Deutschland: Soziale Statik gefährdet?


Bild: Eric Ward / CC BY-SA 2.0
Auszüge aus dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung: Die Grenzen der Versprechen der Leistungsgesellschaft

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Deutschland geht es gut, sagen die Erfolgszahlen, die eine gute Beschäftigungslage ausweisen, einen Haushaltsüberschuss und 1,5 Prozent Zuwachs der Nettolöhne seit 2015. Wirtschaftsforscher, wie Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, machen eine stabile Lage aus. „Wir bleiben ein Land der Mitte. Die Mittelschicht ist stabil und hat sich in ihrer Größe seit 2005 nahezu nicht verändert.“

Auch der 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zeichnet das Bild eines soliden Status quo: „Fast zehn Jahre nach Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise steht Deutschland solide da. Kontinuierliches Wirtschaftswachstum und die höchste Beschäftigtenzahl sind Ausdruck dieser ökonomischen Stabilität.“

Das ist die Oberfläche. Der Bericht selbst stellt, nicht als einziger und nicht zum ersten Mal, ein Gefälle fest: Die untere Hälfte der Haushalte verfüge nur über etwa ein Prozent des gesamten Nettovermögens, während die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens besitzen. Der Umfragen-Erfolg von Martin Schulz ist ein Indiz dafür, dass die soziale und wirtschaftliche Realität den „guten Nachrichten von der stabilen Lage“ (Michael Hüther) nicht unbedingt folgen.

Hinter der Phrase von der „sozialen Gerechtigkeit“ liegt Sprengstoff, ebenso hinter der Phrase „Leistungsgesellschaft“. Wenn die Versprechen nicht mehr funktionieren, kommt die Statik der Bundesrepublik ins Kippen, warnte neulich die gutbürgerliche Zeit, die sich anders als Michael Hüther Sorgen um den „schrumpfenden Mittelstand“ macht.

weiterlesen