Komplizen des Holocaust

Warschau unter deutscher Herrschaft 1940: Eine Frau sitzt in einer Straßenbahn, mit der nur Juden fahren durften. Bei anderen Verkehrsmitteln wiederum war die Benutzung für Juden verboten. Auf diese Weise trennten die Besatzer Juden und Nicht-Juden voneinander. Wenig später begannen die NS-Führung mit der systematischen Ermordung der jüdischen Europäer. (Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)
Historiker Götz Aly dokumentiert die Judenfeindschaft in Europa vor 1945 – und den Hass auf Holocaust-Überlebende nach dem Zweiten Weltkrieg.

Rezension von Barbara Distel | Süddeutsche.de

Es ist sicherlich nicht rufschädigend zu behaupten, dass Götz Aly, den die Welt als „Bestsellerautor, Journalist und Historiker“ tituliert, umstritten ist. Der heute fast Siebzigjährige hat es im Laufe von Jahrzehnten immer wieder verstanden, Mitglieder seiner Zunft vor den Kopf zu stoßen, persönlich zu kränken oder lächerlich zu machen.

Wandte sich in den 1980er Jahren seine Kampfeslust gegen das zeithistorische Establishment, so überraschte er seine Leser in späteren Jahren mit warmen Worten für Professor Ernst Nolte, der 1986 den Historikerstreit mit der Frage ausgelöst hatte, ob der Holocaust eine Reaktion der Nationalsozialisten auf vorausgegangene Massenverbrechen des Gulag-Systems in der Sowjetunion gewesen war.

Mitarbeiter von Gedenkstätten bezeichnete er als „schlecht getarnte Langweiler, die einfallslos und betulich an ihren Lebenszeitstellen kleben und den Status quo verteidigen“. Und in seinem Buch „Unser Kampf“ (2010) polemisierte er gegen die Studentenbewegung der 1968er Jahre, der er selbst angehört hatte und deren Wirken er im Nachhinein als „kollektiven Wahn“ apostrophierte.

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NS-Kriegsverbrechen: Polen beantragt Auslieferung von US-Bürger

Polen will die USA um Auslieferung eines mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers ersuchen, der 1944 die Hinrichtung von 44 Menschen befohlen haben soll. Dies verlautete am Dienstag aus Justizkreisen.

Die Presse.com

Nach Angaben des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN), das Verbrechen aus der Zeit der NS-Besatzung und des Kommunismus aufdeckt, handelt es sich um den 98 Jahre alten Michael Karkoc, einen im Bundesstaat Minnesota lebenden US-Bürger.

Das Institut werfe Karkoc Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor, sagte der Leiter des IPN-Regionalbüros Lublin, Jacek Nowakowski, der Nachrichtenagentur AFP. Bereits im Juni 2012 hatte das Simon-Wiesenthal-Zentrum das US-Justizministerium aufgefordert, gegen Karkoc zu ermitteln. Dieser werde verdächtigt, Kommandant einer ukrainischen SS-Einheit gewesen zu sein, die „Gräueltaten an Zivilisten“ begangen habe.

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Erdogan wirft den Niederlanden das Massaker von Srebrenica vor

„Wir kennen die Holländer noch vom Massaker von Srebrenica“, sagt der türkische Präsident Erdogan. Der niederländische Premier nennt das „widerliche Geschichtsverfälschung“.

Die Presse.com

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Niederlanden im Streit um die Auftrittsverbote seiner Minister das Massaker im bosnischen Srebrenica angelastet. „Wir kennen Holland und die Holländer noch vom Massaker von Srebrenica“, sagte Erdogan am Dienstag bei einer Veranstaltung in Ankara.

„Wie verdorben ihre Natur und ihr Charakter ist, wissen wir daher, dass sie dort 8000 Bosniaken ermordet haben.“ Erdogan fügte hinzu: „Niemand soll uns Lektionen in Zivilisation geben. Dieses Volk hat ein reines Gewissen. Aber deren Gewissen ist pechschwarz.“

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Staatsknete: Wie sich der Berliner Senat zum Kirchentag prostituiert

Legt sich immerhin nicht mit der Kirche ins Bett: Bürgermeister Müller mit Kirchentagspräsidentin Aus der Au, Landesbischof Dröge und Kirchentags-Generalsekretärin Ueberschär (v. r. n. l.) Foto: dpa
Der Senat fördert den Kirchentag üppig und verweist auf millionenschwere Umsätze für die Berliner Wirtschaft. Leider geht die Rechnung nicht auf.

Von Claudius Prösser | taz.de

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Zum Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin stattfindet, werden 140.000 BesucherInnen erwartet. Der Senat bezuschusst die Großveranstaltung mit 8,4 Millionen Euro und begründet dies unter anderem mit wirtschaftlichen Effekten für die Stadt. Die Zahlen, mit denen er dabei hantiert, entbehren allerdings jeder Grundlage.

Kritik an der Förderung von Kirchen- und Katholikentagen gibt es regelmäßig. Dabei fällt gerade in Berlin das Missverhältnis zwischen den Zuwendungen und der Zahl der Religionsangehörigen auf: Wenig mehr als 16 Prozent der BerlinerInnen gehörten 2016 noch einer evangelischen Kirche an, die KatholikInnen kamen auf unter 9 Prozent. Der Rest gehört einer anderen oder – größtenteils – gar keiner Religion an.

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Papst gegen den „Götzenkult“ der NS-Ideologie

Pius XI. und Mussolini.
AP; AFP/picturedesk.com (Montage)
Der Vatikan verurteilt öffentlich die herrschenden Verhältnisse in NS-Deutschland: „Mit brennender Sorge“ nannte Papst Pius XI. die Enzyklika, die er vor 80 Jahren unterzeichnete.

Von Bettina Gabbe | evangelisch.de

Darin warnte er vor den Gefahren der Hitler-Diktatur und brandmarkte die nationalsozialistische Ideologie als antichristliche Ersatzreligion, allerdings ohne Hinweis auf die Judenverfolgung. Ausnahmsweise war das päpstliche Rundschreiben vom 14. März 1937 nicht auf Latein verfasst, sondern auf Deutsch. Es wurde vervielfältigt und in Deutschland von allen katholischen Kanzeln verlesen.

Grundlegendes Dokument über das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Hitler-Regime

Die Enzyklika war das erste grundlegende Dokument über das Verhältnis der katholischen Kirche zum Hitler-Regime. Wie war es dazu gekommen? Zunächst hatte der Vatikan versucht, sich den Nationalsozialisten anzunähern, um die katholische Kirche in Deutschland zu schützen. Kurz nach der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 hegten in der Kirche viele die Hoffnung, er werde den als weitaus größeres Übel angesehenen Kommunismus bekämpfen.

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Texas: Gesetzentwurf fordert 100 Dollar Strafe für Masturbation

Screenshot aus dem Film Monty Python’s The Meaning of Life
Abgeordnete will mit dem Vorstoß Verschärfung des Abtreibungsrechts kritisieren

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

In Zeiten zunehmend neopuritanischer Subkulturen an US-Universitäten kann man sich nicht mehr ganz sicher sein, ob ein Gesetzentwurf, der Masturbation mit einer Strafe in Höhe von 100 Dollar belegt, ernst gemeint ist oder nicht. Jessica Farrar, der demokratische Abgeordnete, die diesen Gesetzentwurf mit der Nummer 4260 im texanischen Repräsentantenhaus einbrachte, geht es jedoch nicht um Zwang zum Verzicht, sondern darum, auf ein ihrer Ansicht nach zunehmend aus dem Ruder laufendes Abtreibungsrecht aufmerksam zu machen.

In Texas müssen Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen wollen (ähnlich wie in Deutschland) zu einer vorhergehenden Beratung verpflichtet. Dabei zeigt man ihnen Bilder von Föten, lässt sie deren Herzschlag hören und warnt sie vor einem angeblich erhöhten Brustkrebsrisiko nach Schwangerschaftsabbrüchen – was Farrar für wissenschaftlich nicht haltbar und für „Manipulation“ hält. Außerdem bricht der Fötenschutz in diesem US-Bundesstaat Patientenverfügungen: Befindet sich eine Frau (beispielsweise nach einem Unfall oder einer Gehirnblutung) in einem Zustand, in dem sie eigentlich nicht mehr künstlich am Leben erhalten werden will, müssen Ärzte das trotzdem tun, wenn sie schwanger ist.

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EuGH erlaubt Kopftuchverbot im Job unter Umständen

Themenbild
Arbeitgeber können das Tragen eines Kopftuchs untersagen, wenn weltanschauliche Zeichen generell in der Firma verboten sind und es gute Gründe gibt. Das entschied der Europäische Gerichtshof am Dienstag in Luxemburg.

Frankfurter Allgemeine

Arbeitgeber können das Tragen eines Kopftuchs untersagen, wenn weltanschauliche Zeichen generell in der Firma verboten sind und es gute Gründe gibt. Das entschied der Europäische Gerichtshof am Dienstag in Luxemburg.

Vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg wurden zwei Fälle aus Belgien und Frankreich verhandelt. Im belgischen Fall ging es um Samira A., die drei Jahre lang als Rezeptionistin in einem belgischen Sicherheitsunternehmen arbeitete. Im April 2006 kündigte sie an, sie werde ihr Kopftuch künftig auch während der Arbeitszeit tragen, statt wie bisher nur in der Freizeit. Das widersprach aber der internen Arbeitsordnung: „Es ist den Arbeitnehmern verboten, am Arbeitsplatz sichtbare Zeichen ihrer politischen, philosophischen oder religiösen Überzeugungen zu tragen und/oder jeden Ritus, der sich daraus ergibt, zum Ausdruck zu bringen“, stand dort. Wenig später wurde A. mit einer Abfindung entlassen – und zog vor Gericht.

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Vulkane schuld am „Schneeball Erde“?

Vor rund 717 Millionen Jahren war die fast gesamte Erde vereist – wie ein Schneeball im All. © NASA
Erst Feuer, dann Eis: Gewaltige Vulkanausbrüche könnten unseren Planeten vor rund 717 Millionen Jahren in einen „Schneeball Erde“ verwandelt haben. Denn zu dieser Zeit gab es in der Franklin-Vulkanprovinz im Norden Kanadas langanhaltende Eruptionen, wie Forscher berichten. Diese schleuderten enorme Mengen Schwefelgase bis in die Stratosphäre und könnten so das Klima abrupt stark abgekühlt haben.

scinexx

Vor rund 717 Millionen Jahren erlebte die Erde eine dramatische globale Kältephase, bei der Gletscher und Eis bis weit in die Tropen hinein vorrückten. Nur noch wenige Meeresgebiete könnten während dieser „Schneeball Erde“ -Phase eisfrei geblieben sein – und bewahrten so das Leben auf unserem Planeten vor dem Aus.

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Koordinierungszentrum für Abschiebungen nimmt Arbeit auf

Das zwischen Bund und Ländern vereinbarte Zentrum zur Koordinierung von Abschiebungen hat seinen Betrieb aufgenommen. Bund und Länder wollen sich beim Vollzug von Abschiebungen besser abstimmen, um die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen.

MiGAZIN

Bund und Länder haben am Montag offiziell das Startzeichen für ihr gemeinsames Zentrum zur Koordinierung von Abschiebungen gegeben. Das Zentrum mit Sitz in Berlin soll dazu beitragen, dass es mehr Rückführungen abgelehnter Asylbewerber gibt. Dazu sollen Experten aus Bund und Ländern sich unter anderem um die Beschaffung von Passpapieren kümmern und Identitäten klären. Auch die Bearbeitung besonderer Einzelfälle, etwa im Fall von Gefährdern oder Intensivtätern, soll in dem neuen Zentrum erfolgen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der stellvertretende Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Ressortchef Holger Stahlknecht (CDU), nahmen am Montag an der Auftaktsitzung des „Zentrums zur Unterstützung der Rückkehr“ teil. De Maizière zufolge arbeitet derzeit eine Art Aufbaustab in dem Zentrum. Ab Mai soll die Stelle voll arbeitsfähig sein. Der Bund entsendet dazu Personal aus dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Bundespolizei. Die Länder sollen jeweils mindestens einen Mitarbeiter in das Zentrum entsenden. Für den Start wird mit etwa 40 Mitarbeitern gerechnet.

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AfD: Zurück in die Nationalstaaterei

Bild. heise.de/tp
Vermögenssteuer abschaffen. Mindestlohn ebenfalls. Mittelstand fördern. Klimawandel gibt es nicht. Aufrufe mahnen zur Einheit der Partei angesichts des Ausschlussantrags gegen Bernd Höcke.

Von Annette Hauschild | TELEPOLIS

Die Alternative für Deutschland (AfD) in Nordrhein-Westfalen präsentiert eine Bundestagswahlliste, die bis zum Platz 22 nur Männer enthält. Erfahrene Mandatsträger sind kaum darunter, die stehen schon auf der Liste für die Landtagswahl, die ebenfalls in diesem Jahr stattfindet. Volkswirte, Unternehmensberater, Geschäftsführer, Techniker, Handwerker und Mittelständler, sie alle wollen in den Bundestag. Es sind überwiegend Parlamentsneulinge, die für die AfD NRW in den Bundestag wollen.

Deutsches Geld für deutsche Rentner, nicht für die Bankenrettung in den „Rotweinstaaten“. Als solche werden die südlichen EU-Mitglieder Spanien, Portugal, Italien und Griechenland AfD-intern bezeichnet. Kampf der Genderisierung, Familiensplitting für deutsche Kinder und raus aus dem Euro/der Europäischen Union. Zurück zu einem „Europa der Vaterländer“, der Nationalstaaten, ähnlich wie in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Das sind Forderungen aus dem Wahlprogramm der AfD für die Bundestagswahl 2017. Flüchtlinge sollen ihre Familien nicht nachholen dürfen, und kriminellen Deutschen mit Migrationshintergrund soll die Staatsbürgerschaft entzogen werden.

Die Parteienfinanzierung soll reformiert werden. Eine zeitliche Begrenzung der Mandate auf vier Jahre bei Abgeordneten und auf zwei Legislaturperioden bei politischen Spitzenämtern erinnert stark an die Vorstellungen der Grünen in den 1980er Jahren vom „Rotationsprinzip“. Die Grünen gaben dieses Vorhaben damals relativ schnell auf, weil es sich für sinnvolle Fachpolitik als nicht praktikabel erwies.

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Teenager: Gehirn als Baustelle

In der Pubertät verändern sich nicht nur die Hormone, auch das Gehirn der Jugendlichen wird umgebaut. © Diego Cervo/ thinkstock
Neuronaler Ausnahmezustand: Während der Pubertät ähnelt das Gehirn von Teenagern einem Baustellen-Parcours. Denn viele Hirnareale werden nun umstrukturiert – und das teilweise drastisch. Welche Hirnbereiche besonders betroffen sind, haben nun US-Forscher aufgedeckt. Demnach werden vor allen Netzwerke für höhere Denkfunktionen und die Sprache in der Pubertät zur Baustelle – was einige der Verhaltensänderungen von Heranwachsenden erklären könnte.
In der Pubertät verändern sich nicht nur die Hormone, auch das Gehirn der Jugendlichen wird umgebaut.

scinexx

Teenager ticken anders: Kaum kommen Kinder in die Pubertät, verändert sich ihr Verhalten oft radikal. Sie werden reizbarer und unberechenbarer, ihr Schlafrhythmus verschiebt sich und auch Lernverhalten, ihre Motivierbarkeit und sogar ihr Intelligenzqzuotient ändern sich. Studien legen zudem nahe, dass sich auch die Struktur des Gehirns bei den heranwachsenden ändert. Doch wo genau dies geschieht und wie stark, blieb bisher weitgehend ungeklärt.

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Ein Amt in Thüringen hat eine Methode gegen Reichsbürger-Terror gefunden

Bild: VICE.com
Wie gefährlich sogenannte Reichsbürger sein können, wissen wir spätestens seit vergangenem Oktober, als Wolfgang P. das Feuer auf SEK-Beamte eröffnete, die gekommen waren, um ihm seine rund 30 Waffen abzunehmen. Einer der Beamten erlag seinen Verletzungen.

Von Matern Boeselager | VICE.com

Nicht immer ist es aber offene Gewalt, mit der Anhänger der Reichsbürger-Ideologie Staatsangestellte terrorisieren. Manche überziehen die verhassten Behörden mit ausgedachten Geldstrafen-Katalogen, nutzen eine Gesetzeslücke auf Malta, um kleinen Sachbearbeitern Schulden in Milliardenhöhe anzudichten, oder pöbeln Polizisten an. Den ganzen Katalog an Irrsinn, mit dem Reichsbürger versuchen, die Behörden zu terrorisieren, haben wir hier zusammengestellt.

Am beliebtesten ist die Methode, die Behörde, mit der man gerade Stress hat, mit ellenlangen, völlig sinnlosen Anträgen und Deklarationen zu fluten. Und zwar am besten nachts, damit niemand das Fax ausstöpseln kann, wenn gerade wieder ein zweihundertfünfzig Seiten langes Traktat über die Unrechtmäßigkeit von Verkehrsschildern nach dem Gildenrecht der Hanse von 1392 eintrudelt. Weil Behörden grundsätzlich gezwungen sind, auf Anschreiben von Bürgern zu reagieren, machen diese Faxen den Mitarbeitern enorm viel Arbeit – und hindern sie daran, sich um echte Probleme zu kümmern.

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Studentenvertreter: „Jüdische Rechte sind Menschenrechte“

Benjamin Fischer, Präsident der Europäischen Union jüdischer Studierender, verortet Sicherheitsbedenken bei jüdischen Studierende
Benjamin Fischer, Präsident der Europäischen Union jüdischer Studierender, sieht einen Anstieg des Antisemitismus an Unis

Interview Vanessa Gaigg | derStandard.at

STANDARD: Gibt es an Hochschulen im Gegensatz zum Stammtisch eine höhere Barriere, was antisemitische Ausfälle betrifft?

Fischer: Was ich aufgrund persönlicher Erfahrung weiß: Nur weil man zu einer gehobenen Bildungsschicht gehört, heißt das noch lange nicht, dass man diskriminierungsfrei ist. Auch an Hochschulen habe ich grobe Stammtischsprüche mitbekommen oder wurde als Jude beschimpft.

STANDARD: Wie macht sich Antisemitismus an den Universitäten bemerkbar?

Fischer: Was auf dem Campus immer wieder eine Rolle spielt, ist der Umgang mit der sogenannten „Boycott, Divestment and Sanctions“-Bewegung (BDS-Bewegung), die sich gegen den Staat Israel richtet. Diese Bewegung nimmt immer wieder gezielt jüdische Studierende ins Visier, was auch schon zu gewalttätigen Übergriffen geführt hat. Juden werden mit dem Staat Israel gleichgesetzt und umgekehrt. Die Frage, wo Israel-Kritik aufhört und Antisemitismus beginnt, ist ein schmaler Grat. In Deutschland und Österreich ist diese Bewegung im Wachsen.

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Conway glaubt an Mikrowellen-Überwachung im Trump Tower

Kellyanne Conway listet auf, mit welchen Geräten Personen abgehört werden können Quelle: AP
Wurde Trump von Obama abgehört? Seine Beraterin hielt nun eine krude Verschwörungstheorie bereit. Merkel stellt das Treffen mit Trump derweil unter ein bestimmtes Motto. Die Präsidentschaft – Tag für Tag.

DIE WELT

Seit Tagen beherrscht ein angeblicher Abhörskandal die politischen Meldungen in den USA. US-Präsident Donald Trump wirft seinem Vorgänger Barack Obama nämlich vor, ihn kurz vor der Präsidentenwahl in seinem Trump Tower abgehört zu haben. „Ein neuer Tiefpunkt“, twitterte er vergangene Woche.

Nun wurde Kellyanne Conway, Trumps Beraterin, darauf angesprochen, wie diese Überwachung denn genau vonstatten ging. Daraufhin suggerierte sie, dass Obama Trump tatsächlich über Fernseher und Mikrowellen-Geräte abgehört haben könnte.

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Lebenslang aus Mangel an Beweisen

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Manfred Genditzki sitzt seit acht Jahren im Gefängnis. Für seine Schuld gibt es keinen Beweis. Für die Tat, die man ihm zur Last legt, gibt es kein Motiv. Über ein Gerichtsurteil, das geeignet ist, das Vertrauen in die deutsche Justiz zu erschüttern.

Von Hans Holzhaider | Süddeutsche.de

Es ist der Stoff, aus dem Albträume sind: Verurteilt zu werden für ein Verbrechen, das man nicht begangen hat. Den Spruch des Richters zu hören: „Im Namen des Volkes: Schuldig des Mordes, verurteilt zu lebenslanger Haft“, und zu wissen: Es gibt keine Chance mehr, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Hausmeister Manfred Genditzki, 56, sitzt seit acht Jahren im Gefängnis. Er soll eine alte Frau, um die er sich jahrelang mit großem Einsatz gekümmert hat, in der Badewanne ertränkt haben. Er bestreitet die Tat, aber er konnte seine Unschuld nicht beweisen. Das muss er auch nicht. Seit der Antike gilt im Strafrecht das Prinzip, dass nicht der Angeklagte seine Unschuld, sondern das Gericht seine Schuld beweisen muss. Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ ist einer der tragenden Pfeiler des Rechtsstaats.

Für die Schuld Manfred Genditzkis gibt es keinen Beweis, für die Tat, die man ihm zur Last legt, gibt es kein Motiv. Und es gibt viele Indizien dafür, dass der angebliche Mord in Wirklichkeit ein häuslicher Unfall war. Trotzdem wurde Manfred Genditzki verurteilt: Im Zweifel gegen den Angeklagten.

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Elektro-Flugzeug holt neuen Rekord

Hoch hinaus: Den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2013 unterbot dieses Elektroflugzeug um eine Minute und 10 Sekunden. © Siemens
Rekord im Elektro-Steigflug: Ein zweisitziges Elektroflugzeug hat einen neuen Weltrekord im Steigflug aufgestellt. Das von einem Elektromotor angetriebene Kunstflugzeug Extra 330LE erreichte in nur vier Minuten und 22 Sekunden eine Höhe von 3.000 Metern. Pilot und Flugzeug unterboten damit den bisherigen Rekord eines US-Flugzeugs um mehr als eine Minute. Die Erbauer sehen dies als wichtigen Schritt hin zu einer künftigen Elektrifizierung der Luftfahrt.

scinexx

Bisher ist der Luftverkehr noch eine Domäne von Treibstoffen aus fossilen Brennstoffen. Doch das Flugzeugbenzin Kerosin und seine Abgase gelten als besonders klimaschädlich, weil sie Treibhausgase in großen Höhen freisetzen. Schon länger experimentieren Forscher daher mit alternativen Antrieben – von solargetriebenen Flugzeugen wie der Solar Impulse 2 bis hin zum ersten Viersitzer mit Wasserstoffantrieb.

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Krise: Aufrufe zur Deeskalation prallen an Ankara ab

In der Krise um Wahlkampfauftritte türkischer Minister in Europa zeichnet sich nach dem Eklat in den Niederlanden keine Entspannung ab.

Frankfurter Rundschau

Die Europäische Union und die Nato appellierten an alle Seiten, den Streit nicht weiter anzuheizen – dennoch blieben die Fronten zwischen Ankara und Den Haag verhärtet. Kanzlerin Angela Merkel sicherte den Niederlanden ihre „volle Unterstützung und Solidarität“ zu. Das türkische Außenministerium bestellte zum dritten Mal in drei Tagen den niederländischen Gesandten in Ankara ein.

Gentechnik für alle?

Bild: merakname.com
Biohacking: Wie gefährlich kann Synthetische Biologie aus dem Gen-Baukasten werden?

Von Bernd Schröder | TELEPOLIS

Es war einmal eine Zeit, in der Dr. Sheldon Cooper der Jüngere mittels rekombinanter DNA-Technologie ein Fabelwesen als treuen Gefährten für den Heimgebrauch erschaffen wollte – einen Greif. Das Experiment kam jedoch nicht zustande, da sich seine Eltern wenig geneigt zeigten, die nötigen Mittel für die benötigten Adlereier und Löwensamen aufzubringen.

Doch die Epoche der Unerschwinglichkeit von Experimental-Utensilien neigt sich für Do-it-yourself-(DIY)-Biologen oder Biohacker ihrem Ende zu. Auch dank von Leuten wie >Josiah Zayner, der eigentlich bei der NASA als synthetischer Biologe an Bakterien für das Mars Terraforming arbeitete und sich dann über eine Crowdfunding-Aktion selbständig machte.

Sein Biohacking-Ausrüster-Unternehmen Open Discovery Institute (ODIN) vertreibt DIY-CRISPR-Kits für Heimanwender: Gen-Scheren für zu Hause. Je nach ausgewähltem Baukasten lassen sich Bakterien dazu bringen, auf Medien zu gedeihen, die sie normalerweise nicht tolerieren würden. Mit einem anderen Kasten kann man Hefen zur Fluoreszenz verhelfen. Kostenpunkt eines Kits: rund 150 US-Dollar. Ein ebenfalls angebotenes Genetic Engineering Home Lab Kit kostet um die 1000 US-Dollar. Für die Einrichtung eines gentechnischen Labors werden momentan um 5000 US-Dollar veranschlagt.

Diese leichtere Verfügbarkeit bringt Probleme mit sich. Obwohl sich mit Zayners CRISPR-Kits nur ganz einfache Experimente bewerkstelligen lassen sollen, wittern Kritiker eine Weichenstellung für potentiellen Missbrauch, zum Beispiel für die unkontrollierte Entwicklung neuer Pathogene. Andere wiederum zeigen sich besorgt, dass die biologischen Experimente im Heim aus dem Rahmen der Sicherheitsstandards akademischer oder industrieller Labore fallen. Zayner selber liefert das Anschauungsmaterial

In seinem Kühlschrank stehen die Petrischalen gleich neben den Nahrungsmitteln. Ein eigens für Experimente angeschaffter Kühlschrank – das ist für ihn nicht nur eine Raum- und Geldfrage, das ist die Klassenfrage: Zayner will jeden einbeziehen, nicht nur die Interessierten weißer Hautfarbe, die aus der oberen Mittelklasse stammen und für die monatliche 100-Dollar-Labormieten kein Problem sind.

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Evangelische Kirche uneins über Populismus

Stuttgarts evangelischer Stadtdekan Søren Schwesig Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die evangelische Kirche will sich in Stuttgart und in der Region stärker mit dem Phänomen des Rechtspopulismus auseinandersetzen. Bei der kontroversen Debatte im Gesamtkirchengemeinderat zeigte sich, dass das Thema einen innerkirchlichen Konflikt birgt.

Von Mathias Bury | Stuttgarter Nachrichten

Die evangelische Kirche will sich in der Landeshauptstadt und in der Region stärker mit dem Rechtspopulismus auseinandersetzen. Auftakt in Stuttgart war eine kontroverse Debatte im Gesamtkirchengemeinderat, die das Konfliktpotenzial des Themas deutlich machte.

Stadtdekan Søren Schwesig verwies auf eine Studie der EKD vom vorigen November, in der auch rechtspopulistische Tendenzen innerhalb der evangelischen Kirche festgestellt wurden. Bei den vergangenen Landtagswahlen hatte die AfD in den als sehr evangelisch geprägt geltenden Landkreisen Calw und Pforzheim besonders gut abgeschnitten. Die Kirche stelle sich nach außen als tolerant dar, in ihr gebe es aber erhebliche Intoleranz etwa gegen Muslime und Homosexuelle, auf der anderen Seiten aber auch gegen AfD-Anhänger, so Schwesig.

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Child Abusers Ran Fake Chat Sites to Trick Kids

Abusers would coerce victims with webcam footage of other children, or „loops.“

By Joseph Cox | MOTHERBOARD

Child abusers have always adapted technology to stay ahead of the law, or find new ways to target victims. With one case, in which a suspect recently pleaded guilty, a group of pedophiles ran two fake chat sites to coerce children into producing explicit videos.

On Friday, Jeffrey Van Dyke, 46, from Weed, California who was part of the conspiracy, pleaded guilty to child pornography crimes, according to a Department of Justice press release.

Image: MOTHERBOARD

The case involved chat sites MyVlog and SOWYD, according to the criminal complaint. Visitors could talk and use their webcams, but instead of being a site where lots of children hung out and chatted, the pedophiles who ran the site would play old webcam footage of kids—or „loops“—tricking their targets into thinking they were communicating with other children. The abusers would then persuade the children to remove their clothes and perform sexual acts.

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