Was mit dir passiert, wenn du Snowden bei dir versteckt hast


Bild: Jayne Russell / imago
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Snowdens Geschichte ist schon tausendfach erzählt worden. Hier möchten wir die Flüchtlinge zu Wort kommen lassen, die Snowden auf der Flucht Asyl gaben, obwohl sie selbst kaum etwas haben.

Von Theresa Locker | MOTHERBOARD

Hier die USB-Sticks. Da die verschlüsselten Festplatten. Im Gepäck die streng geheimen, gestohlenen Powerpoint-Präsentationen der NSA. Und die Kamera läuft. Er hatte sich so gut vorbereitet: Als Edward Snowden im Juni 2013 den NSA-Enthüllungen in Hongkong ein Gesicht und einen Namen gab, ließ er im Interview kein Detail aus – und fiel danach erschöpft ins Bett. Nur an eine Kleinigkeit hatte er nicht gedacht: Dass es auf der ganzen Welt keinen sicheren Ort mehr für ihn geben würde, nachdem die Bombe geplatzt war.

Das Gesicht des Whistleblowers flimmerte bereits millionenfach über die Bildschirme des Globus, da klingelte beim Menschenrechtsanwalt Robert Tibbo das Telefon. Edward Snowden, der Mann auf allen Kanälen, saß in seinem Hotel in Hongkong fest, von allen gejagt. Es begann ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Spionagekrimi, der trotz der Prominenz des Falls Snowden über drei Jahre lange geheim bleiben sollte. Tibbo überlegte nicht lang: Es gab nur einen Ort, an dem er ihn verstecken konnte.

Sein wohl ungewöhnlichster Mandant floh mit Tibbos Hilfe unbemerkt aus dem Luxushotel Mira in die provisorischen Baracken in die Slums der Finanzmetropole, wo ein Großteil seiner Klienten hauste. Knapp zwei Wochen würde Snowden nun ganz unten leben. Sein Versteck verließ er erst wieder, um in einer Nacht- und Nebelaktion ein Flugzeug Richtung Moskau zu besteigen, wo er bis heute gestrandet ist.

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