Religiöser Hardliner regiert künftig größten Bundesstaat Indiens

Nadendra Modi.

Der religiöse Hardliner Yogi Adityanath ist neuer Ministerpräsident von Indiens größtem Bundesstaat Uttar Pradesh. Der 44-Jährige sei am Sonntag in sein Amt eingeführt worden, wie indische Medien berichten.

evangelisch.de

Zuvor hatte der rechtspopulistische Premierminister des Landes, Narendra Modi, ihn für den Posten bestimmt und damit ein deutliches Signal für seinen künftigen Kurs gesetzt. Der umstrittene Hindu-Priester Adityanath ist eine polarisierende Figur, der für seine antiislamische Rhetorik berüchtigt ist und sich für ein hinduistisches Indien einsetzt.

Der Gründer der extremistischen Hindu-Organisation Hindu Yuva Vahini war in Zwangskonvertierungen und Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus verwickelt. Bollywoods Mega-Star Shah Rukh Khan verglich Adityanath mit dem Anführer einer pakistanischen Terrororganisation. Das Einreiseverbot von US-Präsident Donald Trump für sechs islamische Länder befürwortet der neue Ministerpräsident und fordert eine ähnliche Regelung für Indien.

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Das Schönste an der Heterosexualität… sind die Schwul

Anfang März starb 70jährig der amerikanische Psychologe und Autor Joseph Nicolosi, der behauptete, man könne mit seiner „Reparativtherapie“ Homosexuelle heilen. Sein Leben lang hat er sich manisch damit beschäftigt, Homosexuelle als nicht von Gott so vorgesehen zu erklären und deren Lieben und Begehren als unmännlich, unnatürlich und krankhaft zu definieren.

Von Wolfgang Brosche | DIE KOLUMNISTEN

Anfang März starb 70jährig der amerikanische Psychologe und Autor Joseph Nicolosi, der behauptete, man könne mit seiner „Reparativtherapie“ Homosexuelle heilen. Sein Leben lang hat er sich manisch damit beschäftigt, Homosexuelle als nicht von Gott so vorgesehen zu erklären und deren Lieben und Begehren als unmännlich, unnatürlich und krankhaft zu definieren – daraus leitete er folgerichtig die Berechtigung, ja die Notwendigkeit ab, sie „heilen“ zu müssen. Er stürzte sich schon auf Kinder (sein jüngster Patient war sieben Jahren alt), um sie auf seinen rechten Weg zu bringen. Seine scharlatanischen Pseudoforschungen werden weltweit von seriösen Wissenschaftlern abgelehnt. Damit er sie ungeschoren führen und verbreiten konnte, sie haben keine wissenschaftliche Grundlage, gründete er sogar seine eigene Klinik: was übrigens David Berger freuen wird, der ja über Thomas von Aquin promoviert hat, die ST. Thomas Aquinas Psychological Clinic in Kalifornien.
Auf Nicolosi berufen sich weltweit alle Feinde der Homosexuellen bei den Evangelikalen wie den Fundamentalkatholiken. Auch die deutschen Homosexuellengegner von der „Demo für Alle“ führen ihn immer wieder im (Kampf-)Schilde.
Dieser Text war eigentlich entstanden, um darzulegen, warum noch heute soviele Fanatiker Homosexuelle für krank, verfehlt und als Menschen zweiter Klasse bezeichnen – und meinte damit natürlich die deutsche Kampforganisation gegen Gleichberechtigung und Gleichstellung. Die „Demo für Alle“.
Der Tod Nicolosis läßt die Frage nach den wirklichen Motivationen der Homosexuellenfeinde noch einmal ganz virulent werden: denn gleichzeitig mit der Todesnachricht wurde auch bekannt, daß es allein in den USA rund 2000 christliche Zentren und Organisationen gibt, in denen die menschenverachtende Reparativtherapie und ähnliches zur Anwendung kommen. In Deutschland scheiterte dieser Tage im Bundestag erneut der Versuch, „Homo-Heilung“ zu verbieten.
Warum müssen Homosexuelle in der ganzen Welt noch immer um die menschliche Gleichberechtigung kämpfen?

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Dürfen Christen AfD wählen?

Illustration: M. Jahr/SVZ.de
Die Rechtspopulisten geben sich gern christlich. Den beiden großen Kirchen ist das gar nicht recht, analysiert Benjamin Lassiwe.

Von Benjamin Lassiwe | SVZ.de

Im schwarzen Talar eines evangelischen Pfarrers stand Thomas Wawerka vor dem Berliner Kanzleramt. Wenige Tage vor Weihnachten und nur kurz nach dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche veranstaltete die rechtspopulistische „Alternative für Deutschland“ (AfD) dort eine Mahnwache für die Terroropfer und demonstrierte gegen die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Björn Höcke war gekommen, Alexander Gauland stand dabei – und Wawerka trat ans Mikrophon, erinnerte daran, dass Christen die Pflicht zum Widerstand hätten, wenn Unschuldige bedroht seien, und sprach ein Gebet. Ein Auftritt, bei dem jeder Beobachter zuerst daran gedacht hätte, dass es sich bei Wawerka um einen echten Pfarrer handelte. Doch am nächsten Tag meldete sich die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens zu Wort. Wawerka sei zwar einst Pfarrer auf Probe dieser Landeskirche gewesen. Das Dienstverhältnis sei aber schon im August 2016 beendet worden. Er sei kein Pfarrer mehr und habe deswegen auch gar kein Recht mehr, einen Talar zu tragen.

Religion im Bierzelt

Der Auftritt des evangelischen Theologen bei einer Demonstration der AfD hatte Symbolkraft. Zum Ausdruck kommen sollte eine Verbindung zwischen den Kirchen und der AfD – schließlich berufen sich die Rechtspopulisten immer und immer wieder auf das „christliche Abendland“. In Bierzelten und auf Parteitagen, in Landtagsreden und auf Demonstrationen nehmen sie für sich dieselben Werte in Anspruch wie die beiden großen Kirchen – was Kirchenvertretern zunehmend übel aufstößt.

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Heiko Maas will den digitalen Judge Dredd

Geht es nach dem Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas, müssen Facebook und Co. bei Kommentaren und Beiträgen genauer…Foto: dpa
Der Justizminister Heiko Maas hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sich so liest, als stamme er aus dem Roman „1984“. Ein Kommentar.

Von Harald Martenstein | DER TAGESSPIEGEL

Viele regen sich, und zwar zu Recht, über Adülf Erdogan auf, den Sultan mit dem Hitlertick. Er will sich zum Alleinherrscher machen, er lügt den Völkermord an den Armeniern weg, er unterdrückt Andersdenkende und Kurden. Das Wort „Nazimethoden“ müsste diesem Mann eigentlich jeden Morgen beim Blick in den Spiegel einfallen, stattdessen schwingt dieser Frechdachs die Nazikeule gegen andere.

Für eine Majestätsbeleidigung wie „Frechdachs Adülf Erdogan“ könnte einem Journalisten in der Türkei ja alles Mögliche zustoßen. Dort, wo es verboten ist, die Herrschenden zu kränken, sind wir in einer Despotie. Dort, wo die Regierung entscheidet, was „Wahrheit“ ist und was „Fake“, sind wir in einer Despotie. Aber genau jetzt, während wir uns noch über Erdogan aufregen, werden hier, in diesem Land, Erdogan-Methoden vorbereitet. Der Justizminister Heiko Maas hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sich so liest, als stamme er aus dem Roman „1984“.

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Richter fordern Entfernung aller religiösen Symbole

Per Gesetz sollen alle religiösen Symbole aus den Gerichten entfernt werden. – (c) Clemens Fabry/ Die Presse
Rund um die Diskussion eines Kopftuchverbots fordert die Richter eine gesetzliche Regelung zur Amtskleidung. Ein neutrales Erscheinungsbild soll sichergestellt werden.

Die Presse.com

Die Richter fordern in der „Kopftuchverbot“-Diskussion eine gesetzliche Regelung zur Amtskleidung, die ein neutrales Erscheinungsbild von Richtern und Staatsanwälten sicherstellt. Außerdem plädiert Richter-Präsident Werner Zinkl dafür, auch die letzten Relikte des Eides im Zivilprozess abzuschaffen – und somit die letzten Kreuze und andere Religionssymbole aus dem Gerichtssaal zu entfernen.

Der Justizminister sieht – wie er wiederholt erklärte – keinen Bedarf für ein „Kopftuchverbot“, sei Richtern und Staatsanwälten in Ausübung der hoheitlichen Funktion doch ohnehin Talar und Barett vorgeschrieben. Damit beruft er sich auf die Talar-Verordnung 1962. Diese ist jedoch schwer veraltet: Richterinnen kommen darin gar nicht vor – und sie verstoßen auch permanent gegen die Vorschriften: Denn Richter müssen laut Verordnung unter dem Talar einen Anzug aus dunklem Stoff, ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte tragen – was, so Zinkl, auch die meisten Richter nicht mehr tun.

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Islam-Kritiker Abdel-Samad tritt nun doch in Dortmund auf

Islamkritiker Hamed Abdel-Samad. Bild: WAZ
Im September 2016 wurde eine Veranstaltung mit Islam-Kritiker Hamed Abdel-Samad in Dortmund abgesagt. Nun steht ein Nachholtermin fest.

Von Tobias Großekemper | WAZ

Kurz vor dem geplanten Termin im September 2016 sagte die Stadt die Veranstaltung „aus organisatorischen Gründen“ ab. Tatsächlich waren es wohl Sicherheitsbedenken, die zur Absage führten. Abdel-Samad nannte sie später „feige und charakterlos“. Am 31. März findet die Veranstaltung nun doch statt – an einem anderen Ort.

Mordaufrufe im Netz

Wer sich Abdel-Samad als Redner zu einer Veranstaltung einlädt, muss wissen, worauf er sich einlässt: Der deutsch-ägyptischen Politologe und Publizist ist einer der bekanntesten Islam-Kritiker. In seinem 2015 erschienenen Buch „Mohamed – Eine Abrechnung“ skizziert er den Propheten als gekränkten Außenseiter, Paranoiker und Massenmörder, der „für seine Ziele über Leichen ging“.

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Nordsyrien: Demokratische Föderation erklärt Manbij zum 4. Kanton

Bild: US-Centcom
Der Hass auf die Kurden hat dazu geführt, dass die Türkei in der Region für die Anti-IS-Allianz wie auch für Russland kein Partner mehr ist

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die Region um die nordsyrische Stadt Manbij wurde zum vierten Kanton der nordsyrischen demokratischen Föderation erklärt. Für die Türkei ist dies eine erneute Niederlage bei dem Versuch, in Syrien mitspielen zu dürfen. Der Hass auf die kurdische Bevölkerung hat dazu geführt, dass die Türkei in der Region für die Anti-IS-Allianz wie auch für Russland kein Partner mehr ist.

Sie muss sich nun auf den konservativ-feudalistischen Partner Barzani verlassen. Die nordirakische Autonomieregion versucht im Schulterschluss mit der Türkei, die Armee der nordsyrischen Föderation bei Rakka und die ezidischen Selbstverteidigungseinheiten im Shengal im Kampf gegen den IS zu schwächen. Russland und die USA konnten von der Türkei trotz monatelanger Bemühungen nicht überzeugt werden, die Unterstützung für die „Demokratische Föderation Nordsyrien“ einzustellen.

Im Gegenteil: Das basisdemokratische Modell scheint mehr und mehr zu überzeugen. Russland und die USA sind allem Anschein nach dazu entschlossen, eine wichtige Entscheidung zu unterstützen: die Region Manbij, auch Sheba-Region genannt, zum vierten Kanton der kurdischen Föderation in Nordsyrien zu erklären.

Die türkische Regierung sieht in der PYD, der Regierungspartei der Föderation, und in den SDF, der 50.000 Mitglieder starken kurdisch-arabischen Armee, einen direkten Ableger der türkisch-kurdischen PKK, den es vorrangig zu bekämpfen gilt. Vor allem wollte die Türkei verhindern, dass es eine Verbindung zwischen dem Kanton Kobane und dem Kanton Afrin entlang ihrer Grenze gibt.

Russland und die USA hingegen betrachten die SDF als einzig relevante Kraft im Kampf gegen den IS und unterstützen sie mit Ausbildung, Waffen und Logistik. Die USA arbeitet bei Rakka direkt mit den SDF am Boden zusammen. Erdogan setzte darauf, dass der neue US-Präsident Donald Trump im Gegensatz zur Obama-Regierung die „Kurden“ fallenlassen würde.

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Erdogan-Gegner erleben im türkischen Konsulat böse Überraschung

Der türkische Staat schikaniert auch hierzulande Regimegegner. Immer mehr Fälle werden bekannt, in denen Konsularbeamte die Pässe von Kurden, Aleviten oder Gülen-Anhängern einkassieren.

Von Annelie Naumann, Tim Röhn | DIE WELT

Als sich Mehmet Dag am 2. Februar 2017 in Hamburg ins Auto setzt und in den Stadtteil Rotherbaum fährt, ist er nicht besonders nervös. Dort liegt in der Tesdorpfstraße das türkische Generalkonsulat. Der 33 Jahre alte Familienvater hat einen Termin für seine Entlassung aus der türkischen Staatsbürgerschaft vereinbart.

Dag (Name geändert) wurde in Deutschland geboren, wuchs in einer hessischen Kleinstadt auf, studierte in Siegen und wurde Lehrer – an einem Privatgymnasium, das der Gülen-Bewegung nahesteht.

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WDR-Film zu Geert Wilders: Verschwörungstheorie gefällig?

© Hollandse Hoogte/laif Reizfigur: Geert Wilders nach der Wahl in den Niederlanden, bei der er seine selbstgesteckten Ziele deutlich verfehlte.
Ein Film über Geert Wilders attestiert dem Rechtspopulisten nicht nur Islamhass, sondern große Nähe zu Israel und dem Judentum. Das hat eine antisemitische Konnotation, die man nicht übersehen kann.

Von Michael Hanfeld | Frankfurter Allgemeine

Dass mit diesem Film etwas nicht stimmt, merkt man schon nach wenigen Sekunden. In schneller Abfolge sehen wir Bilder von den von Islamisten verübten Terroranschlägen in Paris, Nizza, Brüssel und Berlin und dann – geht es um den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders, den Vorsitzenden der Partij voor de Vrijheid. Vor ihm will der Film „Holland in Not – Wer ist Geert Wilders?“ warnen. Ausgestrahlt wurde er vom Westdeutschen Rundfunk in dessen drittem Programm in der Reihe „Die Story“ am 8. März. Also genau eine Woche vor der Wahl, bei der Wilders sein Ziel, an die Regierung zu kommen, verfehlte. In dem Film des WDR wird, mit bangem Unterton, noch erwartet, dass nicht nur die Niederlande abdriften: „Europa droht eine politische Verschiebung nach rechts.“

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Ein neuseeländischer Fluss besitzt jetzt die gleichen Rechte wie ein Mensch

Der Whanganui River, auch Te Awa Tupua genannt | Foto: mtrappitt | Flickr | CC BY-SA 2.0 Bild: VICE.com
Der Whanganui-Volksstamm hat 140 Jahre lang dafür gekämpft, den Te Awa Tupua als einen seiner Vorfahren ansehen zu lassen. Nun haben die Mitglieder Recht bekommen.

Von Brian Moylan | VICE.com

Vergangenen Mittwoch wurde in Neuseeland ein 140 Jahre andauernder Rechtsstreit beigelegt. Das Ergebnis: Ein Fluss besitzt nun Menschenrechte. Das berichtet der Guardian.

Der Fall wurde vom Whanganui-Volksstamm vorgebracht. Dessen Mitglieder haben seit 14 Jahrzehnten versucht, den als Te Awa Tupua bekannten Fluss offiziell als ihren Vorfahren anerkennen zu lassen. Jetzt hat ein Gericht dem Stamm Recht gegeben. Der neue Status des Flusses bedeutet, dass man ein Mitglied der Whanganui angreift, wenn man dem Gewässer Schaden zufügt.

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Schottische Regierungschefin ruft Brexit-Gegner zum Umzug auf

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat britische Brexit-Gegner zu einem Umzug nach Schottland aufgerufen.

Frankfurter Rundschau

„Kommt hierher, um zu leben, zu arbeiten, zu investieren oder zu studieren“, sagte sie unter großem Beifall auf dem Frühlingsparteitag der Schottischen Nationalpartei SNP in Aberdeen. An ihren Plänen für ein Unabhängigkeitsreferendum hält sie fest. Sturgeon will das Parlament in Edinburgh nächste Woche um ein Mandat für das Referendum bitten. Es soll zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 stattfinden.

„Es geht um ein verzweifeltes Rückzugsgefecht der klassischen Massenmedien“

Bild: heise.de/tp
Medienwissenschaftler Norbert Bolz über Echokammern und Betroffenheitsapostel

Von Marcus Klöckner | TELEPOLIS

Schlagen Journalisten die Wirklichkeit platt? Führen sich viele von ihnen wie Oberlehrer auf? Im Interview mit Telepolis findet Norbert Bolz klare Worte. Der Professor für Medienwissenschaft an der Technischen Universität Berlin hat vor kurzem in einer bemerkenswerten „Phönix Runde“ zum Thema „alternative Fakten“ auch eine zentrale Medienkritik angebracht. Im Interview führt er die Kritik fort und stellt fest, dass Medien, egal wie oft hochrangige Vertreter aus dem journalistischen Feld dies auch wiederholen, gar nicht „zeigen können, was ist.“ Medien, so Bolz, „konstruieren die Wirklichkeit, die sie darstellen und sind dabei hochselektiv“.

Herr Bolz, wer derzeit bei Google news den Begriff „alternative Fakten“ eingibt, erhält über 600.000 Ergebnisse. Um nur mal ein Beispiel anzuführen: In einem nachrichtlichen Artikel des Handelsblatt heißt es, der EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans habe dem polnischen Außenminister Witold Waszczykowski bei der Münchner Sicherheitskonferenz vorgeworfen, „alternative Fakten“ zu verbreiten“. Warum wird gerade von vielen Seiten so aufgeregt reagiert, wenn ein Akteur „alternative Fakten“ erwähnt? Sind „alternative Fakten“ denn überhaupt grundsätzlich ein Problem?
Norbert Bolz: Dass jemand alternative Fakten verbreitet, kann gar kein Vorwurf sein. Natürlich gibt es alternative Fakten – aber das war mit dem von der Trump-Regierung lancierten Ausdruck eigentlich nicht gemeint. Man wollte schlicht betrügen.
Also eigentlich müsste man von bewussten Lügen, von bewusst gestreuter Desinformation sprechen und nicht von „alternativen Fakten“?
Norbert Bolz: Genau.
Ist die aufgeregte Diskussion um „alternative Fakten“ ein Hinweis dafür, dass wir einen Kampf um die Interpretationshoheit beobachten können?
Norbert Bolz: Ja. Diejenigen, die „alternative Fakten“ jetzt als
Kampfbegriff gebrauchen, wollen suggerieren, die von ihnen selbst verbreiteten Informationen seien die Wahrheit und alles andere Lüge.

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Fast 6000 Tuberkulosefälle in Deutschland im Jahr 2016

Bei der Zahl der Tuberkulosefälle in Deutschland geht der Trend nach oben. Im Jahr 2016 registrierte das Robert Koch-Institut 5915 Erkrankungen.

Frankfurter Rundschau

2015 waren es 5852, teilte das Institut zum Welttuberkulosetag am 24. März mit. Damit sind die Zahlen nach einem Tiefststand im Jahr 2012 deutlich angestiegen. „Es gibt einen Zusammenhang mit der aktuellen Zuwanderung“, sagte RKI-Infektionsforscherin Lena Fiebig. „Migration ist aber nicht die Ursache von Tuberkulose, das Bakterium ist es“, ergänzte sie. Es sei ungleich in der Welt verteilt, komme aber auch in Deutschland vor.

„Wundere mich, mit welcher Frechheit der türkische Staat glaubt, in Europa Wahlkampf führen zu können

Rüdiger Safranski: „Der Wohlfahrtsstaat setzt den Nationalstaat voraus.“ – Robert Brembeck/Visum/picturedesk.com
„Erdoğan errichtet ein undemokratisches Führersystem und Europa soll ihm auch noch erlauben, dafür Reklame zu machen“, sagt der deutsche Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski. Die deutsche Bundeskanzlerin habe es verabsäumt, auf das Verhalten des „Tyrannen Erdoğan“ entschieden zu reagieren. Es fehle ihr an der „notwendigen demokratischen Selbstachtung“.

Von Judith Hecht | Die Presse.com

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will in Europa für seine Verfassungsreform werben. Die Niederlande ließen das nicht zu. Auch Deutschland will sich die Einreise türkischer Minister vorbehalten. Finden Sie das richtig?

Rüdiger Safranski: Auf jeden Fall. Ich wundere mich, dass man es bisher erlaubt hat. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat in einem Eilbeschluss ausdrücklich erklärt, dass für eine fremde Macht kein Anspruch besteht, auf deutschem Boden Wahlkampf zu führen. Die Regierung kann das jederzeit untersagen. Es geht nicht um Meinungsfreiheit, sondern um staatliches Handeln türkischer Staatsorgane auf deutschem Boden. Mit anderen Worten: Es geht um die deutsche Souveränität. Die Reaktionen von Angela Merkel werden dem überhaupt nicht gerecht. Es fehlt an der notwendigen demokratischen Selbstachtung.

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„Is Donald Trump a Manchurian Candicate?“

Screenshot Michael Walter/TP
Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Richard Hofstadter attestierte 1963 in seinem zum Klassiker avancierten Vortrag „The Paranoid Style in American Politics“ seinem Land einen geschichtlich tief verwurzelten Hang zum politischen Verschwörungsdenken. Der dominante zeitgenössische „paranoide Stil“, der sich Hofstadter zufolge bis weit ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, wo wahlweise Illuminaten, Freimaurer oder Jesuiten als finstere Konspiranten fungierten, spiegelte sich für ihn vor allem in der antikommunistischen Verschwörungshysterie wider. Diese fand einige Jahre zuvor in der sogenannten McCarthy-Ära ihren Höhepunkt.

Von Michael Walter | TELEPOLIS

Seit einigen Jahren, insbesondere seit der Annexion der Krim durch Russland, scheint dieser Denkstil im politischen und medialen Diskurs des Westens eine Renaissance in Gestalt eines ausgeprägten antirussischen Verschwörungsdenkens zu erfahren. Nicht nur die geopolitischen Vorzeichen haben sich dabei seit Hofstadters Vortrag verändert. Während er den Ort der politischen Paranoia vor allem bei den „radical rights“ sah, hat sich das derzeitige Verschwörungsdenken offenkundig auch auf das linksliberal-progressive Lager ausgedehnt oder gar verlagert.

Augenscheinlichstes Zeugnis davon legt die nun schon mehreren Monaten schwelende Debatte um das konspirative Wirken Russlands im Kontext der US-Wahlen und der Präsidentschaft von Donald Trump ab.

Schon im Wahlkampf wurden angesichts der von Wikileaks veröffentlichten Emails unter anderem von Hillary Clintons Wahlkampfmanager John Podesta Vorwürfe laut, dass russische Hacker hinter den Veröffentlichungen steckten. Die Vorwürfe aus Clintons Wahlkampfteam reichten gar so weit, die Plattform Wikileaks generell als einen „propagandistischen Arm“ Putins zu brandmarken.

Richtig in Schwung kam der Diskurs um eine mögliche russische Intervention allerdings erst, nachdem die Washington Post und die New York Times eine „geheime Einschätzung“ des CIA zitierten, nach der es handfeste Belege für den vermuteten russischen Eingriff in den US-Wahlkampf geben solle. Diese Nachricht führte trotz einer – übrigens bis zum heutigen Tage – relativ vagen Informationslage, rasch zu einer alarmistischen, bisweilen schrillen Debatte in Politik und Medien, die die Einschätzung der CIA seitdem mehr oder weniger als Faktenwissen betrachten. So sprach etwa der Republikaner John Weaver auf Twitter von einer „9/11-Cyberattacke“ oder davon, dass Russland eine „Pearl Harbor-Cyberattacke“ durchgeführt habe, um ihre bevorzugte Person ins Weiße Haus zu bringen. Auch der liberale TV-Moderator Keith Olbermann griff auf eine martialische militärische Rhetorik zurück und sah seine Nation gar als Opfer eines – noch – „unblutigen Coup“.

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The First On-Site Residential Home 3D Printed in Russia

As crazy as it might sound, 3D printed architectural structures aren’t the most sci-fi thing in our present day. But for most people, the idea of 3D printing an entire home is still considered a far-off dream. And even though we’ve witnessed the 3D printing of full-scale buildings in China, the technology was simply too young to truly disrupt the construction industry – until now.

By B.J. Murphy | Serious Wonder

Thanks to 3D printing company Apis Cor and its innovative technologies, the first on-site residential home has been printed in Russia. Partnered with PIK Group construction company, Apis Cor was able to use its mobile 3D printer at its test facility in the town of Stupino. How long did the entire printing process take? Less than a day.

The single-story residential home was specifically chosen as a means of testing out the company’s technology – in particular, its ability to 3D print under flexible conditions without issue. The printer passed in flying colors, not only showing quickness and resiliency, but equally at a relatively inexpensive price range of $10134 – approximately $275 per square meter.

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Emojis: Es knirscht im Zeichensatz

© Illustration Aphelandra Messer Künftiges Emoji: Wird der Hijab für Frauen zum Symbol des muslimischen Glaubens schlechthin?
In der Online-Kommunikation scheint es kaum noch einen Text zu geben, der nicht mit Emojis verziert ist. Hinter der harmlos daherkommenden Fassade der bunten Bildchen tobt ein Kulturkampf.

Von Anatol Stefanowitsch | Frankfurter Allgemeine

Die Geschichte der Emojis begann Ende der neunziger Jahre, als Shigetaka Kurita für den mobilen Internetdienst eines japanischen Mobilfunkanbieters 176 pixelige Piktogramme entwarf. Neben Smileys und abstrakten Symbolen wie Ziffern, Pfeilen und Sternzeichen waren darunter auch gegenständliche Abbildungen für Gebäude, Fahrzeuge und Nahrungsmittel. Andere japanische Anbieter zogen mit eigenen Entwürfen nach, aber jeder dieser Bildzeichensätze funktionierte nur innerhalb des jeweiligen Internetdienstes.

Der weltweite Siegeszug der Emojis begann 2010, als das Unicode-Konsortium – eine Arbeitsgemeinschaft, die für die einheitliche digitale Darstellung von Schriftsystemen sorgt – die Piktogramme der unterschiedlichen Anbieter einsammelte und in seinen Standard integrierte. Die Bildzeichen unterscheiden sich auf verschiedenen Plattformen zwar noch in kleineren Details, aber wer ein Haus, ein Flugzeug oder ein lachendes Gesicht verschickt, kann sich seitdem sicher sein, dass beim Gegenüber auch tatsächlich ein Haus, Flugzeug oder lachendes Gesicht ankommt.

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Rassistische Gewalt in Südafrika eskaliert

foto: apa/afp/phill magakoe In Südafrikas Hauptstadt Pretoria setzte die Polizei gegen rassistische Demonstranten Gummigeschosse und Tränengas ein.
Eine neu geformte Einheit soll mit Hilfe von Polizei, Einwanderungsbehörde und Ministerien in Südafrika gegen Ausländerhass vorgehen. Besonders Nigerianer werden häufig Opfer. Politiker verabsäumten es bisher, die Gewalt offen als ausländerfeindlich anzusprechen

Von Martina Schwikowski | derStandard.at

Ausländerhass hat sich in Südafrika in den Köpfen vieler Menschen verfestigt. Die jüngste Gewaltwelle gegen Einwanderer wütete vor wenigen Wochen in Johannesburg und der Hauptstadt Pretoria. Dort wurden Läden ausländischer Besitzer geplündert und Menschen in Straßen angegriffen. Oft sind Nigerianer die Opfer, denen Kriminalität im Drogengeschäft nachgesagt wird. Bei einem aktuellen Vorfall marschierten ausländerfeindliche Demonstranten zum Außenministerium. Einige trugen Stöcke oder Rohre. Die Polizei musste Blendgranaten und Gummigeschoße gegen den Mob einsetzen. 163 Menschen wurden verhaftet. Die Stiftung des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela kritisierte, die Behörden hätten „einen Marsch des Hasses“ genehmigt.

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Papst: Der Einsatz von Exorzisten ist ´unverzichtbar´

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus hat Großzügigkeit im Beichtstuhl angemahnt und sich für fallweise Exorzismen ausgesprochen.

kath.net

Die katholische Bußpraxis müsse „glaubwürdiger Spiegel der Barmherzigkeit Gottes“ sein, sagte er am Freitag vor Teilnehmern eines Kurses am vatikanischen Gnadengerichtshof, der sogenannten Pönitentiarie. Dabei gelte es, Strenge sowie Mangel an Verständnis zu vermeiden. Ein Beichtvater, der seine Tätigkeit im Gebet reflektiere, wisse gut, „dass er selbst der erste Sünder ist und der erste, dem vergeben wurde“.

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The First Spacewalker Cheated Death And Crash-Landed In a Forest Full of Wolves

Voskhod 2 commemorative stamp. Image: Russian Federation
March 18, 1965 was an ordinary Thursday for the majority of people located on planet Earth. But for 30-year-old cosmonaut Alexey Leonov, one of two people who happened to be off-world at the time, it was all about making history and cheating death.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Exactly 52 years ago this Saturday, Leonov and mission commander Pavel Belyayev blasted into space aboard the Soviet spacecraft Voskhod („Sunrise“) 2. Several crews, both Russian and American, had already orbited Earth, so Voskhod 2 had been tasked with pushing the boundaries of human spaceflight to the next level—a spacewalk, or EVA (extravehicular activity). His audacious mission has since been commemorated with books, stamps, pop culture homages, and an upcoming feature-length film.

About ninety minutes after lift-off, Leonov made his way into the ship’s Volga inflatable airlock, secured a 5.35-meter (17.6 foot) tether around his torso, opened the hatch, and ventured out into the unknown with only a spacesuit to protect him. It was the first time any human had left the safety of a spacecraft and free-floated in orbit. A Volga-mounted camera that Leonov had set up on his way out captured the extraordinary moment.

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