Deutungskampf im Islam: „Der Täter rief Allahu Akbar“


Irakische Soldaten und Mitglieder privater Milizen im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ – auf der Flagge zu lesen auf Arabisch: „Allahu Akbar“ (picture alliance / dpa / Str)
In Glücksmomenten rufen Menschen im arabischen Sprachraum „Allahu Akbar“. In der westlichen Welt erlangte die Formel traurige Bekanntheit, weil sie immer wieder von Terroristen verwendet wurde. Der islamische Theologe Mouhanad Khorchie fordert deshalb: Muslime sollten das „Allahu Akbar“ den Extremisten entreißen.

Von Christian Röther | Deutschlandfunk

Ausschnitte aus der Tagesschau aus dem vergangenen Jahr:

„Der Angreifer habe ‚Allahu Akbar‘ gerufen…“
„Er soll Rufe abgesetzt haben: ‚Allah ist groß, ihr Ungläubigen‘.“
„Der Täter habe dabei auf Arabisch ‚Gott ist groß‘ gerufen.“
„Augenzeugen berichten, der Täter habe ‚Allahu Akbar‘ gerufen, ‚Allah ist groß‘.“
„Er soll, wie wir mittlerweile hören, auch noch ‚Allahu Akbar‘ gerufen haben.“
„Dabei habe er mehrfach ‚Allahu Akbar‘ gerufen…“

Allahu Akbar – darüber schrieb kürzlich die Süddeutsche Zeitung:

„Der Begriff klingt mittlerweile wie eine Art Chiffre, um eine Gewalttat religiös zu legitimieren.“

Die arabische Formel werde aber auch anders verwendet, so die Süddeutsche:

„Wenn Kinder in Syrien verschüttet geborgen werden, rufen die Leute ‚Allahu Akbar‘. Sie preisen Gott für das Wunder, danken seiner Gnade.“

„Gott ist größer als“

„Allahu Akbar“ ist ein zentraler Ausspruch im Islam. Verschiedene Übersetzungen sind möglich: „Gott ist groß“, „Gott ist größer“ oder „Gott ist am größten“. Oder auch, wenn man „Allah“ nicht übersetzen möchte: „Allah ist groß“, „Allah ist größer“, „Allah ist am größten“.

Alle drei Übersetzungen sind sprachlich korrekt, sagen Arabisten, denn „Allahu Akbar“ ist grammatikalisch nicht eindeutig. Deshalb ist jede Übersetzung immer auch eine Interpretation. Mouhanad Khorchide leitet in Münster das Zentrum für Islamische Theologie. Er interpretiert die zwei Wörter so:

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