„Die Flüchtlinge sind nicht schuld am Unglück der Dresdner Mittelschicht“


 Stefanowitsch:
Stefanowitsch: „Ich glaube, dass die Idee, dass man mit dem Volk sprechen kann, schon in sich populistisch ist.“ (Foto: picture alliance / dpa)
Der Linguist Anatol Stefanowitsch erklärt, warum man die AfD eine rechtsextreme Partei nennen sollte – und warum die Sprache der Politiker nicht das Problem ist.

Interview von Dominik Fürst | Süddeutsche.de

Die Rechtspopulisten haben Aufwind: Donald Trump ist US-Präsident, in Frankreich droht ein Sieg Marine Le Pens bei der Präsidentschaftswahl und in Deutschland ist die AfD in Umfragen drittstärkste Partei. Woher rührt der Erfolg dieser Parteien? Und bezeichnet man sie mit „Rechtspopulisten“ eigentlich korrekt? Professor Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, erklärt im Interview, was Populismus ausmacht und wieso der Begriff oft unpassend ist.

SZ: Herr Stefanowitsch, oft heißt es, die Politiker der etablierten demokratischen Parteien hätten die einfache Sprache verlernt.

Anatol Stefanowitsch: Das ist eigentlich erstaunlich, denn den Politikern, die wir haben, kann man nicht vorwerfen, dass sie sich sprachlich besonders komplex äußern würden. Weder bei Horst Seehofer noch bei Martin Schulz noch bei Angela Merkel hat man das Gefühl, dass das Volk nicht mehr versteht, wovon hier geredet wird. Und die Tatsache, dass diese Parteien nach wie vor neunzig Prozent der Wählerstimmen bekommen, zeigt ja auch, dass keine große Entfremdung stattgefunden hat.

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