Heilungsgebete – christlich, moralisierender Schwachsinn


Der neue Vorsitzende der Evangelischen Allianz und Pastor der freikirchlichen Christus-Gemeinde in Mülheim/Ruhr, Ekkehart Vetter. (imago / epd)
Mit Ekkehart Vetter wurde erstmals ein Pfingstler zum Vorsitzenden der Evangelischen Allianz gewählt. Wir sprachen mit ihm über Heilungsgebete, die Haltung der Allianz zur Homosexualität und das Verhältnis der Evangelikalen zum Rechtspopulismus.

Moderation: Anne Françoise Weber | Deutschlandradio Kultur

Anne Françoise Weber: Rund 1,3 Millionen theologisch konservative Protestanten sind im Dachverband der Deutschen Evangelischen Allianz vertreten. Sie alle eint, trotz großer Unterschiede, ihre Bibeltreue, ihre Betonung der eigenen Bekehrung und des persönlichen Einsatzes für den Glauben. Seit dem 1. Januar hat diese Evangelische Allianz einen neuen Vorsitzenden, und in der vergangenen Woche wurde er nun auch in sein Amt eingeführt, es ist der 60-jährige Ekkehart Vetter. Er folgt auf Michael Diener, der sein Amt vorzeitig niedergelegt hat, offiziell aufgrund der hohen Arbeitsbelastung, denn Diener ist seit November 2015 auch Mitglied im Rat der EKD.

Das Besondere an Vetters Wahl ist nun, dass erstmals ein Vertreter einer Pfingstgemeinde an der Spitze der Allianz steht. Die ist ein heterogenes Gebilde, rund die Hälfte der Mitglieder gehört zu den evangelischen Landeskirchen und damit zur EKD, die andere ist in Freikirchen organisiert und da gibt es eben evangelikale, pietistische und charismatische Christen, die sich da zusammenfinden. Was diese Vielfalt bedeutet und wo sich der neue Vorsitzende selbst und wo er die Evangelische Allianz verortet, darüber habe ich vor der Sendung mit Ekkehart Vetter gesprochen. Meine erste Frage war: Definieren Sie sich eigentlich als evangelikaler Christ, als Pfingstler oder als Charismatiker?

Ekkehart Vetter: Nette Differenzierung! Also, wenn Sie mich als evangelikal bezeichnen, dann frage ich erst mal zurück: Was meinen Sie denn mit evangelikal? Wenn Sie einen stockkonservativen, politisch stockkonservativen Menschen meinen, dann würde ich sagen, nein, ich bin nicht evangelikal. Wenn Sie jemanden meinen, der sagt, ich nehme die Bibel als geschriebenes Wort Gottes ernst, dann bin ich gerne evangelikal.

Ansonsten kommt dazu, dass ich sicher aus einer charismatisch-pfingstlichen Tradition komme, das ist aber auch nicht an Kirchen gebunden, sondern hier ist schlicht und ergreifend der Heilige Geist in der Betonung, dass er eben für das Werden der Kirche und das Leben des Gläubigen von großer Bedeutung ist. Also, insofern: Ja, charismatisch-pfingstlich, aber das lässt sich alles nicht so eindeutig differenzieren, wie diese Schubladenbegriffe es zu erkennen meinen.

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