Bericht über die Arbeit des Sekten-Info NRW


Die hohe Anzahl an Beratungsfällen in den letzten Jahren hat sich auch im Jahr 2016 nicht verändert. Die Arbeit im Konfliktfeld der neuen religiösen und ideologischen Bewegungen und Psychogruppen gestaltet sich fortwährend spannend und arbeitsintensiv. Die Gruppen versprechen Glück, Lebenserfüllung und einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Von Sabine Riede | Sekten-Info NRW

Neu ist die steigende Zahl von Menschen, die bereit sind, Verschwörungstheorien Glauben zu schenken. Ob Reichsbürger, Impfgegner, Verschwörungstheoretiker oder Esoteriker, immer mehr Menschen richten sich nicht nach Evidenzen, sondern nach Gefühlen. Neben der konsumorientierten Esoterik, die nach wie vor den größten Zulauf zu verzeichnen hat, bilden sich immer wieder neue kleine Gruppen mit einer hohen Abhängigkeit der Mitglieder. Auch gibt es erschütternde Beispiele von Menschen, die abseits der Schulmedizin nach Heilungsmöglichkeiten suchen oder Menschen, die aus Glaubensgründen einen Kontaktabbruch zu den eigenen Kindern zulassen. Die großen bekannten Gemeinschaften der 80er Jahre haben eher rückläufige Mitgliederzahlen.

Insgesamt wurden im Jahr 2016 963 Anfragen beim Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V. registriert. Von den 963 Anfragen erhielten 489 Personen durch ausführliches Informationsmaterial und ein bis zwei klärende Gespräche Hilfestellung von den MitarbeiterInnen des Sekten-Info Nordrhein-Westfalen e.V.. In 474 Fällen war ein intensiverer und längerer Beratungsverlauf mit bis zu 27 Fachkontakten notwendig. Um einen besseren Vergleich mit den Vorjahren zu ermöglichen, sind wie jedes Jahr die 489 Informationsanfragen und die 474 Beratungsfälle in zehn Kategorien zusammengefasst worden. Insgesamt sind in den zehn Kategorien Anfragen mit der Bitte um Information und Beratung zu 350 verschiedenen Gruppierungen und Anbietern enthalten (vgl. Diagramm 1).

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4 Comments

  1. Zum so genannten „rituellen Missbrauch“ im Zuge des „Satanismus“: das, was eigentlich dahinter steckt ist tatsächlich teuflisch. Aber mit Satanskult hat es weniger zu tun als mit organisiertem sadistischen Missbrauch, Kinder- bzw. Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und der Produktion und dem Vertrieb so genannter „Kinderpornografie“. Der im Untermenü „Ritueller Missbrauch im Satanismus“ verlinkte Text führt etwas sehr Typisches an. Nämlich, wie es sich auf das Traumagedächtnis der Opfer auswirkt, wenn sie im Zuge der Missbrauchshandlungen psychoaktive Substanzen erhalten. Dies soll gewährleisten, dass die missbrauchten Menschen, häufig Kinder im Sinne der Menschen, die sie misshandeln und sexuell ausbeuten bei den Sexualhandlungen kooperieren. Meistens handelt es sich dabei um so genannte „extreme Praktiken“. Manchmal bis hin zur letalen sadistischen Folterung der Opfer. Darüber wie sehr dies nachgefragt wird, darüber geben ExpertInnen Auskunft, die sich mit Cyberkriminalität beschäftigen, insbesondere als MitarbeiterInnen von Behörden.
    Es ist also kaum etwas Okkultes an dem Phänomen. Vielmehr werden die Forderungen pervers-krimineller Menschen bedient. Und zwar schon ziemlich lange. „Hochkonjunktur“ hatten diese Missbraucherbanden in der NS-Zeit und danach. Stichworte „SS-Orden“, „Nürnberger Prozesse“. Die sadistischen Menschenquäler waren einer der ersten Exportschlager der noch jungen BRD. Auf der „Rattenlinie“ ging es mit Unterstützung der Katholischen Kirche in alle Welt. Folterpersonal aus dem deutschsprachigen Raum war gesucht. Und im eigenen Lande gab es ebenfalls genug zu tun. Vor einigen Jahren begannen HistorikerInnen zu erforschen, wie viele Kriegsverbrecher beim Bundesnachrichtendienst beschäftigt waren. Die Ergebnisse sind bezeichnend: hauptsächlich NS-Schergen begründeten diese Organisation. Übergriffigkeit ist in unserer Gesellschaft eben auch ein Erfolgsprinzip. Und dass die Opfer der vermeintlich „Starken“ bis heute struktuell, aber auch sozial benachteiligt werden ist kein Zufall. In der DDR fanden die staatlich zertifizierten Folterer und Mörder beim militärischen Geheimdienst Verwendung. Organisiationen, die so „geheim“ waren, dass sie ständig ihre Bezeichnungen wechselsten. Es war unter Anderem der Herr Mielke, der ab und an auch mal Abtrünnige in ihren eigenen Häusern oder außerhalb der Staatsgrenzen ermorden ließ. Routinierte Totmacher gibt es ebenso wie Säufer überall, unabhängig von Religion, Ethnie oder Gesinnung. Gerade bestimmte politische und wirtschaftliche Gruppierungen haben stets Verwendung für sie.Es ist deshalb auch kein Zufall, dass das so genannte NSU-Trio und seine NetzwerkerInnen in Pädokriminalität verwickelt waren und es gegen sie Ermittlungen wegen der Beteiligung an der Ermordung von Kindern gibt. Die Landesbehörden bzw. zuständigen PolitikerInnen erteilen nachvollziehbarerweise ungern Auskunft. Entweder wissen sie selbst nicht, wie viele V-Leute mit Verbindungen ins Missbrauchsmilieu es in ihrem Verantwortungsbereich gab oder sie haben andere triftigere Gründe für ihr beredtes Schweigen.
    Korrekt sollte man deshalb nicht von „rituellem Missbrauch“ sprechen. Sondern von „organisierter sexueller Ausbeutung/ritueller sexueller Gewalt/sektenähnlichem Missbrauch“.

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  2. Zum „Familienstellen nach Hellinger“: im Text heißt es „Im Anschluss an eine Familienaufstellung werden Missbrauchsvorwürfe erhoben“. Das ist es nicht, was seriöse Fachleute an diesen Psychoevents der Geldmaschine „Familienstellen“ kritisieren. Sondern die Art und Weise, wie in den Veranstaltungen mit sexuell missbrauchten und traumatisierten Menschen umgegangen wird. Sie sind es, die das Hauptklientel der „Familiensteller“ bilden. Diese Opfer werden veranlasst, die familiären Dysfunktionalitäten im Sinne einer sadistisch-autoriären als „Ordnung“ deklarierten Übergriffigkeit umzudeuten. Dies kann kurzfristig entlasten, da es den Opfern ermöglicht, den von ihren TäterInnen in sie projizierten Schuldgefühlen einen Sinn zu verleihen. Da es sich bei Missbrauchskontexten aber immer um perverse handelt, löst es das zu Grunde liegende Problem nicht. Gefährlich wird es, wenn „Familienstellen“ verhindert, dass Menschen, die echte Hilfe benötigen keine bekommen. Besser ist es, sich als Missbrauchsopfer, Mitbetroffener und transgenerational traumatisierter Mensch an einen zertifzierten Psychotraumatologen zu wenden. Sie sind in zwei Fachgesellschaften organsiert, der EMDRIA und der DeGPT.

    Bert Hellinger hat übrigens nie eine Ausbildung zum Psychotherapeuten absolviert. Ebensowenig ist er Psychoanalytiker. Anton Hellinger, wie er eigentlich heißt, war bis 1971 Katholischer Priester und leitete als Ordensbruder der Mariannhiller Missionare in Südafrika eine Missionsschule. Wer weiß, vielleicht melden sich noch Menschen, die vor Jahrzehnten, zu Zeiten Pater Suit(berts), dort als Schüler und (Schülerinnen?) interniert waren. Gut möglich, dass sich dadurch der eigentliche Zweck des „Familienstellens“ offenbaren würde.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer von schwerem sexuellen Missbrauch wurden

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    1. Hier eine gelungene Zusammenstellung zum Weltbild des Anton Hellinger, laizierter Ordenspriester http://www.vachss.de/mission/berichterstattung/hellinger.html Verwundert es da noch, dass es auch christliche Familienbildungsstätten sind, in denen die „Aufstellungen“ zur Reinszenierung „natürlicher“ Ordnungen statt finden? Etwas ketzerisch: warum missbraucht „Gott“ seine Kinder?

      Ich frage mich, welches Verhältnis Anton Hellinger wohl zu seiner Mutter hatte.

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