlkampftermine türkischer Minister in Deutschland ist am Freitag zwischen beiden Staaten in ungewohnter Schärfe ausgetragen worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Kritik der türkischen Regierung an dem abgesagten Auftritt von Justizminister Bekir Bozdag in Gaggenau zurückgewiesen. Die Entscheidung über solche Versammlungen liege in Deutschland auf der kommunalen Ebene und nicht bei der Bundesregierung, sagte Merkel am Freitag bei einem Besuch in Tunis.

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Fünf Tricks zur Fastenzeit – Herrgottsbescheißerle

Die Kirche war in alten Zeiten einfallsreich, die strengen Fastenvorschriften zu umgehen. Es gibt viele Legenden, welche Tricks die Menschen anwendeten. Wir erklären, was eine Fischtaufe ist und warum Spanferkel in Klosterbrunnen nichts zu suchen hatten.

Von Julia Martin | katholisch.de

Fleisch war traditionell in der Fastenzeit strengstens untersagt. Im Jahr 590 bestimmte Papst Gegor I., dass warmblütige Tiere nicht mehr auf den Tisch kommen durften. Später kamen noch Butter, Milch, Käse und Eier auf die Verbotsliste. Kurfürst Maximilian ging in Bayern im 17. Jahrhundert sogar soweit, dass er Verstöße mit dem Gefängnis bestrafte. Doch die Not machte vor allem die Ordensleute erfinderisch.

1. Im Wasser leben Fische

Seit dem Konstanzer Konzil (1414-1418) stand fest: Alles, was im Wasser lebt, wird als Fisch gezählt. Und Fische sind ja schließlich erlaubt. Somit kamen in der Fastenzeit neben Fischen auch Biber (wegen ihres geschuppten Schwanzes) und Fischotter auf den Tisch. Das soll angeblich fast zur Ausrottung der Tiere geführt haben. Es heißt, dass vor allem in Klöstern das „Leben unter Wasser“ weit ausgedehnt wurde: Schweine wurden ertränkt und somit zu den „Wassertieren“ gezählt. Diese Praxis führte der Legende nach dazu, dass es in einem barocken Benediktinerkloster dem Abt und Konvent untersagt war, „ein Spanferkel in den Klosterbrunnen zu schmeißen und es wieder herauszuziehen und als Fisch, als Wassertier auch in der Fastenzeit zu essen“.

Frust über die Kurie

missbrauch

Die Irin Marie Collins war die Symbolfigur für den Kampf gegen Kindesmissbrauch. Jetzt tritt sie verärgert aus der päpstlichen Kommission aus. Sie spricht von „Angst vor dem Wandel“.

Von Oliver Meiler | Süddeutsche.de

Als die Irin Marie Collins vor drei Jahren in die päpstliche Kommission für den Schutz der Kinder berufen wurde, hieß es, die Personalie beweise, dass es dem Vatikan endlich ernst sei mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Kirche, der Vertuschung und der Intransparenz. Collins galt als Symbolfigur, als Bannerträgerin des Kampfes. Sie war 13, als sich ein Priester sexuell an ihr verging. Die Berufung in ein päpstliches Gremium, eher selten für Frauen, sollte ihr jahrelanges Engagement für die Opfer pädophiler Geistlicher ehren und auch krönen. Von innen, so hoffte sie wohl, lassen sich die Dinge besser verändern. Nun ist Marie Collins 70 Jahre alt und „frustriert“, wie sie sagt. Sie legt ihre Aufgabe in der Kommission nieder.

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Polit-Troll Cavusoglu: Deutschland muss „lernen, sich zu benehmen“

Nach dem geplatzten Auftritt des türkischen Justizministers in Deutschland hat Außenminister Mevlüt Cavusoglu Deutschland Doppelmoral vorgeworfen.

derStandard.at

Die Türkei könne die Geschehnisse in Gaggenau nicht hinnehmen, sagte Cavusoglu am Freitag vor Journalisten in Ankara. Wenn Deutschland die Beziehungen zur Türkei aufrechterhalten wolle, müsse es „lernen, sich zu benehmen“.

„So kann es nicht weitergehen“, sagte Cavusoglu nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu weiters. „Wenn Sie mit uns arbeiten wollen, müssen Sie lernen, wie Sie sich uns gegenüber zu verhalten haben.“ Die Türkei werde die Behandlung ansonsten „ohne Zögern mit allen Mitteln“ erwidern. „Dann müssen Sie an die Folgen denken.“ Welche Folgen das sein könnten, sagte er nicht.

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„Hinweise, dass es sogar deutlich mehr Scientologen im Haus der Kunst gibt“

 Hinter der Fassade: Im Haus der Kunst sollen weit mehr Scientologen arbeiten als bisher angenommen. (Foto: Lukas Barth)
Hinter der Fassade: Im Haus der Kunst sollen weit mehr Scientologen arbeiten als bisher angenommen. (Foto: Lukas Barth)
  • Unter den Mitarbeitern des Hauses der Kunst soll eine Gruppe Scientology-Anhänger sein – mehr als bisher vermutet.
  • Die SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias fordert, dass das gesamte Management des Hauses geprüft wird, auch die Vorgänger.
  • Der Verfassungsschutz ermittelt. Vom Personalverwalter hat sich das Haus bereits getrennt.
  • Ein Beschäftiger berichtet: Die Scientology-Ideologie soll seine Arbeit direkt beeinflusst haben.

Von Susanne Hermanski | Süddeutsche.de

Im Haus der Kunst verdichten sich die Anzeichen, dass sich im Kreis der Mitarbeiter eine Gruppe von Scientology-Anhängern befindet – deutlich mehr als bisher vermutet. Dies erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus mehreren Quellen.

Vom externen Personalverwalter, der bisher im Fokus des Interesses stand, hat sich das Museum am Mittwoch getrennt. Dies geht aus einer Mitteilung hervor, die Okwui Enwezor, der Leiter des Hauses der Kunst, an seine Belegschaft verschickt hat. Der Aufsichtsratsvorsitzende und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bestätigte dies.

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Was Petry einem US-Reporter über den deutschen Umgang mit der Nazi-Zeit erzählt

 Frauke Petry sorgt mit Äußerungen über den Holocaust für Irritationen © Daniel Reinhardt/DPA
Frauke Petry sorgt mit Äußerungen über den Holocaust für Irritationen © Daniel Reinhardt/DPA
Das „Wall Street Journal“ veröffentlicht eine Reportage über die AfD und die deutsche Rechte. Darin kommt auch Frauke Petry zu Wort. Ihre Zitate über den deutschen Umgang mit dem Holocaust und der NS-Zeit sorgen für Aufregung.

stern.de

Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ hat einen Artikel veröffentlicht, der die Frage aufwirft, wie stark die AfD versucht, Deutschlands Blick auf die eigene Vergangenheit zu verändern. „Die deutsche Rechte glaubt, es ist an der Zeit, die historische Schuld zu verwerfen“ lautet die Überschrift des Stücks. Für den Artikel sprach Reporter Anton Troianowksi auch mit der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry.

Das „Wall Street Journal“ zitiert Petry mit mehreren Aussagen, die schon kurz nach Erscheinen des Artikels für Aufregung sorgten. Angesprochen auf die Ursachen des Zweiten Weltkrieges soll Petry geantwortet haben, dass Kriege in der Regel nur dann stattfinden, wenn mehrere Parteien sie wollten.

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Ausgesetzte Haustiere erobern Mallorca

foto: apa/julian stratenschulte Mangusten gelten als sehr anpassungsfähig und könnten andere Arten auf Mallorca gefährden.
foto: apa/julian stratenschulte Mangusten gelten als sehr anpassungsfähig und könnten andere Arten auf Mallorca gefährden.
Seit ein paar Wochen ist Mallorcas Fauna um eine Art reicher: Fünf Mangusten sind einer deutschen Residentin entwischt, in der Nähe des Dorfes Sant Jordi im Inneren der Mittelmeerinsel. Die Frau meldete den Verlust der Notrufzentrale, seitdem fehlt von der Truppe jede Spur.

Von Brigitte Kramer | derStandard.at

Für die Umweltbehörde der Landesregierung ist das eine Katastrophe, denn als Insel ist Mallorca sehr anfällig, was invasive Arten angeht. Endemische Arten haben mangels natürlicher Fressfeinde oft geringe Chancen, neue Feinde zu überleben. Das Phänomen wurde schon vor 300 Jahren von Naturforschern auf Pazifikinseln dokumentiert. „70 Prozent aller ausgestorbenen Arten waren Endemismen auf Inseln oder in Seen“, sagt der Biologe Joan Mayol im balearischen Umweltamt. „Jede neue Art kann hier eine ökologische Katastrophe auslösen.“

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Ein Photon mit einer Billionen Atome verschränkt

Ein einzelnes Photon ist mit einer ganzen Gruppe von Atomen verschränkt. © Universität Warschau/M. Dabrowski
Ein einzelnes Photon ist mit einer ganzen Gruppe von Atomen verschränkt. © Universität Warschau/M. Dabrowski
Atomklumpen im Quantenzustand: Forscher haben erstmals ein Photon mit einem makroskopischen Objekt verschränkt – einem Klumpen aus einer Billion Atome. Sie konnten dadurch Informationen eines Photons auf die gesamte Gruppe von Rubidium-Atomen übertragen und wieder abrufen. Zudem blieb die Verschränkung mehrere Mikrosekunden stabil – ebenfalls ein wichtiger Fortschritt.

scinexx

Die Zukunft der Informationstechnologie liegt in Quantencomputern. Diese sollen große Datenmengen innerhalb kürzester Zeit verarbeiten. Möglich wird das dank simultan ablaufender Rechenoperationen, welche auf der Überlagerung von Zuständen basieren – auch als Quantenverschränkung bekannt. Wenn zwei Teilchen miteinander verschränkt sind, können Informationen über ihren Zustand sowohl an dem einen, als auch an dem anderen Teilchen ausgelesen werden.

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Gene Drive – demnächst auch für Mäuse?

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Bild „Pazifische Ratte“: Cliff / CC-BY-2.0
Ein Gene Drive kann das Erbgut freilebender Tiere verändern. Nun werden erstmals Szenarien für Säugetiere entwickelt: Abgelegene Inseln sollen von Mäusen befreit werden, um gefährdete Seevögel zu schützen. Und eine Simulation deutet an, dass Gene Drives auch die Zucht von Nutzvieh unterstützen könnten.

Von Volker Henn | TELEPOLIS

Ein Gene Drive kann das Erbgut freilebender Tiere verändern. Nun werden erstmals Szenarien für Säugetiere entwickelt: Abgelegene Inseln sollen von Mäusen befreit werden, um gefährdete Seevögel zu schützen. Und eine Simulation deutet an, dass Gene Drives auch die Zucht von Nutzvieh unterstützen könnten.

Bislang ging es vor allem um Malaria: Ein Gene Drive, der innerhalb weniger Generationen das Erbgut ganzer Populationen verändert, soll Mücken ausrotten und die Verbreitung der Malaria-Erreger verhindern. Doch je intensiver sich Forscher mit der Idee des Gene Drive beschäftigen, umso mehr neue Anwendungen und Ziele bringen sie ins Spiel. Insekten und Infektionskrankheiten lassen sie dabei weit hinter sich.

Nun rücken auch Säugetiere in den Fokus. Im Januar veröffentlichten schottische Forscher die Ergebnisse einer Computer-Simulation, die den Einsatz eines Gene Drive bei der Zucht von Nutztieren durchspielt. Und Anfang Februar berichtete das MIT Technology Review über zwei Forschergruppen, die mit Mäusen experimentieren: Gene Drives sollen wildlebende Populationen in den Zusammenbruch treiben.

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„Die Flüchtlinge sind nicht schuld am Unglück der Dresdner Mittelschicht“

 Stefanowitsch:
Stefanowitsch: „Ich glaube, dass die Idee, dass man mit dem Volk sprechen kann, schon in sich populistisch ist.“ (Foto: picture alliance / dpa)
Der Linguist Anatol Stefanowitsch erklärt, warum man die AfD eine rechtsextreme Partei nennen sollte – und warum die Sprache der Politiker nicht das Problem ist.

Interview von Dominik Fürst | Süddeutsche.de

Die Rechtspopulisten haben Aufwind: Donald Trump ist US-Präsident, in Frankreich droht ein Sieg Marine Le Pens bei der Präsidentschaftswahl und in Deutschland ist die AfD in Umfragen drittstärkste Partei. Woher rührt der Erfolg dieser Parteien? Und bezeichnet man sie mit „Rechtspopulisten“ eigentlich korrekt? Professor Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, erklärt im Interview, was Populismus ausmacht und wieso der Begriff oft unpassend ist.

SZ: Herr Stefanowitsch, oft heißt es, die Politiker der etablierten demokratischen Parteien hätten die einfache Sprache verlernt.

Anatol Stefanowitsch: Das ist eigentlich erstaunlich, denn den Politikern, die wir haben, kann man nicht vorwerfen, dass sie sich sprachlich besonders komplex äußern würden. Weder bei Horst Seehofer noch bei Martin Schulz noch bei Angela Merkel hat man das Gefühl, dass das Volk nicht mehr versteht, wovon hier geredet wird. Und die Tatsache, dass diese Parteien nach wie vor neunzig Prozent der Wählerstimmen bekommen, zeigt ja auch, dass keine große Entfremdung stattgefunden hat.

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Inhaftierung von Minderjährigen „nicht ausschließen“

EU-Kommission © 4nitsirk auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
EU-Kommission © 4nitsirk auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Zukunft der EU ist offen, doch in der Flüchtlingskrise lässt sich Brüssel keine Müdigkeit anmerken: Die Kommission wartet mit immer neuen Rat- und Vorschlägen auf. Am Donnerstag standen unter anderem Abschiebungen auf der Agenda.

MiGAZIN

Die EU-Kommission will Migranten ohne Bleiberecht schneller abschieben lassen und hat dazu Empfehlungen an die europäischen Hauptstädte und die Grenz- und Küstenwache Frontex gerichtet. „Wir müssen die Menschen in Not schützen, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass diejenigen, die kein Recht auf Aufenthalt in der EU haben, zurückkehren“, erklärte Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos am Donnerstag in Brüssel. Amnesty International warf der EU-Kommission „Grausamkeit und Heuchelei“ vor.

Die Kommission empfiehlt den EU-Mitgliedsländern, „systematisch Rückkehrentscheidungen ohne Ablauffrist“ zu erlassen und Entscheidungen über das Ende des legalen Aufenthalts mit Rückführungsentscheidungen zu kombinieren. So sollen doppelte Arbeit und Zeit gespart werden. Wenn ein Verdacht auf Missbrauch des Asylsystems besteht, empfiehlt die Behörde beschleunigte Asylverfahren.

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Erdogan muss ein Visum für Deutschland verweigert werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara kurz vor einer gemeinsamen...Foto: Lefteris Pitarakis/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara kurz vor einer gemeinsamen…Foto: Lefteris Pitarakis/dpa
Die Bundesregierung verfolgt den falschen Ansatz im Umgang mit Erdogan. Wandel durch Anbiederung? Das ist vorbei. Ein Kommentar.

Von Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Der, sagen wir mal, geschmeidige realpolitische Umgang mit Autokraten und Diktatoren wie Recep Tayyip Erdogan hat immer etwas Unmoralisches. Weil wirtschaftliche Interessen am Ende immer wichtiger genommen werden als moralische Maßstäbe. Oder weil Erdogan uns von dem Problem – so nennt man das ja hierzulande inzwischen – der Flüchtlinge befreit. Dass die verwahrlosen und verzweifeln in den griechischen Auffanglagern, dass die in Belgrad, das bekanntlich mitten in Europa liegt, erfrieren, stört dann nur noch uns Journalisten.

Uns, die vierte Gewalt? Nein, uns, die vierte Säule der Demokratie. Ohne uns, die vierte, gerät das Gebäude in Schieflage. Dann muss nur noch eine einzige Säule bröckeln und alles stürzt zusammen. Deshalb ist der Umgang mit Deniz Yücel so wichtig.

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Gericht spricht Ex-Präsident Mubarak frei

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB
Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak trägt keine Mitschuld am Tod Hunderter Demonstranten im Frühjahr 2011. Das hat das Oberste Gericht des Landes entschieden.

SpON

Ägyptens Oberstes Gericht hat Ex-Präsident Hosni Mubarak vom Vorwurf freigesprochen, eine Mitschuld am Tod Hunderter Demonstranten im Frühjahr 2011 zu tragen. Das teilte ein Justizbeamter mit, zuvor hatte bereits die ägyptische Zeitung „al-Ahram“ berichtet. Das Urteil des Berufungsgerichts ist endgültig.

Der 88-Jährige war am Donnerstag erstmals seit Beginn des Berufungsprozesses vor Gericht erschienen. Dort beteuerte er seine Unschuld: „Das ist nicht passiert“, beantwortete er die Frage des Richters nach den Vorwürfen.

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Wenn Männergruppen ein Mädchen jahrelang vergewaltigen – und die Stadt schweigt

 Zwei Jahre musste das Mädchen unter den Übergriffen leiden (Symbolbild) © Getty Images
Zwei Jahre musste das Mädchen unter den Übergriffen leiden (Symbolbild) © Getty Images
Mehrmals in der Woche lauerten ihr die Männer vor der Schule auf: Über zwei Jahre hinweg wurde ein Mädchen in Süditalien immer wieder systematisch vergewaltigt. Von den Einwohnern des Städtchens will niemand etwas mitbekommen haben.

stern.de

Als das Martyrium begann, war das Mädchen gerade 13 Jahre alt. Ein Teenager, der eben die ersten Erfahrungen mit der Liebe gemacht hatte. Doch was als Romanze begann, endete in einem Alptraum. Der Ex-Freund der 13-Jährigen begann, sie gemeinsam mit Freunden zu vergewaltigen. Er habe sie quasi an seine Kumpel „verliehen“, schreibt die italienische Zeitung „La Repubblica“. Mindestens zweimal pro Woche hätten die Männer nach der Schule auf sie gewartet. Immer wieder wurde sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen und dabei auch fotografiert, mit den Bildern erpressten die Männer sie.

Tatverdächtig sind laut italienischen Medien sieben bis neun Männer, die meisten zwischen 20 und 30 Jahre alt. Zwei Jahre lang musste das Mädchen die Übergriffe über sich ergehen lassen, ohne dass sie es wagte, zur Polizei zu gehen. Unter den Männern befand sich der Sohn eines Armeeoffiziers sowie der Bruder eines Polizisten. Kopf der Bande soll Giovanni Iamonte gewesen sein – Sohn des einflussreichsten Mafiabosses der Stadt.

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Katholische US-Hilfsorganisation verteilt Kondome

Josh_kondom Themen-Bild: youtube
Josh_kondom Themen-Bild: youtube
Das ‚Lepanto Institute’ hat Dokumente veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass das ‚Catholic Medical Mission Board’ an Hilfsprogrammen beteiligt ist, bei denen Kondome verteilt werden.

kath.net

Das „Catholic Medical Mission Board“ (CMMB), eine weltweit tätige katholische Wohltätigkeitsorganisation mit Sitz in New York City, war und ist an Hilfsprogrammen beteiligt, bei denen Kondome verteilt werden. Das hat eine Untersuchung des „Lepanto Institute“ ergeben.

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Schwerkranke können Anspruch auf tödliche Dosis Betäubungsmittel für Suizid haben

todesspritze

In Extremfällen sollen Menschen bestimmen dürfen, wie und wann sie sterben wollen. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden.

Süddeutsche.de

In Extremfällen können sterbewillige Patienten in Deutschland eine tödliche Dosis Betäubungsmittel zum Suizid erhalten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag entschieden (Aktenzeichen: BVerwG 3 C 19.15).

Schwerkranke Patienten hätten gemäß dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen in Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes das Recht zu entscheiden, wann und wie sie sterben möchten – vorausgesetzt, sie können ihren Willen frei bilden und danach handeln, hieß es zur Begründung in einer Pressemitteilung.

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Im Auftrag des Herrn – Mumpitz

Fromme Geschichtslektion: Martin Scorsese folgt in „Silence“ zwei Missionaren nach Japan. Und stellt dabei die Wirklichkeit des Kolonialismus auf den Kopf.

Von Christian Schröder | DER TAGESSPIEGEL

Als Jesus von den Toten auferstand und zum letzten Mal seine Jünger traf, befahl er ihnen: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium zu allen Menschen.“ Mit diesem Auftrag begann nicht bloß die Geschichte der Missionierung, sondern auch die des Kolonialismus. Denn mit den Predigern schwärmten auch Soldaten und Händler aus. Sie machten sich die Welt untertan.

Der Missionsbefehl aus dem Matthäus-Evangelium wird gleich am Anfang von Martin Scorseses Film „Silence“ aus dem Off zitiert. Die Jesuiten Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garpe (Adam Driver) brechen von Lissabon nach Japan auf. Sie wollen ihren Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) finden, der dem Christentum abgeschworen haben und zum Buddhismus übergetreten sein soll. „Silence“ beginnt im Jahr 1637. Japan hat sich abgeschottet und verfolgt Christen mit brutaler Härte. „Von dem Augenblick an, in dem ihr das Land betretet, seid ihr in Lebensgefahr“, warnt der Abt die beiden Missionare.

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Was mit dir passiert, wenn du Snowden bei dir versteckt hast

Bild: Jayne Russell / imago
Bild: Jayne Russell / imago
Snowdens Geschichte ist schon tausendfach erzählt worden. Hier möchten wir die Flüchtlinge zu Wort kommen lassen, die Snowden auf der Flucht Asyl gaben, obwohl sie selbst kaum etwas haben.

Von Theresa Locker | MOTHERBOARD

Hier die USB-Sticks. Da die verschlüsselten Festplatten. Im Gepäck die streng geheimen, gestohlenen Powerpoint-Präsentationen der NSA. Und die Kamera läuft. Er hatte sich so gut vorbereitet: Als Edward Snowden im Juni 2013 den NSA-Enthüllungen in Hongkong ein Gesicht und einen Namen gab, ließ er im Interview kein Detail aus – und fiel danach erschöpft ins Bett. Nur an eine Kleinigkeit hatte er nicht gedacht: Dass es auf der ganzen Welt keinen sicheren Ort mehr für ihn geben würde, nachdem die Bombe geplatzt war.

Das Gesicht des Whistleblowers flimmerte bereits millionenfach über die Bildschirme des Globus, da klingelte beim Menschenrechtsanwalt Robert Tibbo das Telefon. Edward Snowden, der Mann auf allen Kanälen, saß in seinem Hotel in Hongkong fest, von allen gejagt. Es begann ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Spionagekrimi, der trotz der Prominenz des Falls Snowden über drei Jahre lange geheim bleiben sollte. Tibbo überlegte nicht lang: Es gab nur einen Ort, an dem er ihn verstecken konnte.

Sein wohl ungewöhnlichster Mandant floh mit Tibbos Hilfe unbemerkt aus dem Luxushotel Mira in die provisorischen Baracken in die Slums der Finanzmetropole, wo ein Großteil seiner Klienten hauste. Knapp zwei Wochen würde Snowden nun ganz unten leben. Sein Versteck verließ er erst wieder, um in einer Nacht- und Nebelaktion ein Flugzeug Richtung Moskau zu besteigen, wo er bis heute gestrandet ist.

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